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Lübeck Umweltminister: Deponie Ihlenberg keine Gefahr für Lübeck
Lokales Lübeck Umweltminister: Deponie Ihlenberg keine Gefahr für Lübeck
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20:00 26.07.2019
Die Sondermülldeponie Ihlenberg ist für Lübeck schon seit DDR-Zeiten ein ständiges Ärgernis. Quelle: Karl Erhard Vögele
Lübeck/Kiel

Der Kieler Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat den Lübeckern in Sachen Sondermülldeponie Ihlenberg eine Absage erteilt. Am 31. Mai schrieb der Minister an Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU), dass „das Lübecker Trinkwasser aus Sicht Schleswig-Holsteins nicht in Gefahr ist.“ Der Umweltausschuss der Bürgerschaft nahm die Antwort in seiner Sitzung am 20. Juni ohne Debatte zur Kenntnis.

Im Januar 2019 besuchte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (M.) die Deponie Ihlenberg. Quelle: Lutz Roeßler

Keine Notwendigkeit für eine kurzfristige Schließung

Nach allen ihm vorliegenden Berichten entspreche der Betrieb der Deponie Ihlenberg dem Stand der Technik. Albrecht: „Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass mit einem derartigen Standort häufig Befürchtungen und Sorgen einhergehen, sehe ich keine Notwendigkeit, mich für eine kurzfristige Schließung der Deponie Ihlenberg einzusetzen.“

Klare Absage an die Bürgerschaft, die Ende März beschlossen hatte: Der Bürgermeister soll auf die Landesregierung Schleswig-Holsteins einwirken, „gemeinsam mit den norddeutschen Bundesländern nach einem neuen Standort einer Deponie der Klasse DK III zu suchen, um eine möglichst frühzeitige Schließung der Deponie Ihlenberg zu ermöglichen.“ DK III sind Deponien für gefährlicher Abfälle.

Umweltminister sieht keine Gefahr für Lübeck

Im November 2018 hatte ein interner Prüfbericht – verfasst von Stefan Schwesig, Ehemann von Manuela Schwesig (SPD), der Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns – massive Überschreitungen bei Grenzwerten für die Abfalleinlagerung festgestellt. Das löste erhebliche Debatten nicht nur im Nachbarland, sondern auch in Lübeck aus. Die Bürgerschaft forderte neue Untersuchungen sowie die möglichst frühzeitige Schließung der Sondermülldeponie. Ende März übersandte Umweltsenator Hinsen die Forderungen nach Kiel.

Umweltsenator Hinsen: Beschluss damit nicht erledigt

Hinsen gibt sich nach der Absage aus Kiel weiterhin zuversichtlich: „Ich denke nicht, dass sich der Beschluss damit erledigt hat“, sagt er. „Vorbehaltlich der weiteren Diskussion in den politischen Gremien bin ich mir persönlich sicher, dass Lübeck insbesondere weiter auf die Suche nach Alternativen bestehen wird.“ Er sei am 1.  August mit dem zuständigen Staatssekretär in Kiel zu dem Thema verabredet.

Silke Mählenhoff (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung, hält die Absage ihres Parteifreundes Albrecht für kurzsichtig. Da Ihlenberg 2035 geschlossen werden solle, müsse ohnehin zügig mit der Suche nach Alternativstandorten begonnen werden. Die Versicherungen der Deponiebetreiber, dass nichts aus der Deponie ins Grundwasser eindringt, reichen Mählenhoff nicht: „Beim Trinkwasser müssen wir uns ganz sicher sein.“

Marek Lengen, Umweltexperte der SPD, ist enttäuscht von Albrechts Absage. Die Aussage, dass man alles unter Kontrolle habe, möge für den neuen Teil der Deponie gelten, sagt Lengen: „Aber der alte Teil wurde unter ominösen Umständen verfüllt.“ Lengen befürchtet, dass es in zehn, 20 oder 25 Jahren doch Probleme für das Lübecker Trinkwasser geben könnte. Der SPD-Politiker: „Eigentlich müsste man den Altteil ausbaggern und verbrennen.“ Das sei jedoch irrsinnig teuer, erklärt Lengen: „Wir brauchen eine europaweite Strategie, wie wir mit solchen Altlasten umgehen wollen.“

Lübeck sitzt immerhin wieder im Deponiebeirat

Auch Jochen Mauritz (CDU) hält die Deponie für ein Pulverfass, gibt sich aber keinen Illusionen hin: „Solange nichts in den Grundwasserleiter eindringt, wird nichts unternommen.“ Die Suche nach einem neuen Standort für eine Deponie für gefährliche Abfälle sei zudem schwierig. Mauritz: „Selbst wenn wir einen Platz dafür finden würden, gäbe es Demonstrationen ohne Ende.“

Eines immerhin haben die Lübecker erreicht: Mit Dietmar Schäfer aus der Umweltbehörde hat die Hansestadt wieder einen Beobachter im Deponiebeirat. Schäfer hat zwar kein Stimmrecht, kann der Hansestadt aber künftig direkt aus dem Beirat berichten. Seit über 20 Jahren kümmert er sich um das Thema Ihlenberg.

Wasserproben und Krebsstudie

Laut Schäfer sollen Lübecker Stadtteile in eine neue Krebsstudie einbezogen werden, die der Ihlenberger Deponiebetreiber plant. Im nächsten Jahr sei zudem eine weitere Untersuchung des Hauptgrundwasserleiters im Bereich der Landesgrenze geplant. Weitere Wasserproben sollen an den Zuflüssen zur Wakenitz und zum Dassower See genommen werden.

Zwischen 1981 und 1991 wurden die aus dem Osten in die Wakenitz einmündenden Gewässer durch diverse Behörden und durch die Lübecker Stadtwerke vierteljährlich beprobt. Diese Untersuchungen wurden 1991 eingestellt. Die vorliegenden Daten sollen noch einmal neu bewertet werden. Die Kosten für die verschiedenen Maßnahmen schätzt die Verwaltung auf bis zu 30 000 Euro. Silke Mählenhoff (Grüne): „Wir wünschen uns, dass Mecklenburg-Vorpommern das bezahlt. Wenn nicht, sollte uns die Gesundheit der Lübecker diese Ausgabe wert sein.“

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