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Lübeck Mutter erschlagen — Sohn zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt
Lokales Lübeck Mutter erschlagen — Sohn zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt
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11:21 26.11.2013
Die Ermittler stellten im Oktober 2012 am Tatort zahlreiche Spuren sicher. Hinweise auf einen Einbruch in das Haus des Opfers am Priwall wurden jedoch nicht gefunden. Quelle: Fotos: Kröger, Pump, Maxwitat
Lübeck

Zwölf Jahre Haft wegen Totschlags, so lautet das Urteil im Prozess um die Tote vom Priwall. Die I. Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck unter Vorsitz von Richter Christian Singelmann sah es gestern als erwiesen an, dass der 58 Jahre alte Carl Hubertus R. seine 85-jährige Mutter Paula R. im Oktober 2012 in ihrem Haus auf dem Priwall erschlagen hat.

In der Urteilsbegründung räumte Singelmann ein, dass das Motiv für die Tat nicht eindeutig geklärt werden konnte. „Habgier ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen“, so der Richter. Ein Mord aufgrund der Schuldenlast — Carl R.s Verbindlichkeiten sollen sich auf über 100 000 Euro belaufen — sah die Kammer nicht als erwiesen an, da sich herausgestellt habe, dass die Getötete sehr großzügig gegenüber ihrem Sohn gewesen sei.

Dennoch war nach zwölf Prozesstagen für das Gericht klar, dass Carl R. seine Mutter brutal erschlagen hat. Danach hat der Verurteilte seine Mutter am 17. Oktober 2012 in den Keller gelockt und mit einem nicht identifizierten Gegenstand auf sie eingeschlagen. Am nächsten Tag habe Carl R. bemerkt, dass seine Mutter noch am Leben war und erneut mit einem Gegenstand auf ihren Kopf geschlagen. Auf der Treppe habe er frisch gewaschene Kleidungsstücke drapiert, um alles nach einem Unfall beim Waschen aussehen zu lassen. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Den ersten Fall wertete das Gericht als versuchten Totschlag, den zweiten Angriff als vollendeten Totschlag nach Paragraf 212 des Strafgesetzbuches. Für beide Taten wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren verhängt. Für die Kammer lag eine eindeutige Tötungsabsicht vor. „Wer sich so verhält, der will töten“, sagte Richter Christian Singelmann.

Carl R. hatte in der polizeilichen Vernehmung nach der Tat behauptet, seine Mutter sei die Treppe hinuntergefallen. Er habe sie am 18. Oktober 2012 leblos im Keller entdeckt. Bei seiner Darstellung habe sich Carl R. in fantasievolle Lügengeschichten verstrickt, sagte der Richter. So stimmten Zeitangaben nicht, die Carl R. gemacht habe, und auch die Behauptung, dass er keinen Zutritt zum Elternhaus hatte, sei wohl falsch. Auch die stets wiederholte Behauptung, dass er aufgrund seiner Gehbehinderung nicht die Kellertreppe benutzen konnte, sei durch die Aussage eines Heizungsmonteurs widerlegt worden, der mit Carl R. im Keller gewesen war. Zudem würden DNA-Spuren an der Leiche und an der Kleidung des Verurteilten sowie Fußspuren am Tatort auf den 58-Jährigen als Täter hindeuten.

Von der Brutalität der Tat hatten sich die Richter während eines Ortstermins überzeugt. Bei der Begehung des Priwall-Hauses waren die vielen Blutlachen im Keller noch deutlich sichtbar. Laut Obduktion muss Paula R. nach der ersten Attacke stundenlang mit dem Tod gerungen haben. Letztendlich sei es das Gesamtbild, das die Kammer zu dem Schuldspruch veranlasst habe, sagte Singelmann.

Die Anklagevertretung sah einen Mord als erwiesen an. So habe der Verurteilte gewusst, dass er als Alleinerbe eingesetzt war. Staatsanwalt Niels-Broder Greve hatte eine lebenslange Haft gefordert.

Verteidiger Frank-Eckart Brand bat das Gericht nur um ein mildes Urteil und sah sich nach dem Richterspruch bestätigt. Beide Seiten wollen das schriftliche Urteil abwarten und dann entscheiden, ob sie in die Revision gehen. Carl R. nahm das Urteil kopfschüttelnd entgegen, hatte zuvor seine Unschuld beteuert. In einem letzten Versuch hatte er in einer schriftlichen Erklärung seinen Sohn Jan R. als möglichen Täter ins Spiel gebracht.

Bei der gestrigen Urteilsverkündung war der Verhandlungssaal 155 wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Er habe es getan, weil er fürchtete, enterbt zu werden, lautete die einhellige Meinung der Zuhörer nach dem Urteil. „Sie werden es in der Justizvollzugsanstalt nicht leicht haben“, sagte Richter Christian Singelmann zum Abschluss in Richtung des Verurteilten.

Heiko Pump

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