Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bundestagsabgeordnete rettet Geburtshilfe im Marienkrankenhaus
Lokales Lübeck Bundestagsabgeordnete rettet Geburtshilfe im Marienkrankenhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:47 30.04.2019
Volker Krüger, Claudia Schmidtke und Reinhard Lettau (v.l.) diskutieren auf einem Flur der Geburtshilfe die neuen Regelungen für Belegärzte. Quelle: Agentur 54°
Innenstadt

Aufatmen im Marien-Krankenhaus: Die Gefahr, dass die ausschließlich von Belegärzten betriebene Entbindungsstation mittelfristig aufgegeben werden muss, ist abgewendet. Die Krankenkassen zahlen rückwirkend ab 1. Januar mehr Geld an die Belegärzte für Geburten. Die neue Regelung gilt bundesweit, wurde aber maßgeblich vom Marien-Krankenhaus erstritten – und von der CDU-Bundestagsabgeordneten Prof. Claudia Schmidtke.

Volker Krüger, Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses: „Prof. Claudia Schmidtke kam an die Vertreter der Spitzenverbände heran.“ Quelle: 54° / Felix König

Die Gefahr war, dass sich die Klinik die Geburtshilfe nicht mehr leisten könnte

„Es gibt eine positive Wendung“, erklärt Volker Krüger, Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses. Im vergangenen November habe das noch ganz anders ausgesehen. Damals erfuhr Krüger, dass der Antrag auf mehr Geld für die Belegärzte von den Kassen endgültig abgelehnt worden sei.

„Wir standen vor einer existentiellen Frage“, sagt Krüger, denn gut die Hälfte aller medizinischen Leistungen der Klinik in der Parade sind Geburten. „Es bestand die Gefahr, dass die Klinik sich eine Geburtshilfe nicht mehr leisten kann“, erklärt der Geschäftsführer.

Mit rund 1500 Geburten rechnet das Marienkrankenhaus in diesem Jahr. Vier Kreißsäle stehen für Gebärende zur Verfügung. Quelle: 54° / Felix König

Allein die öffentliche Berichterstattung, dass es hier ein Problem gebe, habe zu einem Rückgang der Geburten im Marien-Krankenhaus geführt. 2017 waren noch 1605 Jungen und Mädchen entbunden worden, 2018 nur noch 1490. Für die Belegärzte hätte sich die Geburtshilfe über kurz oder lang einfach nicht mehr gerechnet.

„Im Marien-Krankenhaus wurde mindestens die Hälfte der Lübecker geboren“

Bis Ende 2017 betrug die jährliche Haftpflichtsumme pro Belegarzt 20.000 Euro im Jahr. In mehreren Stufen wurde sie von den Versicherern angehoben, aktuell beträgt sie 38.000 Euro im Jahr, ab 2020 sind es sogar 46.500 Euro. 167 Geburten rechnet ein Belegarzt im Marien-Krankenhaus im Durchschnitt pro Jahr ab. Nach Angaben des Geschäftsführers verdient ein Belegarzt 485 Euro pro Geburt. 263 Euro muss er ab 2020 an die Versicherung abführen.

„Wir hatten hier ein echtes Problem“, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Schmidtke, „im Marien-Krankenhaus wurde mindestens die Hälfte der Lübecker geboren, da kann die Geburtshilfe nicht schließen.“ Seit Sommer 2018 setzte die Abgeordnete mit ihrem Team alle Hebel in Bewegung, holte Stellungnahmen von zig Verbänden und Institutionen ein, brachte das Thema in die Bundestagsfraktion und führte zahlreiche Gespräche mit der Lübecker Klinik.

Warum sind die Versicherungen so teuer?

Die Versicherungsprämien pro Jahr und Belegarzt haben sich von 20000 Euro im Jahr 2017 auf 46500 Euro im nächsten Jahr mehr als verdoppelt. Warum? Dr. Reinhard Lettau und Volker Krüger vom Marienkrankenhaus erklären das so: Früher gab es für Kinder, bei deren Geburt etwas schief ging und die ihr ganzes Leben behindert waren, eine bestimmte Entschädigungssumme. Heute könne ein solcher Behandlungsfehler in die Millionen gehen. Das Kind bekomme ein Leben lang eine Rente. Alle Kostenträger wie Sozial- und Rentenversicherungsträger würden die Ausgaben bei den Versicherungen der Ärzte und Kliniken geltend machen. Diese Fälle seien selten, versichern Lettau und Krüger, würden aber erhebliche Folgekosten nach sich ziehen.

„Wenn ihr das Problem nicht regelt, dann machen wir das“

Die Politik habe den Bundesverbänden und Kassen klar gemacht, „wenn sie das Problem nicht regeln, dann machen wir das“, berichtet die CDU-Abgeordnete. Plötzlich ging es ganz schnell. Im Dezember, einen Monat nach der endgültigen Ablehnung, hätten sich die Kassen doch gesprächsbereit gezeigt, sagen Krüger und Schmidtke. Im Januar dieses Jahres beschloss dann ein hochrangiges Gremium der Ärzte und Kassen, dass die Belegärzte rückwirkend zum Jahresbeginn mehr Geld für eine Geburt bekommen.

Dr. med. Reinhard Lettau, Ärztlicher Direktor des Marien-Krankenhauses: „Das Problem wurde erkannt.“ Quelle: 54° / Felix König

Ärzte bekommen 100 Euro mehr pro Geburt

Knapp 100 Euro erhalten die Ärzte jetzt pro Geburt mehr als vorher. Damit kann ein Teil der finanziellen Belastung durch die höheren Versicherungsprämien abgefangen werden. Dr. Reinhard Lettau, Ärztlicher Direktor des Marienkrankenhauses: „Das ist ein positives Ergebnis. Wir haben nicht mehr daran geglaubt, dass bei den ganzen Debatten noch etwas herauskommt.“

Die jetzige Lösung hatte Geschäftsführer Krüger schon im November 2017 in den LN gefordert. Doch er sei einfach nicht an die entscheidenden Spitzenvertreter der zuständigen Verbände und Kassen herangekommen. Krüger: „Für Claudia Schmidtke war das kein Problem.“

Kai Dordowsky

Brezlinger Zwischenfall in Travemünde: In der Straße Baggersand stieß ein Boot, das auf einem Anhänger verladen war, gegen eine Stromleitung. Die Feuerwehr sperrte den Bereich ab.

30.04.2019

Kunstliebhaber können auch dieses Jahr wieder Grafiken oder Fotografien aus dem Bestand der Lübecker Artothek leihen. Mit dabei sind auch Arbeiten international bekannter Künstler wie Gerhard Richter.

29.04.2019

Für Lübecks Lindenteller suchen Politiker dringend Alternativen, damit es weniger Unfälle gibt. Eine Idee: Radfahrer werden auf einer höheren Etage über die Kreuzung geleitet. Was gerade diskutiert wird – und wie die Lokalpolitiker dazu stehen.

29.04.2019