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Lübeck Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord in 48 Fällen vor
Lokales Lübeck Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord in 48 Fällen vor
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08:26 23.02.2019
Einsatzkräfte stehen vor einem Bus im Lübecker Stadtteil Kücknitz, in dem ein Fahrgast Mitreisende mit einem Messer attackiert hatte. Quelle: dpa
Lübeck

Nach dem Messer-Attentat auf einen Linienbus in Lübeck-Kücknitz hat die Lübecker Staatsanwaltschaft ein Sicherungsverfahren zur Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie beantragt. Dem 34-Jährigen wird versuchter Mord in 48 Fällen in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung vorgeworfen, darüber hinaus gefährliche Körperverletzung in acht und Körperverletzung in vier Fällen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Der Beschuldigte sei aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig, zugleich aber krankheitsbedingt gefährlich für die Allgemeinheit.

„Der Mordvorwurf wird mit dem Merkmal der Gemeingefährlichkeit der Tat begründet, in zwei Fällen wird dem Mann auch Heimtücke vorgeworfen“, sagte der Lübecker Rechtsanwalt Oliver Dedow, der den mutmaßlichen Täter verteidigt.

Ende Juli hatte der aus dem Iran stammende Beschuldigte mit deutscher Staatsangehörigkeit, in einem Bus in Lübeck-Kücknitz ein Messer gezogen und mehrere Fahrgäste attackiert. Zwölf Menschen wurden verletzt. In seinem Rucksack hatte der Messer-Angreifer außerdem einen Brandsatz mit mehreren Spiritusflaschen, die er anzündete.

Eine entsetzliche Bluttat erschüttert Lübeck: Ein junger Mann entzündet im Bus nach Travemünde seinen Rucksack, schlägt und sticht dann wahllos auf die Fahrgäste ein. Auch der Fahrer wird verletzt. Das Motiv ist unklar.

Prozessbeginn im Januar geplant

Laut Dedow soll der Prozess Anfang Januar 2019 beginnen und voraussichtlich bis März dauern. Eine Sachverständige war zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass der mutmaßliche Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit unter paranoider Schizophrenie leide. Zum Zeitpunkt der Tat soll der Mann nach dieser Einschätzung nicht schuldfähig gewesen sein. Schon jetzt befinde er sich daher in der Psychiatrie, er war bereits im August aus der JVA Lübeck nach Neustadt (Ostholstein) in die Forensik verlegt worden.

Sachverständige: Täter schwer psychisch krank

Der Beschuldigte lebe in einer eigenen Welt, in der er sich verfolgt fühle und glaube, man wolle ihn mit Laser- und Hitzestrahlen attackieren, sagte Dedow. Zum Schutz vor solchen Attacken habe er beim Angriff auf den Bus auch trotz sommerlicher Temperaturen eine dicke Jacke getragen. So habe der Mann auch das Motiv für seine Tat begründet. Dedow: „Er wollte sich für die vermeintlichen Angriffe auf ihn rächen und hinterher erschossen werden.“ Laut Staatsanwaltschaft sah der Beschuldigte sich „wahnhaft einer Verschwörung ausgesetzt“, um diese zu beenden habe er alle Insassen des Busses töten wollen.

Lübecks Bürgermeister äußert sich

Der Kieler Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU), der sich nach dem Attentat in Lübeck ein Bild vom Tatort machte, wollte sich ebenfalls nicht äußern. „Während die Justiz ihre Arbeit macht, hält sich ein Innenminister mit Kommentaren zurück. Das gebietet der Respekt vor der Gewaltenteilung.“

„Es ist gut, dass der Prozess so zügig beginnt“, kommentierte der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). „Das hilft auch den Opfern Antworten auf die vielen Fragen zu erhalten, die wir alle noch haben.“

Mitfahrer hatten den Angreifer überwältigt

Der Fahrer des Busses hatte bei der Attacke im Juli geistesgegenwärtig reagiert und damit wohl Schlimmeres verhindert: Er stoppte den Bus und öffnete die Türen, damit die Menschen fliehen konnten. Mitfahrer überwältigten den Angreifer. Beamte nahmen den Mann kurze Zeit später fest.

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Von Marcus Stöcklin