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Lübeck Mit 53 Jahren den ersten Schulabschluss des Lebens
Lokales Lübeck Mit 53 Jahren den ersten Schulabschluss des Lebens
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20:21 11.07.2014
Monika Fuchs-Wulf (v. l.), Kerstin Agbonifo, Nicole Brunner und Dennis Denker freuen sich über die Schulabschlüsse. Quelle: Jacob
Lübeck

Nicole Brunner will Altenpflegerin werden. Bislang war der Traumberuf der 33-Jährigen unerreichbar. Der Grund: Die gebürtige Tirolerin hatte bis vor wenigen Tagen keinen Schulabschluss. Jahrelang hatte sich die Wahllübeckerin mit Hilfstätigkeiten durchgeschlagen. „Dank meines jetzigen Arbeitgebers konnte ich mir eine Auszeit für die Bildung nehmen“, sagt Brunner, die im griechischen RestaurantSantorini“ arbeitet. Dort wurden ihre Schichten so gelegt, dass sie problemlos den Abendkursus an der Volkshochschule (VHS) besuchen konnte. Zusammen mit 20 weiteren Teilnehmern büffelte sie an drei Abenden pro Woche.

„Das war anfangs ganz schön anstrengend“, sagt Brunner. Teilnehmer aus acht Nationen waren im Herbst angetreten. Den Abschluss hatte sie früher unter anderem „aus Rebellion“ nicht gewuppt. Jetzt schaffte sie die Note 1,6.

Ein weiteres Beispiel ist Kerstin Agbonifo. Die 53-Jährige hatte sich bislang ebenfalls mit Hilfsarbeiten über Wasser gehalten. Bis eine Lehrstelle als Altenpflegehelferin in Sicht war. Einziger Knackpunkt: Ohne Hauptschulabschluss kein Lehrvertrag. „Also habe ich angefangen zu büffeln“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Jetzt hat sie mit über 50 den ersten Schulabschluss ihres Lebens.

Einer, der gar mit der Note 1,0 den Hautschulabschluss in der Tasche hat, ist Dennis Denker. Unumwunden gibt der 30-jährige Lübecker zu, früher „schlicht zu faul“ gewesen zu sein. „Doch irgendwann machte es Klick in meinem Kopf — und der Gedanke war geboren, Sozialpädagogik zu studieren.“ Er ist auf einem guten Weg, hat unter anderem in der Beratungsstelle der Diakonie gearbeitet und hilft Menschen, die in Not geraten sind.

„Es war vor allem am Anfang nicht immer einfach“, sagt Monika Fuchs-Wulf. Die Sozialpädagogin hat die Gruppe begleitet, in der unter anderem ein Mobbingopfer, ein iranischer Teilnehmer ohne Hände, Schulversager, ein Mitglied aus der Drogenszene, aber auch „ganz normale Menschen aus bürgerlichen Familien“ angehörten.

Wie bunt die Klasse gemixt war, zeigt auch das Beispiel einer Mutter, die zusammen mit ihrer Tochter den Abschluss geschafft hat, oder einer junge Frau, die pünktlich zur Zeugnisvergabe Mutter geworden ist. „Die Lehrer waren immer für uns da — und es war ein Lernen ohne Druck“, lobt Nicole Brunner, „aber ohne Monika (Fuchs-Wulf) hätten wir es nicht geschafft.“ Und die bekam bei der großen Abschlussfeier eine Sonnenblume. „Weil sie unsere Sonne sind.“

jac

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