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Lübeck Stadtwerke: Chef Jürgen Schäffner geht
Lokales Lübeck Stadtwerke: Chef Jürgen Schäffner geht
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21:50 13.09.2019
Aus, vorbei: Geschäftsführer Jürgen Schäffner (55) verlässt die Stadtwerke Ende des Jahres – nach fünfeinhalb Jahren. Er hat am 1. Juli 2014 angefangen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Jetzt ist das Ringen um die Führung bei den Stadtwerken endgültig entschieden: Geschäftsführer Jürgen Schäffner (55) geht. Geschäftsführer Jens Meier (36) bleibt. Damit wird Meier voraussichtlich zum alleinigen Chef des größten städtischen Unternehmens. Dem Vernehmen nach wird er auch Chef des Stadtwerke-Konzerns. Schäffner hingegen verlässt die Stadtwerke zum 31. Dezember. Damit zieht er die Konsequenz aus einem Konflikt, der seit Monaten bei den Stadtwerken schwelt. Beide Aufsichtsräte haben das Ganze abgesegnet.

Schäffners Bilanz: Gute Zahlen, guter Service

Offiziell verlässt Schäffner das Unternehmen aus „persönlichen Gründen“. Ihm sei es gelungen, den Stadtwerke-Konzern in „wirtschaftlich stabiles Fahrwasser zu führen“, so Schäffner. Für diese Aufgabe wurde er im Juli 2014 als Geschäftsführer eingestellt. Jetzt wolle er sich auf neue Herausforderungen konzentrieren. Schäffner hat jedes Jahr gute Zahlen vorgelegt und die Stadtwerke auf Kundenservice getrimmt.

Stadtwerke-Konzern

Der Stadtwerke-Konzern ist ein kompliziertes Konstrukt. Unter der Stadtwerke-Holding sind zusammen gefasst: Stadtwerke und Stadtverkehr. Vereinfacht ausgedrückt: Die Stadtwerke verdienen als Energieversorger das Geld, der Stadtverkehr gibt es für die öffentlichen Busse wieder aus.

Der Stadtwerke-Konzern macht Gewinne. Beispiel 2017 (neuere Zahlen sind noch nicht veröffentlicht): Der Konzern verbucht ein Plus von 3,2 Millionen Euro. Der Grund: Die Stadtwerke haben als Energieversorger 20,3 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Stadtwerke finanzieren den Stadtverkehr und gleichen dessen Defizit aus. Der Stadtverkehr hat mit den Bussen ein Minus von 12,2 Millionen Euro eingefahren. Verbleibt ein Plus von 8,1 Millionen Euro. Aber der Konzern muss knapp fünf Millionen Euro an Steuern zahlen. Unterm Strich bleiben 3,2 Millionen Euro als Gewinn übrig.

Stadtwerke – ein politisches Unternehmen

Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) bedankt sich für die „hervorragende Tätigkeit“ Schäffners. Dabei sind er und die Aufsichtsräte in den Führungskampf involviert gewesen. Denn die Stadtwerke sind ein Unternehmen der Stadt. Im Aufsichtsrat sitzen Politiker. Als Gesellschafter tritt der Bürgermeister auf. Der Aufsichtsrat Stadtwerke Holding hatte Schäffner lange unterstützt. „Ich bedauere den Weggang“, sagt Vorsitzender Ulrich Pluschkell (SPD). „Er hat die Stadtwerke wirtschaftlich gesundet.“ Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hingegen hatte sich hinter Meier gestellt. „Wir wollten nur, dass Meier bleibt“, bestätigt Vorsitzender Andreas Zander (CDU). Aber: „Wir haben nie gesagt, dass Schäffner gehen soll.“

Stadtwerke Quelle: Jochen Wenzel

Der Machtkampf tobt seit März

Der Hintergrund: Im März wollte Meier die Stadtwerke verlassen. Seit 1. Juli 2017 leitete er die Netz Lübeck GmbH, die große Tochter der Stadtwerke. Damals war Schäffner sein Chef. Doch beide Männer hatten unterschiedliche Ideen, wie die Stadtwerke künftig aussehen sollen. Die Kurzform: Die Stadtwerke sind ein klassischer Energieversorger – mit guten Zahlen und gutem Service. Dafür steht Schäffner. Die Stadtwerke werden ein Innovations-Unternehmen. Mit Fokus auf Netz-Infrastruktur und Digitalisierung. Dafür steht Meier. In dieser Hinsicht kamen die beiden Männer nicht zusammen. Deshalb wollte Meier gehen. So weit, so gewöhnlich.

Der neue starke Mann der Stadtwerke: Jens Meier (36) wird alleiniger Stadtwerke-Chef – ab 1. Januar 2020. Er ist seit 1. Juli 2017 bei den Stadtwerken. Quelle: Lutz Roeßler

Stadtwerke-Doppelspitze ist keine Lösung

Ungewöhnlich ist, dass der Stadtwerke Aufsichtsrat sich hinter Meier stellte – und ihn aufforderte zu bleiben. Plötzlich hatte sich das Machtgefüge in Richtung Meier verschoben. Allerdings: Der Stadtwerke Holding Aufsichtsrat stellte sich hinter Schäffner. Nun gab es eine Patt-Situation. Vertrackt. Was nun? Die Entscheidung fällten die Aufsichtsräte im Juni: Die Stadtwerke bekommen eine Doppelspitze. Schäffner bleibt Stadtwerke-Chef und Meier wird ebenfalls Stadtwerke-Chef. Für Meiers vorherigen Chefposten der Netz Lübeck wird ein Nachfolger gesucht. Allerdings: Die Doppelspitze ist eine Lösung, die nur ein paar Monate hält.

Der Goldene Handschlag

Für die Stadtwerke wird der Chefwechsel erst teuer – und dann billiger. Schäffner verlässt die Stadtwerke zum Ende des Jahres. Nach LN-Informationen bezieht er aber weiterhin bis Ende September 2020 sein Gehalt. Sein festes Jahresgehalt beträgt 370 000 Euro. Das geht aus dem öffentlichen Bericht der Stadt hervor zu den Gehältern der Geschäftsführer. Demnach wird es ab Oktober 2020 billiger für die Stadtwerke. Denn Meier bezieht ein Jahresgehalt von etwa 140 000 Euro. Sollte er indes auch Chef des Stadtwerke-Konzerns werden, könnte es steigen.

Kommentar

Stadtwerke: Mutter mit großer Tochter

Von Josephine von Zastrow

Das Ergebnis des Machtkampfs bei den Stadtwerken: Jürgen Schäffner geht, Jens Meier bleibt. Schäffner hat die Zahlen in Ordnung und den Kundenservice auf Vordermann gebracht. Und: Das Image der Stadtwerke verbessert. Blick zurück: Als er den Laden Mitte 2014 übernahm, war die Affäre um das 115 000-Euro-Jahresgehalt des Betriebsratschefs gerade soeben abgeschlossen.

Jetzt geht Schäffner. Aber nicht freiwillig. Bürgermeister und Aufsichtsräte haben ihn entmachtet. Jens Meier ist vom Chef der Netz Lübeck aufgestiegen, wurde neben Schäffner zum Chef der Stadtwerke. Denn er will Innovation und Digitalisierung. Doch diese Doppelspitze mit Schäffner und Meier war eine politische Lösung. Sie diente der Gesichtswahrung, aber nicht dem Unternehmen. Das war allen klar. Sicher ist: Die öffentliche Demontage des Chefs hat den Stadtwerken geschadet.

Wie konnte es soweit kommen? Ein Lager gibt Meier Schuld. Er habe sich in Reihe eins drängeln wollen. Das andere Lager gibt Schäffner Schuld. Er habe niemanden neben sich geduldet. Nun, Chefs haben ein Alpha-Gen. Das gehört zur Job-Beschreibung.

Das Problem liegt jedoch tiefer vergraben: in der Struktur der Stadtwerke. Die Stadtwerke haben 120 Mitarbeiter, die Netz Lübeck hat 450 Mitarbeiter. Die Stadtwerke nehmen vier Millionen Euro ein, die Netz Lübeck nimmt elf Millionen Euro. Die Stadtwerke sind die Mutter, die Netz ist die Tochter. Doch die Tochter ist viel größer als die Mutter. Das kann auf Dauer nicht gut gehen

Von Josephine von Zastrow

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