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Lokales Lübeck Lübeck hat neuen Treffpunkt für Alkoholsüchtige
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16:20 13.06.2019
Sandro Voigt (24), Mitarbeiter der Vorwerker Diakonie, betreut den Laden in der Mühlenstraße. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Zwölf Sitzplätze, eine Toilette, hell und freundlich eingerichtet: Seit April betreibt die Suchthilfe der Vorwerker Diakonie einen kleinen Treffpunkt mitten in der Altstadt. „Mühle 77“ heißt die Anlaufstelle, die von den Suchthelfern auch „Streetworker-Café“ genannt wird.

Kaffee und Gespräche im Streetworker-Café

Wer hier hereinkommt, bekommt einen Kaffee, ein Wasser, einen kleinen Snack und kann sich aussprechen. „In Maßen dürfen auch selbst mitgebrachte, alkoholische Getränke konsumiert werden“, sagt Stephan Schuldt, Leiter der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie, „aber wir sind keine Gastronomie.“

Friedemann Ulrich ist Bereichsleiter Soziale Hilfen bei der Vorwerker Diakonie: „Alkoholsüchtige sind Teil unserer Gesellschaft.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Berater ohne erhobenen Zeigefinger

Über die Frage, ob in der „Mühle 77“ auch Alkohol getrunken werden darf, haben die Fachleute der Diakonie lange diskutiert. „Die Gäste sollen die Erfahrung machen, dass hier nicht die Suchtberater mit dem erhobenen Zeigefinger warten“, sagt Friedemann Ulrich, Bereichsleiter Soziale Hilfen bei der Vorwerker Diakonie. Trotzdem gebe es einen Unterschied zu Trinkräumen, wie es sie beispielsweise in Kiel gebe, betont Lutz Regenberg, Sprecher der Vorwerker Diakonie.

Zwei Prozent der Bundesbürger gelten als alkoholabhängig. In Lübeck wird die Zahl auf 4500 Menschen geschätzt. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Niedrigschwelliges Angebot

Streetworker und Suchthelfer der Vorwerker Diakonie sind anwesend und stehen für Gespräche und Beratungen zur Verfügung. „Niedrigschwelliges Angebot“ nehmen Sozialarbeiter und Sozialpädagogen einen solchen Treffpunkt. Denn Friedemann Ulrich weiß: „Viele Alkoholkranke kommen nicht in unsere Beratungsstellen.“

„Mühle 77“ soll die Lücke schließen zwischen den Streetworkern, die bei den Alkoholsüchtigen auf der Straße sind, und den Fachleuten in den Beratungsstellen. Friedemann Ulrich: „Die ,Mühle 77‘ ist ein Ort, an dem man ohne große Hemmschwellen miteinander ins Gespräch kommen kann.“

„Mühle 77“ befindet sich mitten in der Mühlenstraße, in der es zahllose Gastronomiebetriebe und Ladengeschäfte gibt. Quelle: Lutz Roeßler

Ergänzung zu anderen Anlaufstellen

„Mühle 77“ versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung der bestehenden Anlaufstellen. Ganz wichtig ist den Suchtberatern, dass diese Anlaufstelle nicht irgendwo am Rand der Innenstadt eröffnet wurde. „Alkoholkranke sind Teil unserer Gesellschaft“, sagt Friedemann Ulrich. „Wir wollen zeigen, dass es in der Innenstadt gut geht.“

Nachbarn zeigen viel Verständnis

Die unmittelbaren Nachbarn der „Mühle 77“ hätten mit viel Verständnis und Offenheit reagiert, berichtet Friedemann Ulrich. „Das werten wir als schönes Zeichen.“ Der Treffpunkt ist dienstags bis freitags von 15 bis 18.30 Uhr geöffnet. Die Vorwerker Diakonie sucht noch eine Fachkraft, die Sandro Voigt unterstützt. Der 24-Jährige ist Mitarbeiter des Sophie-Kunert-Hauses für Obdachlose in der Julius-Leber-Straße und betreut jetzt zusätzlich den Laden in der Mühlenstraße.

Kai Dordowsky

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