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Malte C. Lachmann wird Schauspieldirektor am Theater Lübeck

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18:52 18.02.2021
„Lübeck ist eine Stadt, in die ich mich schon bei meinem ersten Aufenthalt sofort verliebt habe“: Der Theaterregisseur Malte C. Lachmann wird neuer Schauspieldirektor am Theater Lübeck.
„Lübeck ist eine Stadt, in die ich mich schon bei meinem ersten Aufenthalt sofort verliebt habe“: Der Theaterregisseur Malte C. Lachmann wird neuer Schauspieldirektor am Theater Lübeck. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

„Als ich zum ersten Mal in Lübeck war, habe ich mich in diese Stadt und in dieses Theater verliebt“, sagt Malte C. Lachmann. „Und deshalb bin ich jetzt so glücklich wie lange nicht mehr.“ In Lübeck hat er zuletzt die großartige Produktion „Alice“ auf die Bühne gebracht, herausragend waren auch seine Inszenierungen der „Dreigroschenoper“ und von Monty Pythons „Spamalot“.

Der designierte Theaterleiter schätzt das Ensemble

„Ich bin immer wieder überrascht und erfreut über die Leistungsfähigkeit dieses Theaters“, sagt der designierte Schauspieldirektor, der 1989 in Marburg an der Lahn zur Welt kam und von 2008 bis 2012 an der Bayerischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater in München Regie für Sprechtheater und Oper studiert hat. „Ich mag dieses Haus sehr gerne, es ist ein magischer Ort für mich, mit dem Ensemble arbeite ich sehr gerne zusammen. Und deshalb werde ich in meiner neuen Funktion auch nicht das Ensemble vor die Tür setzen, wie es heute schon fast Usus geworden ist. Die Mitglieder des Schauspielensembles könnten an jedem großen Haus spielen.“

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Nach seiner Tätigkeit als freischaffender Regisseur, die ihn an 17 Theater geführt hat, war es der Wunsch von Malte C. Lachmann, über den Rahmen einer Produktion hinaus mehr Verantwortung zu übernehmen. „Ich glaube, dass ich in meiner Karriere an einem Punkt angekommen bin, an dem ich große Lust darauf habe, mehr zu gestalten als die üblichen sechs Wochen Probenzeit. Und dass es hier in Lübeck geklappt hat, freut mich ganz besonders.“

Die Schauspieler Andreas Hutzel und Michael Fuchs (vorne links, vorne rechts) in der Inszenierung der „Dreigroschenoper“ von Malte C. Lachmann am Theater Lübeck. Quelle: Jörg Landsberg

Engere Vernetzung mit dem Musiktheater

Inhaltlich will Lachmann die von Pit Holzwarth eingeführte musikalische Ausrichtung des Lübecker Schauspiels weiterführen und ausbauen. Eine engere Vernetzung mit dem Musiktheater schwebt ihm dabei unter anderem vor. Als eigenen Akzent will Lachmann zudem das Theater über das Haus an der Beckergrube hinaus in der Stadt präsent sein lassen: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir viele verschiedene Räume in der Stadt bespielen“, sagt er. „Das kann ein leer stehendes Café sein oder der Bahnhof, aber auch eine klassische Freiluftinszenierung kommt in Betracht.“

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Malte C. Lachmann inszenierte an renommierten Häusern

Die Karriere des Regisseurs Lachmann ist durch eine große thematische Bandbreite geprägt. Er hat Hitlers „Mein Kampf“ ebenso inszeniert wie etwa den Schenkelklopfer „Spamalot“. In Lübeck hat er zuletzt „Ghetto“ von Joshua Sobol inszeniert, die für den 6. November 2020 geplante Premiere musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. „Ich hatte das Glück, dass ich mich nie auf ein Genre festlegen musste“, sagt Lachmann. „Manche Häuser haben mich für musikgeprägte Stücke engagiert, andere für religiöse Themen.“

In der Hansestadt ist Malte C. Lachmann nach mehreren Inszenierungen am Theater Lübeck kein Unbekannter mehr. Quelle: Lutz Roeßler

Auch die Corona-Pandemie ist für ihn ein potenzielles Thema für das Lübecker Schauspiel. „Wenn dieser Spuk irgendwann einmal vorbei ist, wird Corona aber sicher nicht das erste Thema sein, das wir auf die Bühne bringen. Ich glaube, dass das Publikum schon das Wort ,Corona‘ nicht mehr hören kann und will. Wenn man sich dem Thema Pandemie dann tatsächlich nähern will, sollten aus meiner Sicht die gesamtgesellschaftlichen Folgen im Fokus stehen.“

Ausbalancierter Spielplan als wichtigstes Kriterium

Ein bis zwei Inszenierungen wird Malte C. Lachmann in einer Spielzeit zukünftig selbst übernehmen. In der Gestaltung des Spielplans steht für ihn die Vielfalt der theatralischen Formen im Mittelpunkt. „Ein gut ausbalancierter Spielplan ist für mich das wichtigste Kriterium“, sagt er. „Das wird dann von den Klassikern bis hin zur Gegenwartsdramatik reichen. Auch die Ideen unserer Ensemblemitglieder werden eine Rolle spielen, deren Kreativität werden wir nutzen.“ An der Universität Bonn unterrichtet Lachmann seit längerer Zeit, sein Thema ist die Dramatisierung von Romanen. „Das ist ein stark umstrittenes Feld. Wir werden auch sicher wieder Roman-Adaptionen auf die Bühne bringen, im Mittelpunkt wird dieses Genre aber nicht stehen. Mir kommt es auf die Vielfalt an – dazu können auch dramatisierte Romane gehören.“

Von Jürgen Feldhoff