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Lübeck Mahnmal an der Hafenstraße geschändet
Lokales Lübeck Mahnmal an der Hafenstraße geschändet
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17:46 13.11.2018
Die Polizei packte die Gedenkstele mit den Namen der Getöteten und den Nazi-Schmierereien ein. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Gertrud

Weiße SS-Runen und Hakenkreuze, die Namen der zehn beim Brand am 18. Januar 1996 getöteten Menschen sind ebenfalls mit weißer Farbe übermalt: Das Mahnmal in der Hafenstraße ist geschändet. Der Staatsschutz der Bezirkskriminalinspektion Lübeck ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und der gemeinschädlichen Sachbeschädigung. Zeugen werden gesucht.

Vier Jahre nach der Katastrophe gestiftet

„Es ist eine Schande. Der respektlose Umgang mit einer menschlichen Tragödie und fremdem Eigentum und dann mit diesen beschämenden Nazi-Symbolen“, ist auf der Facebook-Seite von Natursteinwolf – vormals Rechtglaub & Wolf – zu lesen. Und auch die Inschriften mit den Namen der Getöteten sind übermalt. Die Firma hatte das Mahnmal im Jahr 2000 – vier Jahre nach dem bis heute nicht aufgeklärten Brandanschlag – gestiftet.

Nie aufgeklärter Brandanschlag

In der Nacht zum 18. Januar 1996 brennt das als Asylbewerberunterkunft genutzte Haus in der Hafenstraße 52 – zehn Menschen, darunter sechs Kinder, sterben, 38 werden teils schwer verletzt.

Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus, vier junge Neonazis aus Mecklenburg werden zunächst verhaftet, der Verdacht gegen sie lässt sich jedoch nicht erhärten. Dann gerät ein Hausbewohner ins Visier: der junge Libanese Safwan E. Der Prozess gegen ihn beginnt im September 1996, er wird freigesprochen – ebenso wie 1999 vor dem Landgericht Kiel.

Der vom damaligen Bürgermeister Michael Bouteiller (SPD) ins Leben gerufene Runde Tisch beschließt nach langen Debatten die Errichtung eines Gedenksteins auf dem Grundstück. Die Firma Rechtglaub & Wolf fertigt im Jahr 2000 das Mahnmal an und stiftet es.

Mehr zum Brand in der Hafenstraße gibt es hier.

Schmierereien sollen schnellstens weg

Erst 2014 habe man das Denkmal von seinem ursprünglichen Platz am ehemaligen Standort des inzwischen längst abgerissenen Hauses auf ein benachbartes Grundstück versetzt, so Geschäftsführer Stefan Wolf. Und es wurde mit finanzieller Unterstützung der Firma Brüggen aufgewertet. Gab es ursprünglich nur zwei aneinandergelehnte Stelen aus schwedischem Granit, die das ausgebrannte Haus symbolisieren sollten, so kennzeichnen inzwischen Bodenplatten und ein Sitzblock aus skandinavischem Granit die Gedenkstätte.

„Wir waren gestern vor Ort und haben eine Schadensaufnahme gemacht.“ Man werde schnellstmöglich die Schmierereien beseitigen.

Die Polizei packte die Gedenkstele mit den Namen der Getöteten und den Nazi-Schmierereien ein. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Das sind Sachen, die dürfen einfach nicht passieren – und man sollte es nicht verharmlosen“, so Wolf weiter. Inzwischen wurde das geschändete Mahnmal von der Polizei verhüllt und mit Flatterband abgesperrt.

Sonnabend entdeckt

Bereits am Sonnabendvormittag, so Polizeisprecher Florian Stephani, hätten Zeugen der Polizei mitgeteilt, dass das Denkmal beschädigt worden sei. Beamte des 3. Polizeireviers hätten daraufhin den Gedenkstein aufgesucht und eine SS-Rune sowie zwei Hakenkreuze festgestellt.

Polizei sucht Zeugen

Nach bisherigen Erkenntnissen haben der oder die unbekannten Täter in der Zeit zwischen Donnerstag, 8., und Sonnabend, 10. November, das Denkmal beschmiert. Zeugen, die im genannten Zeitraum auffällige Personen oder Fahrzeuge oder gar den Tathergang beobachtet haben, werden dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Sachdienliche Hinweise werden unter der Telefonnummer 04 51/13 10 entgegengenommen.

Einstiger Bürgermeister ruft zu Wachsamkeit auf

Auch Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller (SPD), der damals persönlich zutiefst betroffen von dem Brandanschlag auf das überwiegend von Flüchtlingen afrikanischer Herkunft bewohnte Haus war, ist entsetzt über die Schändung des Denkmals.

Man kenne das Gedankengut, „das hinter solch einer Schändung steht.“ Er nannte es „geradezu verächtlich, so etwas im Geheimen zu tun“. Er, so der Sozialdemokrat, könne nur raten, „das sehr ernst zu nehmen und sich derart rassistischem Gedankengut konsequent zu widersetzen.“ Bouteiller sagte, er sei „dankbar, dass es unter anderem im Flüchtlingsforum aktive junge und andere Menschen in Lübeck gebe, die wachsam bleiben.“ Seine Empfehlung an alle Demokraten: „Dranbleiben!“

Sabine Risch

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