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Lübeck Mobilitätskonzept: Das sind die Probleme im Seebad
Lokales Lübeck Mobilitätskonzept: Das sind die Probleme im Seebad
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16:45 15.08.2019
Der Bahnübergang am Teutendorfer Weg: Der Ortsrat befürchtet, dass bei einer halbstündigen Taktung des Zugverkehrs zwischen Lübeck und Travemünde eine Zunahme der Staus. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Das Mobilitätskonzept für das Lübecker Seebad: Im Februar und im November 2017 wurde es bei Bürgerveranstaltungen erstmals öffentlich vorgestellt. Anschließend beschäftigte sich der Verkehrsausschuss des Ortsrats damit. Am Mittwochabend präsentierte er sein Ergebnis auf einer Sitzung des Gremiums. Das Interesse war groß, etwa 80 Besucher hatten sich im Gesellschaftshaus eingefunden. Dabei wurde deutlich: Sowohl vom Ortsrat als auch von Bewohnern gibt es kein gutes Zeugnis für das Konzept. Kritisiert wird unter anderem die geplante Umwidmung der Vorderreihe zur ganzjährigen Fußgängerzone. Und das sind Schwerpunkte der Diskussion:

Halbstundentakt der Bahn zwischen Lübeck und Travemünde

Zu den Inhalten: Die geplante Halbstundentaktung auf der Bahntrasse zwischen Lübeck und Travemünde, die nach der Vorstellung der Stadtplaner die Strecke für Touristen attraktiver machen soll, gefällt dem Ortsrat nicht. „Das wird nichts, so lange die Bahnhöfe in Travemünde ungepflegt und unattraktiv bleiben,“ sagte Ingwersen. Zudem würden durch die Verkürzung der Taktung die Bahnübergänge öfter schließen müssen, was zu noch mehr Staus an den Knotenpunkten führen werde. Claus Paetow (SPD) plädierte für eine kurzfristige Erprobung einer neuen Taktung. Stadtplaner Werner betonte, dass Lübeck wenig Einflussmöglichkeiten auf Pläne der Bahn habe, diese seien Sache des Landes.

Travemünder Grüne wollen Bürgerbus

Die Stadtteilgruppe der Grünenin Travemünde schlägt die Einrichtung eines „Bürgerbusses“ als bürgernahen und flexiblen ÖPNV in Travemünde vor. Dieser Kleinbus sollte – mittelfristig kostenfrei – innerhalb Travemündes verkehren und die weit auseinanderliegenden Siedlungen von Teutendorf bis zum Kurviertel verbinden. Angefahren werden sollten alle wichtigen Stationen wie Bahnhöfe, Einkaufszentren, Stadtbibliothek sowie das Stadtteilbüro. Weitere Stationen sind denkbar und auch die Durchfahrt durch die Vorderreihe sollte möglich sein. Weiterhin lehnt die Stadtteilgruppe eine weitere touristische Bebauung für Travemünde, einschließlich der Kohlenhofspitze, strikt ab.

Knotenpunkt Gneversdorfer Weg/Travemünder Landstraße

Die Einmündung Gneversdorfer Weg/Travemünder Landstraße/Torstraße, ein stark frequentierter Knotenpunkt, stellt Autofahrer, seitdem ständig neue Baumaßnahmen für Staus sorgen, auf eine harte Geduldsprobe. Jan Ingwersen: „Von Spediteuren wird mir gesagt, dass es quasi unmöglich ist, die Kurve mit dem Lkw zu nehmen, ohne über den Kantstein zu fahren.“ Wie die Stadt eine Verbreiterung an der Einmündung erreichen will, um dort ausreichend breite Abbiegefahrstreifen zu errichten, sei unklar. Werner: „Wir wollen in diesem Bereich Umstellungen vornehmen.“

Gefahrenpunkt: An der Einmündung Travemünder Landstraße/Teutendorfer Weg herrscht oft Stillstand. Quelle: Thomas Krohn

Die Probleme der Vorderreihe

Ein seit vielen Jahren in Travemünde diskutiertes Thema ist die Vorderreihe. Die Flaniermeile des Seebads ist verkehrsrechtlich eine Straße, mit Gehwegen auf beiden Seiten. Kraftfahrzeuge dürfen sie befahren, allerdings nicht von Mai bis September, lediglich Lieferanten, Hotelgäste und Taxen. In den Hauptsaisonzeiten, zu Weihnachten, aber vor allem in der Sommersaison, stellen Geschäftsleute Ständer mit ihren Produkten auf die Gehwege, und die Fahrbahn wird zur Fußgängerzone. Spaziergänger schlendern über die Straße, Radfahrer werden nicht vorbeigelassen und angepöbelt. Die Stadt will die Vorderreihe deshalb ganzjährig zur Fußgängerzone machen. Der Verkehrsausschuss des Ortsrats lehnt das ab. „Wir plädieren für eine Beibehaltung der jetzigen saisonabhängigen Regelung. Es gibt viele ältere Bewohner, die die dort ansässigen Ärzte, Apotheken und Geschäfte erreichen müssen“, sagte Ingwersen. Werner betonte: „Die bisherige Regelung gibt es im Straßenverkehrsrecht nicht. Deshalb sehen wir keine Chance, diese beizubehalten.“ Ein verkehrsberuhigter Bereich sei nur in Wohngebieten zugelassen. Das sei in der Vorderreihe nicht der Fall. Er wolle aber prüfen lassen, ob versenkbare Poller, die für Rettungsfahrzeuge im Einsatzfall hochgelassen würden, eingebaut werden könnten.

Das ausschließliche Anwohnerparkrecht

Ebenfalls abgelehnt wird ein ausschließliches Anwohnerparkrecht etwa im Steenkamp. Es gebe dort auch wie im Strandweg und im Backbord keine Probleme wegen fehlender Parkplätze.

Konflikte mit dem Radverkehr

Der bestehende einseitige Radweg an der Straße Auf dem Baggersand solle ebenfalls beibehalten werden. Ingwersen: „Den Radverkehr auf die Straße zu bringen ist gefahrenträchtiger als die bisherige Regelung.“ Einen Fahrradschutzstreifen und ein damit verbundenes Parkverbot auf dem Teutendorfer Weg will der Ausschuss ebenfalls nicht: „Die parkenden Fahrzeug sorgen für ein verlangsamtes Fahrtempo. Wenn ein Fahrradstreifen käme, würde dies zu einem Parkverbot und damit zu schnellerem Fahren führen.“

Hitzige Debatte

Stadtplaner Benjamin Werner, in der Abteilung Stadtentwicklung zuständig für Verkehrsentwicklung, hatte es nicht leicht an diesem Abend, denn er musste teilweise harsche Kritik für die Pläne einstecken. Nachdem sich die Ortsratsmitglieder zuerst nicht auf ein Prozedere über den Ablauf der Veranstaltung einigen konnten und es aus den Besucherreihen Proteste wegen des teilweise chaotischen Durcheinanders hagelte, läutete Vorsitzender Gerd Schröder (CDU) eine knapp zehnminütige Pause ein, in der sich der Ortsrat auf einen strukturierten Ablauf einigte: Jan Ingwersen (CDU) sollte die Ergebnisse des Verkehrsausschusses vortragen, die Ortsratsmitglieder durften je maximal zwei Minuten lang Fragen an Benjamin Werner stellen, dieser durfte höchstens jeweils zwei Minuten antworten. Christoph Evers (SPD) erhielt den Auftrag, die Zeiten zu stoppen.

Ortsratsmitglied Michael Wiemann (Grüne) äußerte grundsätzliche Kritik am Mobilitätskonzept. „Wir reden hier über Bestehendes, ich vermisse aber ein verändertes Mobilitätsverhalten. Wir wollen nicht mehr Verkehr, sondern den touristischen Verkehr aus Travemünde heraushalten.“ Dies fehle in den Planungen. Sabine Haltern (SPD) stellte fest: „Das Konzept ist alles andere als ein großer Wurf.“ Bürgerschaftsmitglied Jochen Mauritz (CDU) schlug in die gleiche Kerbe: „Wir halten das Konzept nicht für schlüssig.“ Die Verwaltung habe dafür sechs Jahre Zeit gehabt, und die Politik solle das jetzt schnell durchwinken. Ein Zuhörer fragte: „Warum holt man sich nicht einen kompetenten Verkehrsplaner?“ Ortsratschef Schröder befürchtet, dass es zu einem Verkehrschaos kommen könnte, wenn in einigen Wochen die Baumaßnahmen für das Wohnprojekt auf dem ehemaligen Parkplatz Baggersand beginnen: „Wir werden da von der Stadt allein gelassen.“ Er wetterte auch gegen Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos): „Wir hatten sie zu dieser Sitzung bereits sechs Wochen zuvor eingeladen, und erst vor sechs Tagen sagte sie ab.“

Lesen Sie hier: Mit der Bahn nach Travemünde in vollen Zügen

Von Thomas Krohn

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