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Lübeck Machtkampf um den Mehrwegbecher – wer setzt sich in Lübeck durch?
Lokales Lübeck Machtkampf um den Mehrwegbecher – wer setzt sich in Lübeck durch?
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19:03 27.09.2019
Immer mehr Lübecker lassen sich Heißgetränke in einen Mehrwegbecher füllen. So auch Florentine Förster (19). Quelle: Hendrik Heiermann
Lübeck

Das Pilotprojekt „Wir für Mehrweg!“ brachte im November 2018 ein einheitliches Pfandbechersystem für Kaffeebecher in die Cafés und Bäckereien Lübecks – erstmals in Schleswig-Holstein. Das Probejahr neigt sich dem Ende zu. Im Oktober wird entschieden, ob es mit dem bisherigen Anbieter Recup weitergeht. Denn andere Firmen haben bereits ihren Fuß in der Tür. Mit Fair-Cup in Flensburg und „cup & more“ in Kiel und Bad Segeberg drängen weitere Anbieter auf den Markt. Eine flächendeckende Lösung scheint zur Zeit schwierig.

Recup ist in Lübeck Vorreiter

Das Münchener Start-up Recup agiert deutschlandweit. In Lübeck war das Unternehmen vor einem Jahr Vorreiter und Mitinitiator des Mehrwegprojekts. Momentan gibt es in der Stadt 22 Ausgabestellen. Und das funktioniert so: Für einen Becher hinterlegt der Käufer einen Euro Pfand, der zugehörige Deckel kann hinzu erworben werden. „Wir hatten am Anfang viel Erklärungsbedarf bei den Kunden, aber mittlerweile sind die Becher voll integriert“, sagt Katharina Engelhard, Inhaberin der Engelsbäckerei in der Großen Petersgrube. Das Café verzichtet seit einem Jahr komplett auf Einwegbecher. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Pfandsystem. Wir wünschen uns aber, dass wir weiterhin mehr Partner gewinnen, zum Beispiel in der Bahnhofsregion.“ Nicht alle wollten vor einem Jahr an dem System teilnehmen. Der nicht ins Pfandsystem integrierte Deckel, Kosten und keine Abholung zur Spülung der Becher sind Argumente, die beispielsweise bei der Großbäckerei Junge gegen Recup sprachen.

Doch Pfandsysteme funktionieren am besten, wenn auch die großen Ketten zu den Anbietern halten, wenn es für Kunden beim Kaffeekauf mit dem Pfandbecher keinen Unterschied macht, in welches Geschäft sie gehen. Und der Machtkampf in Schleswig-Holstein scheint sich zu verhärten, denn Recup ist längst nicht mehr einsame Spitze am Mehrweghimmel.

Der Markt bietet weitere Möglichkeiten

Junge wollte nicht am Recup-Modell teilnehmen und hat sich bislang für das System Fair-Cup entschieden. „Im Gegensatz zu Recup ist bei Fair-Cup der Deckel Teil des Pfandsystems“, begründet Gerd Hofrichter, Sprecher der Bäckerei Junge. Seit etwa fünf Jahren biete Junge Mehrweg an. Und Fair-Cup hat ebenfalls die Universitätsmensa überzeugt. „Wir hatten lediglich vier Stammkunden, die die Recupbecher täglich nutzten, daher sind wir aus dem System ausgestiegen“, sagt Kristin Dahl, stellvertretende Abteilungsleiterin der Hochschulgastronomie. „Dennoch habe es in Lübeck einen spürbaren Mentalitätswandel gegeben. „Sicherlich auch bedingt durch die Recup-Werbung.“ Sie schätzt, dass der Einwegbecheranteil um mindestens neun Prozent gesunken ist. Und viele Studenten würden ohnehin die eigenen Becher zum Befüllen mitbringen.

Landeshauptstadt zieht nach

Diese gesammelten Erkenntnisse der verschiedenen Anbieter in Lübeck versuchen jetzt Kiel und Bad Segeberg für sich zu nutzen. Denn seit dem 16. September ist in der Landeshauptstadt der Vertreiber „cup & more“ am Markt, über 100 Filialen machen bereits mit. „Die Unterschiede zur Lübecker Variante sind groß und entscheidend“, wirbt Volker Lange von der Firma aus Bad Segeberg, die die Mehrwegbecher „Tobego“ herstellt. Der Name sei Programm, denn den Bäckereien würden deutlich „mehr“ Vorteile geboten. Der Deckel ist Teil des Pfandsystems. Verkaufsgeschäfte können den Tobego-Behälter aber selbst waschen oder die Segeberger Firma damit beauftragen. „Wir haben Erfahrungen durch Großevents wie Wacken und die entsprechenden Kapazitäten, die Becher zentral abzuholen. So bleiben die Cafés nicht auf 1000 Bechern sitzen“, verspricht Lange.

Lübecker sind sich der Pflicht bewusst

Mit welchem System es in Lübeck weitergehen wird, bleibt also weiter fraglich. Auf den Straßen Lübecks ist das Thema aber angekommen. Florentine Förster beispielsweise hat ihren eigenen Mehrwegbecher dabei. „Ich habe mir in der Bäckerei Tee einfüllen lassen. Von Recup habe ich gehört, aber ich habe jetzt meinen eigenen Becher.“ Sie ist sich der Ressourcenschonung bewusst, so wie immer mehr Lübecker. Pro Jahr werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe 43 000 Bäume gefällt, um Einwegbecher zu produzieren.

„Der Pappbecheranteil in Lübeck ist zurückgegangen“, ist sich Andreas Fey vom Bereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz in Lübeck sicher. Es sei aber noch zu früh, um Prognosen und Bewertungen zu formulieren. Das Ziel müsse jedoch das Ende der nicht recycelbaren Pappbecher sein. Im Oktober und Dezember treffen sich Fey und Vertreter der teilnehmenden Bäckereien am runden Tisch, um das Testjahr zu bewerten. „Es ist noch Luft nach oben, aber es sind schon sehr viele Teilnehmer“, sagt Katharina Engelhard.

Lesen Sie hier: So startet Segebergs Becherkönig durch

Von Hendrik Heiermann

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