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Lübeck Mit dem Elektroboot einmal um die Altstadt
Lokales Lübeck Mit dem Elektroboot einmal um die Altstadt
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20:28 11.04.2018
36 Meter lang und fast zehn Meter breit wird der neue Anleger für Elektroboote an der Obertrave. Quelle: Holger Kröger
Innenstadt

Langsam lässt ein Kran am Montagmorgen eines der dreizehn Holzelemente des neuen Steganlegers an der Obertrave auf einen Schwimmkörper aus Beton herab. Bis Donnerstag soll der neue Bootsanleger aus Kiefernholz unweit der Dankwartsbrücke fertig sein: 36 Meter lang, fast zehn Meter breit. Dann fehlt nur noch das Kassenhäuschen aus Glas – und die zehn neuen Elektroboote, die Besucher ab voraussichtlich Mitte Mai stundenweise für einen Ausflug auf der Wasserstraße einmal rund um die Altstadt und den Stadtgraben nutzen können. Die Touren sind bis zu fünf Kilometer lang. Eine Stunde Fahrtzeit kostet 39 Euro.

Der Bootsverleih „Boat-Now“ baut seit Montag an einem Anleger für zehn Elektroboote. Mitte Mai soll alles fertig sein für ein neues Angebot an der Obertrave: Besucher können die Altstadt eigenständig mit E-Booten umrunden. Benachbarte Touranbieter finden das gefährlich.

Das Besondere: „Die Boote sind führerscheinfrei und nach einer kurzen Einweisung für jedermann ab dem 18. Lebensjahr verfügbar“, sagt Paul Witt (35). Er ist Geschäftsführer vom Neustädter „balticbootcenter“ und Mitinitiator des neuen Bootsverleihs in Lübeck. Für den Bootsverleih wirbt Witt damit, dass sich Gäste ohne besondere Kenntnisse der Schifffahrt frei auf dem Wasser bewegen und „die Sehenswürdigkeiten von einer neuen Perspektive aus kennenlernen.“ Vorbild für den E-Boote-Verleih sei ein ähnliches Projekt aus Kopenhagen, auch in Aarhus und London gebe es die selbst steuerbaren Elektroboote bereits.

Sechs Personen passen in ein Boot hinein. Die Boote sind sechs Meter lang, mit Ledersitzen und Tisch ausgestattet, edel, wie es die Betreiber sagen. Sie fahren mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometer die Stunde, seien lautlos und emissionsfrei. Ein spezieller Akku sorge dafür, dass die Boote bis zu 16 Stunden am Stück durchfahren können. „Für unsere Gäste ist es sehr einfach, damit zu fahren“, sagt Sören Koch (26). Er ist der zukünftiger Manager des neuen Bootsverleihs „Boat-Now“ an der Obertrave. Er sei froh, dass es nun losgeht, zwei Jahre Vorplanungen und Absprachen mit der Stadt liegen hinter ihm und Witt.

Auf dem Wasser ohne Bootsführerschein

Während die Betreiber voll Tatendrang auf die Eröffnung Mitte Mai hinfiebern, zeigt sich die Nachbarschaft der Bootsbetreiber besorgt. Gabriele Stühff vom Bootstourenanbieter nebenan beobachtet die Bauarbeiten mit Sorge. Es erstaune sie, dass es erlaubt sei, Menschen ohne Bootsführerschein auf das Wasser zu lassen. „Das Verkehrsaufkommen ist hier sowieso schon sehr hoch“, sagt sie. Zahlreiche Kanu- und Drachenbootfahrer, Ruderer und Motorboote seien in der Saison auf dem Wasser in Altstadtnähe unterwegs. Da werde es schnell eng. „Die Zukunft wird zeigen, ob das klappt.“ Für Helge Gabriel, Inhaber vom Amphibienbus „Trave- Splash“ ist das Chaos auf der Wasserstraße programmiert. „Über kurz oder lang wird mit Sicherheit was passieren, ich habe da ganz starke Bedenken“, sagt Gabriel, der seit 50 Jahren in der Binnenschifffahrt tätig ist. Wenn sich unerfahrene Leute mit so großen Booten ohne Vorkenntnisse auf dem Wasser bewegen, berge das ein Risiko und sei gefährlich.

„Boat-Now“-Manager Koch kann die Bedenken nur teils verstehen. Es werde zwar mehr Verkehr auf der Trave unterwegs sein. „Wir haben in Kopenhagen aber gute Erfahrungen gemacht, und da gibt es weniger Platz als auf der Trave.“ Bootsausstatter Paul Witt betont: „Die Wasserfläche hier gehört allen und es gibt genug Platz.“ Zudem seien die neuen Boote zertifiziert, vom Schifffahrtsamt überprüft, und das Projekt von der Stadt abgesegnet.

Tourismuschef Christian Martin Lukas (LTM) begrüßt die E-Boote auf der Trave. „ Es ist eine zusätzliche Freizeitaktivität auf dem Wasser und ermöglicht – zusätzlich zu den bestehenden Schiffsausflugsfahrten der Barkassen – eine individuelle Entdeckungsreise rund um die Altstadtinsel.“

 Saskia Bücker