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Lübeck Machtkampf in Lübecks CDU: Fraktionschef Zander gibt auf
Lokales Lübeck Machtkampf in Lübecks CDU: Fraktionschef Zander gibt auf
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21:15 01.02.2017
 Andreas Zander tritt zurück – nach fast zehn Jahren als CDU-Fraktionschef in der Lübecker Bürgerschaft.  Quelle: Maxwitat
Lübeck

 „Ich will meine Partei aus den negativen Schlagzeilen herausbringen“, sagt der 55-Jährige. „Damit die CDU in diesem Jahr erfolgreich Wahlkampf machen kann.“ Drei Wahlen stehen an: Landtags-, Bundestags- und Bürgermeisterwahl. Ein Nachfolger für den Posten des Fraktionschefs steht auch schon fest. Christopher Lötsch (48) soll das Amt übernehmen und am 13. Februar von der Fraktion gewählt werden. Der Architekt ist Vorsitzender des Bauausschusses.

Hintergrund von Zanders Rücktritt ist die E-Mail-Affäre. Zander hatte am 20. Dezember eine Mail an drei Fraktionsmitglieder geschickt. Tenor: Er wollte zwei Fraktionskollegen demontieren, weil sie bei einer Abstimmung im Bauausschuss die Beschlüsse der Fraktion missachtet haben. Darunter Lötsch – sein jetziger Nachfolger. Die Mail gelangte versehentlich an einen größeren Verteiler. Daraufhin wurden Zander Verunglimpfung und Stasi-Methoden vorgeworfen. Der Streit eskalierte. Zander weilte im Urlaub in Thailand. Lötsch und weitere Betroffene wollten Zander aus der Partei ausschließen – per Dringlichkeitsantrag. Das gehe allerdings nicht, wurde auf Landesebene entschieden.

Jetzt hat Zander selbst die Reißleine gezogen – und eine wochenlange Debatte beendet. „Mit Zander gibt ein streitbarer und sicher manchmal kantiger Fraktionsvorsitzender sein Amt ab“, erklärt Anette Röttger, CDU-Kreischefin und Fraktionsvorstand. Sie bedauere die Entscheidung, allerdings sei sie die „richtige und notwendige Konsequenz“. Die Lösung ist eine Rochade. Nachfolger von Zander soll Lötsch werden. Seinen Posten als Bauausschussvorsitzender soll wiederum Burkhart Eymer übernehmen, der bislang noch den Vorsitz des Wirtschaftsausschusses inne hat. Dieses Amt wiederum übernimmt dann Zander. Dieser Ringtausch soll der Fraktion am 6. Februar vorgeschlagen werden.

„Damit hat die CDU eine Chance auf einen Neuanfang“, erklärt Klaus Puschaddel. Und Lötsch gibt als Marschroute vor: „Das Ziel muss sein, dass wir bis zur Kommunalwahl eine geeinte Fraktion sind. “ Dennoch: Die Personen in der CDU-Fraktion bleiben dieselben – wenn auch auf neuen Posten. Puschaddel glaubt aber: „Überwiegend gibt es den Wunsch in der Fraktion nach Geschlossenheit.“

Der Wunsch wird schwer zu erfüllen sein. Die 16-köpfige CDU- Fraktion teilt sich schon während der gesamten Wahlperiode in zwei Lager – acht gegen acht. Mit Zanders Rücktritt verschieben sich die Machtverhältnisse innerhalb der Fraktion. Die Gruppe um Lötsch, Eymer und Dirk Freitag hat Aufwind. Die Drei drängen auf eine Zusammenarbeit mit der SPD. Zander und seine Gefolgsleute suchen die Nähe der kleinen Fraktionen. So hat er die parteilose Kultursenatorin Kathrin Weiher ins Amt gebracht – und sie als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt. Zudem hat er so eine Mehrheit für die Wahl von Ludger Hinsen (CDU) zum Innensenator organisiert.  Josephine von Zastrow