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Lübeck Machtkampf bei den Stadtwerken: Wer bleibt Chef?
Lokales Lübeck Machtkampf bei den Stadtwerken: Wer bleibt Chef?
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11:21 16.05.2019
Hinter den Kulissen der Stadtwerke Lübeck tobt ein Machtkampf. Der Energieversorger ist das städtische Unternehmen mit dem größten Umsatz. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Bei den Lübecker Stadtwerken wird um die Führung gerungen. Unklar ist, wer am Ende im städtischen Unternehmen mehr Macht bekommt: Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner oder Netz-Chef Jens Meier. Beide wollen die Stadtwerke in die Zukunft führen – haben aber unterschiedliche Ideen für das größte städtische Unternehmen. Jetzt gibt es eine Sondersitzung des Aufsichtsrats am Freitag.

Der Konflikt bei den Stadtwerken schwelt seit Monaten

Der Konflikt schwelt seit Monaten. Konkret: Netz-Chef Jens Meier hat um die Auflösung seines Arbeitsvertrages gebeten. Das war am 21. März. Das Ganze schien gelaufen. Bürgermeister Jan Lindenau hat das Schreiben erhalten. Eine entsprechende Mitteilung sollte veröffentlicht werden. Aber da hat der Stadtwerke-Aufsichtsrat nicht mitgespielt. In einer Sitzung am 25. März hat das Gremium für den Verbleib von Meier votiert – und ihm einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Zugleich hat das Gremium Lindenau empfohlen, Meyer zu behalten.

Der Netz-Chef: Jens Meier (35) ist seit 1. Juli 2017 Geschäftsführer der Netz Lübeck GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler

Aufsichtsräte haben unterschiedliche Positionen

Nach LN-Informationen wird derzeit eine Variante besonders diskutiert: Meier steigt auf. Er wird vom Netz-Chef (eine Tochter der Stadtwerke) zum Stadtwerke-Chef – wie Schäffner. Dann führen beide das Unternehmen. Und: Meier kommt in die Stadtwerke Holding, die noch eine Etage darüber sitzt. Nach diesem Szenario soll Schäffner die Holding verlassen. Damit würde das Pendel der Macht eindeutig in Meiers Richtung ausschlagen – und Schäffner würde entmachtet werden.

Der Stadtwerke-Chef: Jürgen Schäffner (54) ist seit 1. Juli 2017 Geschäftsführer des städtischen Energieversorgers – und sitzt in der Stadtwerke Holding. Quelle: Lutz Roeßler

Aber das macht der Aufsichtsrat der Stadtwerke-Holding nicht mit. Das Gremium unterstützt Schäffner, nicht Meier. Kurz vor Ostern sollte deshalb eine Sondersitzung stattfinden – am 17. April. Doch die kam nicht zustande, weil zu viele Teilnehmer im Urlaub waren. Die Sache hing in der Luft. Es wurden Gespräche geführt.

So sind die Lübecker Stadtwerke organisiert Quelle: Jochen Wenzel

Unklar ist, wie der Machtkampf ausgeht

Jetzt gibt es eine Sondersitzung des Aufsichtsrats der Stadtwerke Holding an diesem Freitag. Spricht sich dieses Gremium auch offiziell für Schäffner aus? Dann würde der Machtkampf noch weiter eskalieren: Der Stadtwerke-Aufsichtsrat unterstützt Meier, der Holding-Aufsichtsrat unterstützt Schäffner. Und die Sache könnte noch dramatischer werden. Denn am Montag tagt regulär der Aufsichtsrat der Stadtwerke. Der könnte sich dann nicht nur erneut für Meier aussprechen, sondern sich zusätzlich gegen Schäffner positionieren.

Hier finden Sie alle Artikel über die Lübecker Stadtwerke: https://www.ln-online.de/Thema/S/Stadtwerke-Luebeck

Es geht um die Zukunft der Lübecker Stadtwerke

Im Kern geht es um die Zukunft des städtischen Energieversorgers. Dazu gibt es zwei Visionen. Nummer eins: Die Stadtwerke bleiben ein klassischer Energieversorger. Dafür steht Schäffner. Für ihn sprechen: gute Zahlen, guter Service. Schäffner hat jedes Jahr gute Zahlen vorgelegt. Er hat elf Millionen Euro an die Stadt zurückgezahlt – noch bevor das Darlehen fällig war. Und er setzt auf Service. Sein Motto: Wir sind zwar teurer als die Billig-Anbieter, aber wie bieten guten Service. Damit hat er auch lokale Großkunden zurückgewonnen und das Image der Stadtwerke wesentlich verbessert.

Kritik an Bürgermeister Jan Lindenau

Der Machtkampf bei den Stadtwerken Lübeck ruft die Kommunalpolitiker auf den Plan. Sie sehen Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) in der Verantwortung. „Das ist ein ganz klares Versagen des Bürgermeisters“, erklärt CDU-Fraktionschef Oliver Prieur. „Er hätte den Konflikt schon viel früher lösen müssen.“

„Es hätte nie soweit kommen dürfen“, stimmt FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke zu. Auch er macht Lindenau für den massiven Konflikt innerhalb der Stadtwerke verantwortlich.

„Mir leuchtet nicht ein, warum wir jetzt eine Führungsdiskussion vom Zaun brechen sollten“, sagt auch Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt. Denn: „Die Stadtwerke befinden sich auf einem guten Kurs.“ Sie hätte sich eine rechtzeitige Einbeziehung der Politik gewünscht, „bevor wir unnötig Porzellan kaputt schlagen“.

Bürgermeister Lindenau sieht das anders: „Es gibt keinen Grund in Hektik zu verfallen.“

Vision Nummer zwei: Die Stadtwerke werden zum Innovations-Unternehmen. Dafür steht Meier. Für ihn spricht: Er hat die Innovations-GmbH gegründet. Sie soll Zukunftsprojekte in der Stadt bündeln wie die Digitalisierung. Sie soll Fördergelder an Land ziehen – und sie soll den Verein Energiecluster organisieren. Zudem setzt Meier auf Expansion und will auch die Netze im Umland betreiben. Das geografische Einzugsgebiet würde sich mehr als verdoppeln. Dazu soll eine neue Gesellschaft gegründet werden: die Trave Netz. Startschuss ist der 1. Januar 2020.

Unübersichtliche Struktur bei den Lübecker Stadtwerken

Die Stadtwerke haben eine unübersichtliche Struktur. Schäffner ist Meiers Chef – und ist für die Finanzen verantwortlich. Aber Meier nimmt als Netz-Chef das meiste Geld ein. Von üblicherweise 15 Millionen Euro Gewinn im Jahr kommen etwa 11 Millionen aus der Netz GmbH. Und bei den Stadtwerken sind insgesamt 560 Leute beschäftigt. Dort ist Schäffner Chef. Aber davon arbeiten 450 bei der Netz Lübeck. Dort ist Meier Chef.

Der Bürgermeister: Jan Lindenau (39, SPD) ist als Gesellschafter der Stadtwerke der Vorgesetzte von Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner und Netz-Chef Jens Meier. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Kein Kommentar aus den Chefetagen

Die Betroffenen wollen sich selbst nicht äußern. Und auch Bürgermeister Lindenau sagt: „Zu Personalien äußere ich mich nicht.“ Die Themen würden „sauber abgearbeitet“.

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