Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck MHL: Eine Konzertbühne für Experimente
Lokales Lübeck MHL: Eine Konzertbühne für Experimente
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:41 19.11.2019
Einige der Mitwirkenden des Donnerstagabends: (vordere Reihe v. l.) Samuel Walther und Panagiotis Botzios, (hintere Reihe v. l.) Xiaoxi Tee, Jara Elena Egen sowie Benjamin Janisch. Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Zwei große leere Transportkisten aus Holz stehen in der Ecke; diverse Sitzhocker mit Kissen sind im Raum verteilt, und kleine Aufsteller weisen auf die vergangene Ausstellung „Ins Blaue! Natur in der Literatur“ hin. Dass hier schon 24 Mal konzertiert wurde, erschließt sich weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick.

Ex-Verkaufsraum wird zur Konzertbühne

Der ehemalige Verkaufsraum – und inzwischen Abstellraum – mit dem großem Schaufenster direkt gegenüber der Marienkirche gehört in der Mengstraße 4 zum Buddenbrookhaus. Für die Musikhochschule Lübeck (MHL) ist er seit November 2015 zu einem regelmäßigen Veranstaltungsort geworden, für ihre Reihe „Aufbrüche“.

MHL-Kompositionsprofessor Dieter Mack: „Ab April wird die Reihe fortgesetzt. Wir wechseln nur die Räumlichkeiten.“ Quelle: MHL

Am morgigen Donnerstag nun wird hier zum allerletzten Mal Musik erklingen. Denn die Planungen für den vorgesehenen Erweiterungsbau an dieser Stelle werden immer konkreter. „Aber keine Sorge“, beruhigt Kompositionsprofessor Dieter Mack, „ab April wird unsere Reihe in einer ebenfalls sehr übersichtlichen Räumlichkeit im Rathaus-Innenhof fortgesetzt.“

Mack gehört zusammen mit MHL-Präsident Prof. Rico Gubler sowie Schlagzeug-Professor Johannes Fischer zu den Initiatoren dieses Veranstaltungsformates zu „Neuer Musik“. Dieter Mack: „Weil die Hochschule räumlich so limitiert ist, waren wir auf der Suche nach anderen Spielplätzen und sind fündig geworden.“

„Es ist kein alltäglicher Konzertraum, es gibt keine geordneten Sitzreihen, keine Bühne, kein Vorne, kein Unten. Der Raum bietet uns die Möglichkeit, Musik in Zwischenräumen zu gestalten. Dass wir gemeinsam aufbrechen wollen, hat der Reihe ihren Namen gegeben“, merkt Rico Gubler an. Und das, was eigentlich nur für ein Jahr geplant war, lebt immer weiter fort, weil die Publikumsresonanz dem Konzept recht gibt.

Stücke für Müslischüssel und Wassergeräusche

Für die Studierenden sind diese im Vergleich zu den Konzertsälen der MHL kargen Gegebenheiten eine echte Herausforderung. „Ich war hier schon beim ersten Konzert dabei“, sagt Kompositionsstudent Samuel Walther aus dem dritten Master-Semester, „bin also förmlich mit der Reihe mitgewachsen.“

Der Blick von außen in den nicht alltäglichen Konzertraum. Quelle: 54° / Felix Koenig

Dieser Raum im Buddenbrookhaus sei sein „Lieblingsexperimentier-Raum für leise und ausgefallenere Dinge“ – „denn hier kann ich Stücke zur Aufführung bringen, die ich nie für einen normalen Konzertraum hätte komponieren können“, betont der 23-Jährige. So habe er an Ort und Stelle schon ein Stück für eine Müslischüssel wie auch für Wassergeräusche erklingen lassen können.

Am morgigen Abend gibt es aus seiner Feder das Werk „Sim“ für Harfe und Synthesizer. Insgesamt erklingen Stücke, die fünf Studierende der Kompositionsklasse von Dieter Mack geschrieben haben. Vier davon sind speziell für dieses Konzert „Harfe +“ entstanden und werden unter anderem von den Harfenstudierenden Jara Elena Egen, Franziska Götz und Cecilia Pacheco aus der Klasse von Professorin Gesine Dreyer uraufgeführt.

Harfenistin Jara Elena Egen aus der Klasse von Gesine Dreyer. Quelle: MHL

„Meine Studierenden profitieren durch den direkten Austausch mit den Komponisten. Von der Klangidee, über deren Machbarkeit bis hin zur Notation begleiten sie den Entstehungsprozess eines Werkes“, erläutert Dreyer.

Wie kann die Komposition umgesetzt werden

Und ihre Studentin Jara Elena Egen kommentiert: „Dieser gemeinsame Prozess beginnt schon, wenn man zum ersten Mal die Noten in der Hand hat – wie ist es gemeint, wie kann ich das auf meinem Instrument umsetzen und so weiter. Ich bin jedenfalls schon auf die Akustik des Raumes gespannt und freue mich auf das Konzert!“

Karten für „Aufbrüche XXV“ sind am Donnerstag für vier Euro ausschließlich an der Abendkasse erhältlich.

Lesen Sie mehr:

Von Michael Hollinde

Youtuber Felix von der Laden ist am Dienstag für eine Autogrammstunde nach Lübeck gekommen – in seine Heimatstadt. Mit den LN sprach er über seinen Arbeitsalltag, den Lübecker Weihnachtsmarkt und Marzipan.

19.11.2019

Busfahrer Peter Spoth reagierte bei einem Anschlag im Lübecker Stadtteil Kücknitz gedankenschnell. Nun erhält der couragierte Mann die Rettungsmedaille des Landes.

19.11.2019

Herz Stiftung fördert gemeinsames Forschungsprojekt von Lübecks Uni und TH. Künstliche Intelligenz soll die telemedizinische Augendiagnostik unterstützen.

19.11.2019