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Lokales Lübeck Lübecks neue Gefängnis-Pastorin
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21:38 27.09.2019
Martina Zepke-Lembcke ist die neue Seelsorgerin der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler
St. Gertrud

Martina Zepke-Lembcke, ursprünglich aus Berlin, sah das Stellenangebot im kirchlichen Amtsblatt und sagte sich: „Dit kannste!“ Menschen in besonderen Lebenslagen, Ausnahmesituationen, Krisen: Damit kannte sie sich aus nach 26 Jahren als Seelsorgerin in der Psychiatrie beim Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein in Rickling. So kam es, dass sie mit 56 Jahren noch einmal etwas Neues anfing. Gestern ist sie mit einem Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt Lübeck als neue Gefängnisseelsorgerin eingeführt worden.

Zehn geschlossene Türen auf dem Arbeitsweg

Die Arbeit hat sie schon im Juni aufgenommen. Manches, sagt die Pastorin, sei komplizierter als an ihrem alten Arbeitsplatz. „Alles dauert viel länger. Allein dieses Durchschließen! Ich muss durch acht bis zehn Türen, um zu meinem Arbeitsplatz zu kommen.“ Die Gefangenen müssen Anträge stellen, um zu ihr zu kommen – selbst für den Gottesdienst. Angst, sagt Martina Zepke-Lembcke, habe sie nicht. „In 25 Jahren habe ich nie etwas Böses erlebt – auch nicht in der geschlossenen Psychiatrie für Männer.“ Außerdem gehöre sie für die Gefangenen nicht zum System Justiz. „Das bedeutet auch einen gewissen Schutz.“

„Die gehen offen mit ihren Taten um“

Zu ihr kommen Christen, Muslime und Atheisten. Sie sei erstaunt, wie offen die Insassen mit ihr sprächen, sagt sie: „Die gehen sehr offen mit ihren Taten um. Die meisten sagen: ,Ich bin völlig zu Recht hier.‘“ Aber sie legt Wert darauf, die Menschen nicht nur als Täter zu sehen. „Mir ist immer wichtig, die ganze Geschichte anzugucken. Niemand ist als Mörder geboren.“

Viele Insassen sind psychisch krank

Natürlich sei es wichtig, professionelle Distanz zu wahren, sagt sie. Aber Empathie müsse sie immer haben. Die meisten Insassen, mit denen sie spreche, hätten Schuldgefühle. Erschrocken sei sie, wie viele von ihnen einen psychiatrischen Hintergrund hätten. „Manche haben das Pech gehabt, erst kriminell zu werden, bevor sie in psychiatrische Behandlung kamen. Bei einigen denke ich: Eigentlich müssten die therapiert werden, die sind hier völlig falsch!“

Buntstifte und Spiritualität

Manchmal leistet die Pastorin ganz praktische Unterstützung und besorgt Buntstifte oder Gitarrensaiten. Manchmal begleitet sie Häftlinge, wenn sie Ausgang haben oder wenn die Familie zu Besuch kommt. Und manchmal hilft sie ihnen mit Spiritualität. „Spiritualität ist nicht nur das Gebet. Das kann auch ein Lied sein oder ein vierzeiliges Gedicht oder ein Musikstück, das ich mitbringe. Die Gefangenen fühlen sich darin aufgehoben.“

Von Hanno Kabel

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