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Lübeck Mega-Leitungen werden gebaut: Strom-Autobahn durch Lübeck
Lokales Lübeck Mega-Leitungen werden gebaut: Strom-Autobahn durch Lübeck
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12:39 21.03.2014
Der Windstrom muss transportiert werden - doch haben möchte die Hochspannungsleitungen eigentlich keine Kommune auf ihrem Gebiet.  Quelle: dpa
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Lübeck

Die Energiewende kommt in Lübeck an: Damit Windkraft aus dem Norden den Süden Deutschlands mit Strom versorgen soll, baut Netzbetreiber Tennet riesige Strom-Autobahnen durch die gesamte Republik. Eine davon wird durch Lübeck laufen. Zudem sind die Kreise Ostholstein und Segeberg betroffen. Die Trassen-Führungen stehen erst im Mai fest. Das hat Carsten Schmidt von Tennet im Lübecker Bauausschuss mitgeteilt.

Die Bundesnetzagentur hat für das Höchstspannungsnetz – bestehend aus 380-kV-Leitungen – grünes Licht gegeben. Die Kosten dafür sind immens. Allein das Projekt Lübeck schlägt mit 400 bis 500 Millionen Euro zu Buche. Das Geld holt sich Tennet von den Stromanbietern wieder, die ihre Energie durch die Leitungen jagen – die die Kosten wiederum von den Verbrauchern zurückfordern. Der Netzausbau rund um Lübeck dauert anderthalb Jahre. Spätestens 2021 soll alles fertig sein. „Eine Stromleitung zu bauen, ist ein harter Eingriff“, gibt Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zu. Aber das gehöre dazu, wenn man weitere Windkraftanlagen errichten wolle. „Die Trassen müssen so geplant werden, dass sie die Menschen möglichst wenig beeinträchtigen.“

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Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Niemand freut sich über eine Hochspannungsleitung auf seinem Gebiet.“ Aber der Ausstieg aus der Atomenergie habe Konsequenzen. „Menschen dürfen aber nicht übermäßig belastet und Landschaft nicht unzulässig zerstört werden.“ Das Projekt Lübeck besteht aus drei großen Maßnahmen. Es wird ein 15 Hektar großes Umspannwerk nahe der Hansestadt errichtet. Der Standort des Werkes steht noch nicht fest, voraussichtlich wird es aber in der Nähe von Stockelsdorf gebaut.

Lübeck wird damit zum Strom-Knotenpunkt: In dem neuen Werk laufen zwei neue Höchstspannungsleitungen zusammen. Die eine transportiert die Windenergie aus Ostholstein über eine ebenfalls neue 55 Kilometer lange 380-kV-Leitung, die andere die Energie eines Offshore-Windparks in der Ostsee. Dieser Strom kommt unterirdisch in Herrenwyk an, wird dann über eine weitere neue 380-kV-Trasse von Siems über 50 Kilometer bis in den Kreis Segeberg geführt. Sowohl in Ostholstein wie auch in Segeberg werden Umspannwerke errichtet. Die Standorte stehen noch nicht fest.

„Von dem Umspannwerk wussten wir nichts“, sagt Stockelsdorfs Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann (parteilos). Sie befürwortet Windenergie, aber „es kommt auf den Trassen-Verlauf an“. Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) sieht Strom-Autobahnen positiv: „Wir haben derzeit die skurrile Situation, das Windstrom nicht abgenommen werden kann.“ Streitpunkt beim Bau von Höchstspannungsleitungen ist der Abstand zu Häusern. „Wir wollen 200 Meter Abstand und gern auch mehr einhalten“, sagt Schmidt von Tennet. Doch einige Ecken seien so stark besiedelt, dass das nicht einzuhalten sei. Er signalisiert Gesprächsbereitschaft über den Trassen-Verlauf und verspricht: „Wir werden keine Wohnhäuser überspannen.“

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Josephine von Zastrow