Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Radwege: Politiker geben extra Millionen
Lokales Lübeck Radwege: Politiker geben extra Millionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:51 20.11.2018
Der Radweg in der Roeckstraße ist kaputt und das Radeln darauf eine Zumutung. Seit Jahren wird darüber diskutiert und geschimpft – passiert ist bisher aber nichts. Quelle: foto: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Lübeck wird Radfahrer-Stadt. Zumindest ein bisschen. Der Bauausschuss hat am Montagabend zwei Millionen Euro extra für den Ausbau von Radwegen beschlossen. Außerdem wollen die Politiker etliche Projekte wie Tempo 30 in der Roeckstraße und den Bau der lange geplanten Stadtgrabenbrücke verwirklichen. Die Bürgerschaft muss Ende des Monats darüber entscheiden.

Buckelpiste Nummer eins

Roeckstraße: Der Radweg gehört zu Lübecks Buckelpisten Nummer eins. Jetzt gibt es eine Lösung: Die Radwege werden gesperrt – und die Radler fahren auf der Straße, gemeinsam mit den Bussen und Autos. Betroffen sind täglich 4000 Radfahrer. Und: Es gilt dann Tempo 30 in der Roeckstraße, damit die Kombination aus Autos und Fahrrädern in der Straße funktioniert. Allerdings kommt diese Variante sowieso, auch wenn die Baupolitiker nicht dafür gestimmt hätten, denn die buckelige Radpiste ist zu gefährlich. Die Stadt hätte sie sowieso gesperrt. In Richtung stadtauswärts wird sie noch in diesem Jahr gesperrt, in Richtung stadteinwärts dann im Frühjahr. Für 200 000 Euro werden die beiden Radwege von Asphalt befreit. Die Gehwege sollen verbreitert werden. Was das kostet, ist allerdings noch unklar.

„Eine ordentliche Lösung“, meint Carl Howe (GAL). „Das hätten wir schon früher haben können“, moniert Arne-Matz Ramcke. Denn der Vorschlag lag bereits vor Jahren auf dem Tisch. Doch CDU und SPD lehnten ihn ab. „Wir haben Probleme damit, die Schüler auf die Straße zu schicken“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Daher seien die breiten Gehwege wichtig, damit die Steppkes notfalls dort fahren können. „Was haben denn die Schulen dazu gesagt?“ Verkehrsplaner Nils Weiland: „Keine hat uns geantwortet.“

Stadtgrabenbrücke und Fahrradschnellweg

Eine alte Idee neu beschlossen: Die Stadt soll eine Stadtgrabenbrücke bauen. Das haben die Baupolitiker einmütig beschlossen – dagegen ist die CDU. Kein Wunder. Sie hatte den Bau der Querung 2006 gestoppt. Die Brücke soll den Bahnhof mit der Altstadtinsel verbinden. Damit wäre eine Achse für Fußgänger und Radfahrer geschaffen. Sie soll vom Bahnhof über die Werftstraße bei der IHK zur neuen Brücke über den Stadtgraben zur Willy-Brandt-Allee führen. Von dort geht es weiter über die MuK-Brücke, die Beckergrube hoch, durch Pfaffenstraße (Radfahrer müssen schieben) und Glockengießerstraße und über die Glitzerbrücke bis zur Falkenstraße.

Die Stadtgrabenbrücke soll den Bahnhof mit der Altstadtinsel verbinden. Quelle: Jochen Wenzel

Außerdem wollen die Baupolitiker einen Fahrradschnellweg haben. Er soll von Bad Schwartau über die Lübecker Altstadt bis zum Hochschulstadtteil führen. Vor allem soll die Ratzeburger Allee zwischen dem St. Jürgen-Ring und dem Uniklinikum fahrradfreundlich umgebaut werden. Weiterer Punkt: Der Radweg auf dem Lindenteller wird rot eingefärbt werden, so der Wunsch der Baupolitiker.

Zwei Millionen pro Jahr für Radwege

Das Ganze kostet Geld: Zwei Millionen Euro pro Jahr soll es ab 2020 für den Ausbau der Radwege geben, außerdem eine neue Stelle im Bereich Verkehrsplanung mit dem Aufgabengebiet Radwege. „Bis die Stelle besetzt ist, dauert es bis Ende 2019“, meint SPD-Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell. Daher werde das extra Geld für die Radwege auch erst ab 2020 benötigt. Weitere 70 000 Euro sind für 2019 für das Radverkehrskonzept vorgesehen.

Eine zwölf Jahre alte Idee

Dieser Artikel erschien in den Lübecker Nachrichten am 16. Mai 2006

Brückenschlag am Stadtgraben

Für 1,5 Millionen Euro: Stadt will Fußgänger und Radfahrern Überweg bauen. Die geplante Querung führt über den Stadtgraben und soll eine Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt erschließen.

Von Josephine von Zastrow

Lübeck soll eine neue Brücke bekommen. Für 1,46 Millionen Euro will die Stadt eine Querung für Fußgänger und Radfahrer über den Stadtgraben bauen. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Papier des Bauausschusses hervor. Diese Konstruktion soll den Bereich Bahnhof und Linden Arcaden mit der Altstadtinsel verbinden. Das Geld für die neue Stadtgraben-Brücke ist bereits im städtischen Haushalt eingeplant und stammt aus Grundstücksverkäufen der Stadt aus den vergangenen zehn Jahren.

"Ich begrüße den Brückenbau außerordentlich", erklärt Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft in Lübeck (KWL). Das städtische Unternehmen ist von der Brücke betroffen, da sie von dem zurzeit brach liegenden KWL-Gelände in der Werftstraße hinüber auf die andere Seite des Stadtgrabens führt - zur Willy-Brandt-Allee. Von dort könnten Fußgänger und Radler dann über die Brücke an der Musik- und Kongresshalle (MuK) in die Altstadt gelangen und müssten nicht den viel befahrenen Lindenteller nutzen. "Das ist ein logisches Konzept", sagt Gerdes.

Sven Schindler, baupolitischer Sprecher der SPD, steht ebenfalls zu der neuen Achse Bahnhof- MuK-Beckergrube. "Wir sind für den Bau der Brücke", so Schindler. Anders argumentiert sein Pendant, Christopher Lötsch, von der CDU: "Meiner Ansicht nach haben wir genügend Brücken." Doch innerhalb seiner Partei gibt es noch keine einheitliche Meinung. Auf CDU-Antrag wurde deshalb gestern im Bauauschuss die Entscheidung verschoben.

Die neue Stadtgraben-Querung überspannt das Wasser auf etwa 40 Metern Länge. Sie ist als Schrägseilbrücke konstruiert. Aus dem Papier geht hervor, dass ein etwa 35 Meter hoher Stahlpfeiler auf der Uferseite an der Willy-Brandt-Allee geplant ist. An dem so genannten Pylon ist die Brücke mit insgesamt sechs Seilen aufgehängt: Fünf davon weisen in Richtung Werftstraße, eines in die andere. Die neue Brücke ist vier Meter breit und hat eine Neigung von maximal 4,5 Prozent - und soll auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein. Die Durchfahrtshöhe unter dem Bauwerk beträgt 4,50 Meter. Die Stadtgraben-Brücke soll grau gestrichen werden. "Durch ihre prägnante Ausbildung unterstützt sie die Bedeutung dieser fußläufigen Verbindung", heißt es.

Für die KWL hätte die neue Stadtgraben-Brücke einen weiteren Vorteil. Denn auf dem Gelände der Werftstraße soll ein Altenwohnheim entstehen, das nach dem Vorbild von Senioren-WGs konzipiert ist. Die Verträge mit dem Hamburger Investor Manfred Schoenbach, der bereits die Linden Arcaden gebaut hat, stehen kurz vor dem Abschluss.

Erst kürzlich war die Stadt in die Kritik geraten, da sie jetzt für 900 000 Euro inklusive Planungskosten eine Fußgängerbrücke über die Obertrave baut. Die Querung verursachte großen Wirbel, da das Rechnungsprüfungsamt den Verzicht empfahl. Grund: Zwischen Holsten- und Dankwartsbrücke sei kein weiteres Bauwerk notwendig. Der Bauausschuss stimmte trotzdem für den Brückenbau. Das Land zahlt 738 000 Euro der Baukosten.

Josephine von Zastrow

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein bundesweites Projekt hält Einzug in Lübeck: An Orten der persönlichen Begegnung sollen integrative Freundschaften entstehen. Flüchtlinge und Einheimische sollen in die Gesellschaft integriert werden.

20.11.2018
Lübeck Grüne Wiese und Online-Handel - Innenstadt hat 100 Geschäfte verloren

Der Einzelhandel in der Innenstadt ist in den vergangenen zehn Jahren massiv unter Druck geraten. Vor allem Bekleidungsgeschäfte machten dicht. Der Handel auf der Grünen Wiese expandierte.

20.11.2018
Lübeck Plastikmüll im Meer – Verein baut Sammelanlage - Segler können Müll mustergültig entsorgen

Segler sammeln Plastikmüll aus dem Meer, aber die fachgerechte Entsorgung im Hafen ist oft ein Problem. Der Segler-Verein Trave hat jetzt eine Sammelanlage gebaut, die viele Probleme löst.

20.11.2018