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Lübeck Ehrung der neuen Handwerksmeister in der MuK
Lokales Lübeck Ehrung der neuen Handwerksmeister in der MuK
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17:05 30.09.2019
Nehmen ihre Meisterbriefe in Empfang: Schornsteinfeger und Friseure Quelle: Friederike Grabitz
Innenstadt

Bei Opa im Keller hat es angefangen: Da hat Beatrice Nadine Braun Tage lang Figuren geschnitzt. Heute sitzt ihr Opa, ein Handwerksmeister, im Saal der Musik-und Kongresshalle (MuK) und ist stolz, denn auf der Bühne steht seine Enkelin im Blitzlichtgewitter. Die junge Dachdeckerin mit den raspelkurzen blonden Haaren und dem gewinnenden Lächeln ist „Meisterin der Meister“, sie hat ihre Meisterprüfung als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Das war das Ergebnis von Leidenschaft für den Beruf, aber auch harter Arbeit: „Leidenschaft allein reicht nicht, um die Höhenüberdeckungen von Schiefer auswendig zu lernen“.

Sehen Sie hier die Fotos der Meister: Ehrung der Absolventen der Meisterlehrgänge

Ihren Meisterschein nimmt sie von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) persönlich entgegen, zusammen mit 300 der insgesamt 451 Handwerker, die 2019 erfolgreich ihre Prüfungen abgelegt haben. Für die Meisterfeier in der MuK sind sie aus ganz Schleswig-Holstein angereist. Zu den Gratulanten gehören der Präsident der Handwerkskammer Lübeck Ralf Starner, der Vizepräsident des Verbands „handwerk.sh“ Björn Felder und Bürgermeister Jan Lindenau.

Gute Jobchancen für Handwerksmeister

Günther selbst gibt zu, nicht viel handwerkliches Geschick zu haben, „meine Frau ist da eher patent“. Er selbst habe Geistes- und Politikwissenschaften studiert, „damit kann man Ministerpräsident werden, aber sehr viel mehr auch nicht“, scherzt er.

Unter Studierenden gebe es eine Abbrecherquote von 30 Prozent, sagt Björn Felder. In der Meisterschule gebe es praktisch keine Abbrecher, „denn Handwerker wissen genau, wo sie hinwollen“. Trotzdem müssen Meister für ihren Schein bezahlen, während ein Studium gratis ist. Das sei ungerecht, sagt Felder, und bittet Daniel Günther, sich beim Land für eine kostenlose Meister-Ausbildung einzusetzen.

Jung und professionell: Friseurmeisterin Sarina Göhren

Auch Sarina Göhren setzt sich dafür ein, dass die zehnmonatige Meisterausbildung kostenfrei angeboten wird. Sie hat zwischen 5000 und 6000 Euro bezahlt, „und bei uns ist es noch relativ günstig“. Die Friseurin hat ihren Meister im März abgeschlossen, da war sie erst 20 Jahre alt. „Ich habe die Ausbildung gemacht und danach gleich den Meister“, sagt sie, „denn später möchte ich den Salon meiner Mutter übernehmen“. Obwohl Lübeck mit 350 Friseurläden zu den Städten mit den meisten Salons in Deutschland gehört, gibt es viel zu wenige Meister: In ihrem Jahrgang lernten nur vier Lübecker Friseure.

Ausbilder aus Überzeugung: Tim Bastian Adam

Der Fachkräftemangel hat seinen Ursprung bei einem Azubi-Mangel. „Viele junge Leute wollen sich nicht mehr die Hände schmutzig machen“, sagt der Kieler Elektrotechniker Tim Bastian Adam. „Man muss Azubis viel bieten und sie überzeugen“. Er überzeugt sie unter anderem damit, dass es bei ihm statt straffer Hierarchien „viel Teamarbeit“ gibt.

Adam ist Ausbilder aus Passion. Er arbeitet in einem Betrieb für Beleuchtungsinstallation, dort durfte er als Abteilungsleiter schon vor seiner Meisterprüfung ausbilden, und nebenberuflich unterrichtet er seit Kurzem als Dozent der Handwerkskammer angehende Meister. Seine eigene Ausbildung soll mit der Meisterprüfung nicht beendet sein: Vom nächsten Jahr an möchte er sich als Betriebswirt fortbilden.

Powerfrau auf dem Dach: Maja Christiane Sievers

Adam hat seine Meisterkurse in Teilzeit neben der Arbeit gemacht. Auch Dachdeckerin Maja Christiane Sievers konnte sich dafür nicht freinehmen, weil sie gemeinsam mit ihrem Mann in Lübeck-Ivendorf einen Betrieb führt: „Wir haben schon einen Kundenstamm, vier Mitarbeiter und einen Azubi“. Also hat sie für die vier Teile der Meisterausbildung an den Abenden und Wochenenden gebüffelt: Fachtheorie und Fachpraxis, Betriebswirtschaftslehre und die Ausbildung der Ausbilder. „Vieles davon konnte ich schon. Aber die rechtlichen und bauphysikalischen Grundlagen zu vertiefen, das war schon sehr gut“.

Obwohl es anstrengend war, wird sie das Lernen vermissen. Sie lernt gern, und den Meisterbrief zu machen, ist für sie auch „Ehrensache“. Schade findet sie, dass sie immer weniger selbst auf dem Dach arbeitet, sondern mehr im Büro. Dort plant sie zum Beispiel die Zukunft der Firma: „Wir wollen uns viel mehr mit dem Thema Gründach auseinandersetzen“.

Straße in die Zukunft: Matthias Krenz

Straßenbaumeister Matthias Krenz arbeitet als Meister nur noch selten auf der Baustelle mit. Er kümmert sich um die Bestellung von Baustoffen, die Planung von Arbeitsabläufen, Kostenplanung und Qualitätsmanagement. Dass er einmal Experte sein würde für Tiefbau, Kabel- und Rohrverlegungen und das Herstellen von Plasterflächen „von der kleinen Hofauffahrt bis zur Autobahn“, das hätte er als Schüler nicht gedacht. „Ich habe damals am Gymnasium ein Wirtschaftspraktikum gemacht. Einige Wochen später rief der Chef mich an und fragte, ob ich nach meinem Abschluss bei ihm lernen will“.

Er ist froh, dass er dann auch die Meisterschule absolviert hat: „Man kommt fachlich auf den neuesten Stand“. Außerdem sei der Verdienst gut, „Gesellen bekommen nach Tarif 20,70 Euro in der Stunde, Meister noch deutlich mehr“, verrät er. Und um einen Job muss er sich keine Sorgen machen, denn „viele Betriebe haben Altmeister kurz vor der Rente, oder gar keinen Meister“. Er kann sich vorstellen, sich später auf Bauleitung zu spezialisieren oder sich selbständig zu machen.

Duales System weltweit anerkannt

Das solide Wissen der Meister macht den Unterschied für die Qualität von Handwerksarbeit. „Der Meisterbrief ist ein solider Grundstein für die Zukunft“, sagt Matthias Krenz. Damit meint er nicht nur die Zukunft der Handwerker, sondern auch der deutschen Wirtschaft: „Das deutsche System“, sagt Krenz, „ist für seine Qualität weltweit anerkannt“. Denn in vielen Ländern gibt es keine Ausbildung nach dem dualen System und auch keine Meisterschulen. Ob man als Kunde Qualitätsarbeit bekommt, kann dann Glückssache sein.

Von Friederike Grabitz

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