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Lübeck Lübecks kleine Schachgroßmeister
Lokales Lübeck Lübecks kleine Schachgroßmeister
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22:10 08.02.2013
Von Julia Konerding
Zug um Zug: Konzentriert überlegen die jungen Schachspieler ihren nächsten Zug. 15 Minuten hatten die Schüler jeweils Zeit, ihren Gegner schachmatt zu setzen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Dicke geflochtene Seitenzöpfe, Fransenoutfit, bunte Bemalung im Gesicht: Kai sitzt eine außergewöhnliche Gegnerin gegenüber. Der Neunjährige, der für die Schule Marli antritt, muss es in der dritten Runde beim sechsten Lübecker Schachturnier nicht nur mit dem König, der Dame, den Türmen und Co. seiner Kontrahentin aufnehmen. Nein, Kai bekommt es in dieser Partie mit einer leibhaftigen Indianerin zu tun. „Wir hätten heute eigentlich Fasching in der Schule gehabt“, erzählt Lilli, die in die zweite Klasse der Kahlhorst-Schule geht. Da die Siebenjährige aber ihr erstes Schachturnier nicht verpassen wollte, kam sie kurzerhand verkleidet in die Media Docks.

Damit ist die talentierte Schachspielerin aber die Ausnahme. Bunt ist das Treiben bei dem Turnier aber dennoch. Kinder und Jugendliche in farbenfrohen Schul- T-Shirts wuseln aufgeregt hin und her, lautes Stimmengeplapper erfüllt die Media Docks. Schlagartig wird es in dem großen Raum jedoch mucksmäuschenstill: Mit einem Schlag auf den Gong gibt Ausrichter Michael Weiss die nächste Runde frei.

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15 Minuten haben die Schüler nun jeweils Zeit, ihr Gegenüber Schachmatt zu setzen. Bei Joa (7) und Emre (8) geht es ganz schnell. Nach 14 Sekunden hat Joa gewonnen. „Das war leicht“, sagt der Siebenjährige von der Paul-Gerhardt-Schule und grinst über das ganze Gesicht.

Die Kinder spielen immer viel zu schnell, weiß Wolfgang Clemens, Leiter der Schach-AG an der Kahlhorst-Schule. Sie würden sich keine Bedenkzeit nehmen. Alva (8) und Timo (9) dagegen überlegen gründlich, bevor sie einen Zug machen. Die Schülerin der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen spielt zwei bis fünfmal in der Woche Schach. Angefangen hat die Achtjährige in der Schul-AG, schnell ist sie dann in den Lübecker Schachverein (LSV) gewechselt. „Sie ist auch im Landeskader“, sagt ihre Mutter Sylke Glinzner. Am Ende hat Alva die Nase vorne, das Gewinnen steht für sie jaber nicht im Vordergrund. Sie hat einfach Spaß am Schachspielen.

Den haben auch Kolja (8) und Jakob (9) von der Schule Lauerholz. „Das ist ein Denksport“, sagt der Neunjährige. „Man kann aus Fehlern lernen.“ Das viele Denken gefällt auch seinem Teamkameraden Kolja so gut am Schachspielen. Damit sind die beiden Jungen keine Ausnahme. Der Sport boomt. „Schach ist gefragt“, bestätigt Michael Weiss, der auch Jugendwart im LSV ist. „Es engagieren sich immer mehr Schulen auf dem Gebiet.“ Das spiegelt sich auch an den Teilnehmerzahlen des von der Michael-Haukohl-Stiftung geförderten Turniers wider. Mehr als 300 Teilnehmer sind bei der sechsten Auflage am Start. „Wir haben ungefähr 100 Kinder mehr als im letzten Jahr“, sagt Weiss. Zum ersten Mal konnten alle ausgeschriebenen Altersklassen besetzt werden. Wegen des großen Andrangs musste die Organisatoren das Turniergeschehen auf einen zweiten Raum ausweiten. „Das ist eine Herausforderung“, gibt der Ausrichter zu und kündigt lachend an: „Nächstes Jahr müssen wir in die MuK.“

Ergebnisse
Gymnasien Klassen 5-7: 1. Oberschule zum Dom, 2. Thomas-Mann-Schule (TMS), 3. Katharineum, Klassen 8-10: 1. Ernestinenschule, 2. TMS 1, 3. Katharineum; Gemeinschafts- und Regionalschulen Klassen 5-7: 1. St. Jürgen 1, 2. Klasse 6 c St. Jürgen, 3. Emil-Geibel-Schule, Klassen 8-10:

1. St. Jürgen 2, 2. Klasse 8a, 3. Klasse 8b (beide St. Jürgen); Grundschulen: 1. Domschule, 2. Grönauer Baum, 3. Paul-Gerhardt-Schule 1

Julia Konerding