Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Auf dem Fahrrad in 4000 Meter Höhe
Lokales Lübeck Auf dem Fahrrad in 4000 Meter Höhe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:51 27.07.2019
Luisa Rische auf dem Weg nach Cebollar in Bolivien. Quelle: Luisa Rische
Lübeck/Bolivien

Nachdem ich 16 Monate lang durch vier Länder geradelt bin – Neuseeland, Australien, Chile und Argentinien – habe ich im dritten Jahr meiner Reise eine neue Grenze überquert: Ich komme in das ärmste Land des südamerikanischen Kontinents, Bolivien, das eingekesselt zwischen fünf Nationen an den südlichen Grenzen des Amazonas und im Zentrum des Altiplano, Hochplateau der Zentralanden, liegt. Elf Millionen Menschen leben in dem Binnenstaat, der den größten Salzsee der Welt beherbergt und an den höchstgelegenen kommerziell schiffbaren See grenzt. Zwischen Salar de Uyuni und Titicaca-See beginne ich meine Rückfahrt nach Hause.

Doch beginnen wir, wo wir stehengeblieben waren. Was ist seit Patagonien passiert, das einige tausend Kilometer vom Altiplano entfernt liegt? Der Winter hatte die Region fest im Griff. Zunächst eingeschneit und dann im Regen fast ertrunken, verließ ich die Region im beheizten Innenraum eines Geländewagens, zusammen mit Daniel und Frederico, denen ich gar keine Wahl ließ, als mich mitzunehmen. Mit fuchtelnden Armen brachte ich den Geländewagen zum Stehen, denn auch meine Kette hatte mich im Stich gelassen, die über die Ritzel des Kettenblatts sprang, statt mich voranzubringen.

Luisa Rische (v. l.), Marco, Aida, Alberto, Suwanna, Heike und Raphael in der Unterkunft in San Juan, eine Pilgerherberge der Gemeinde. Quelle: Luisa Rische

Zurück am Lago Llanquihue, im Norden Patagoniens, zeigte sich der Winter von seiner milden Seite und ich begann meinen Urlaub vom Reisen, in der Geborgenheit von Marian und Rodrigo. Nachdem mir der Hunger in der Kälte Patagoniens den Schlaf geraubt und meine Träume beherrscht hatte, ließ ich mich tagelang mit Selbstgekochtem verwöhnen. Erst am Lago Llanquihue, dann in Bariloche bei Natascha, die ich Monate zuvor auf dem Carretera Austral getroffen hatte, auf dem Weg ans südliche Ende der Welt. In Bariloche hatte ich nur noch den Norden vor Augen. Mir war nicht klar, dass ich auf dem Weg in den nächsten Winter war.

Rückblick auf Chile

In Osorno traf ich Kuan aus Malaysia wieder, ein Fernbus brachte uns nach Santiago, wo sich unsere Wege trennten – allerdings nur für kurze Zeit. Ich übernachtete zunächst bei Tuty, die ich am Anfang meiner Reise durch Chile kennengelernt hatte. Da ich allerdings zwei Wochen auf meine Gelbfieberimpfung warten musste, verbrachte ich die zweite Woche bei Javiera, die Mitglied bei Warmshowers ist, und zur gleichen Zeit Kuan beherbergte. Zusammen geradelt sind Kuan und ich bis heute nicht, denn obwohl wir uns gut verstehen, ist uns klar, dass wir auf dem Fahrrad niemals einen gemeinsamen Rhythmus finden würden.

Am höchsten Punkt in Ascotan in Chile sind Luisa Rische und ihre Begleiterin Heike auf 3965 Meter. „So hoch war ich mit dem Rad noch nie“, erzählt Luisa. Quelle: Luisa Rische

Körperliche Herausforderung

Als ich nach einem Monat auf das Fahrrad zurückkehrte, schlief ich jede Nacht fast zwölf Stunden, um mich von der Anstrengung zu erholen. Mit dem Fahrrad zu reisen – so leicht es fällt, wenn ich im Fluss bin – bleibt eben doch eine körperliche Herausforderung, die untrainiert von einem Tal der Erschöpfung ins nächste führt. Ich ließ mir Zeit und hatte Glück. In Los Vilos rannte ich einem Warmshowers-Gastgeber in die Arme, der mich gleich bei sich aufnahm. Am nächsten Tag nahm ich ein letztes Mal den Bus, von Los Vilos nach Taltal, denn ich war verabredet in Calama.

Zuerst Probleme mit der Höhe

Vier Tage radelte ich von Antofagasta stetig bergauf, durch die Atacama-Wüste zur Wüstenstadt, wo ich nach drei Monaten Heike wiedertraf. Zusammen nahmen wir die nächsten 2000 Höhenmeter bis Bolivien auf uns. Chile verabschiedete sich mit einer Laola-Welle der Gastfreundlichkeit. Wir schliefen in Schlafsälen von Gemeinden, Minen und der Polizei; die Chilenen luden uns zum Abendbrot und Frühstück ein, beschenkten uns mit Obst und Gesprächen. Nur in Ascotan, am höchsten Punkt auf fast 4000 Metern, hatte mir die Höhe so den Kopf verdreht, dass ich nichts mehr essen konnte. Mit angeschwollenen und blut-unterlaufenen Augen versicherte ich einem Polizisten am nächsten Morgen dreimal, dass es mir gutginge.

Heike, Suwanna und Luisa Rische machen Pause auf dem Weg nach San Juan. Quelle: Luisa Rische

An den vereisten Salzseen vorbei, auf denen sich die Flamingos spiegeln, radelten Heike und ich weiter in die Grenzstadt Ollagüe. Nach einer bitterkalten Nacht in einer Ruine überquerten wir die Grenze und schlossen uns in Bolivien Raphael und Suwanna aus Frankreich und Thailand an. Die Höhe verursachte zu diesem Zeitpunkt kein atemloses Schweigen mehr. Als wir in Bolivien ankamen, hatte mein Körper sich an die dünne Luft gewöhnt, mit einem freien Kopf und leichten Beinen sog ich die Landschaft des Altiplano ein.

Ankunft in der Salzwüste

Auf der zentralen Hochebene der Anden liegt Salzsee an Salzsee, umgeben von Bergen, deren Oberfläche Gelb-, Rot- und Brauntöne wie in einem Regenbogen verbindet. An den Rändern der Salzkrusten bauen die Bolivianer, die sich unter Hüten und hinter Tüchern vor der Sonne verstecken, Quinoa an. Raphael und Suwanna entschleunigen uns. Wir schlafen in einem leerstehenden Bahnhof, in einer Herberge der Gemeinde San Juan, die von Aida und Alberto betreut wird, die sich am Abend zu uns setzen, und in einem leeren Raum der Gemeinde Colcha K, bevor wir uns gemeinsam in die weiße Salzwüste stürzen, die Salar de Uyuni.

Luisa Rische

Das Angebot auf dem 7. „Handgemacht Markt“ ist mit kreativer Kunst breit gefächert. 60 Künstler und Kunsthandwerker stellen auch am Sonntag noch auf dem Lübecker Markt aus.

27.07.2019

Gratis Fußbad für Spaziergänger an der Obertrave in Lübecks Innenstadt: Wegen des auflandigen Windes ist der Wasserstand derzeit etwas höher als gewohnt.

27.07.2019

„Jetzt ist Schluss“: Nach 36 Jahren Intersport Mauritz in der Lübecker Innenstadt schließen Dagmar und Peter Mauritz ihr Sportgeschäft. Der Räumungsverkauf beginnt am Donnerstag.

27.07.2019