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Lübeck Mysteriöser Ton nervt in Lübecker Stadtteil St. Lorenz
Lokales Lübeck Mysteriöser Ton nervt in Lübecker Stadtteil St. Lorenz
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20:00 15.02.2020
LN-Reporterin Friederike Grabitz forscht in St. Lorenz Nord nach einem mysteriösen Ton. Quelle: Britta Meybohm
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St. Lorenz Nord

„Tuuhhht“ – tief und Sekunden lang schallt der Ton zwischen den Häusern, er erinnert an das Tröten eines Schiffshorns. Nur: Der Hafen ist weit weg. Wir stehen im Garten eines Wohnblocks in St. Lorenz Nord. „Zwei-, dreimal in der Stunde höre ich diesen Ton, auch nachts“, sagt Anke Greve (Name geändert). Seit anderthalb Jahren leidet sie unter dem Geräusch. „Ich will, dass das aufhört“.

Hilfe geholt von der Stadt

Greve arbeitet im Schichtdienst, oft kommt sie müde nach Hause. Dann stört der Ton sie besonders. Nun hat sie sich Hilfe geholt von Britta Meybohm, Umweltingenieurin im Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz der Hansestadt und zuständig für Lärmschutz. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Ursache des Tons.

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Die „Ton-Detektive“ in Aktion

Meybohm hat ein Messgerät mitgebracht, mit dem sie Geräusche orten kann. Drei- bis viermal im letzten halben Jahr ist sie als „Ton-Detektivin“ an Orte gerufen worden, an denen Menschen sich von mysteriösen Tönen gestört fühlen. Um helfen zu können, muss sie herausfinden, wo das Geräusch herkommt.

Quelle ist oft nicht auszumachen

Nicht immer sind solche Recherchen erfolgreich. Das Problem: „Gerade bei den tiefen Tönen kann man die Quelle oft nicht finden“, sagt sie. Die Mauern der Altbauhäuser ringsum werfen das Geräusch hin und her. Tatsächlich tönt das „Schiffshorn“ erneut – dieses Mal aus einer anderen Richtung und mit etwa 40 Dezibel deutlich lauter. Zum Vergleich: Straßenlärm oder ein Gespräch hat etwa 50 bis 60 Dezibel.

Desensibilisierung durch Hypnose

Nicht alle Nachbarn hören das Geräusch, und von denen, die es hören, fühlen sich viele nicht gestört. „Ich denke, sie haben sich daran gewöhnt“, vermutet Anke Greve. „Manchmal finde ich es furchtbar, dass ich ein sehr gutes Gehör habe.“ Meybohm bestätigt: „Die Wahrnehmung von Geräuschen kann sehr unterschiedlich sein. Auch ein tropfender Wasserhahn stört, obwohl er leise ist.“ Als „Erste Hilfe“ rät sie deshalb, sich bewusst auf andere Geräusche zu konzentrieren.

Alleinstehende besonders betroffen

Sie hatte schon Fälle, in denen Anwohner wegen störender Töne sogar umgezogen sind. Auch Hans Hansen kennt solche Fälle. Der Psychoakustiker hat einige Jahre selbst nach Trigger-Tönen recherchiert. „Besonders betroffen sind Alleinstehende, die viel arbeiten“, sagt er. Sie haben ein besonders großes Ruhebedürfnis und wenig Ablenkung beispielsweise durch lärmende Kinder. Schwieriger sei es, wenn andere den Ton nicht hören, weil dann nicht klar ist, ob er eine äußere Quelle hat. In solchen Fällen helfe manchmal eine Behandlung durch Hypnose „für eine Art Desensibilisierung.“

Hilfe durch den Schornsteinfeger

Das Problem ist: „Die Ohren sind immer an. Ich kann nicht jemandem sagen, er soll jetzt mal nicht hinhören“, sagt Hansen. Trotzdem wählt das Gehör aus. Straßenlärm beispielsweise könnten viele Menschen ausblenden, „weil sie das Gefühl haben, das nicht ändern zu können. Bei Trigger-Geräuschen dagegen gibt es die Möglichkeit, sie abzustellen.“

Vielleicht gelingt das ja auch bei dem Ton in St. Lorenz Nord. Britta Meybohm vermutet, dass die „Schiffshupe“ eine defekte Heizungspumpe ist, zumal das Geräusch letzten Sommer einige Monate aussetzte. „Ich werde den Schornsteinfeger bitten, das zu untersuchen“, sagt sie. Mit etwas Glück kehrt dann wieder Ruhe im Viertel ein.

Tipp:

Das Umweltbundesamt hat eine Informationsbroschüre über „Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld“ herausgegeben.

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Von Friederike Grabitz