Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Nach Astbruch: Rosskur für die Lutherbuche
Lokales Lübeck Nach Astbruch: Rosskur für die Lutherbuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:02 13.08.2019
"Es war ein großer Schreck für uns": Domküster Markus Meier vor der Abbruchstelle Quelle: Friederike Grabitz
Innenstadt

 Es ist ein gewaltiger Lärm, der Markus Meier und Heiko Gruhl am frühen Sonntag Mittag aufschrecken lässt, „ein Geräusch wie von einem Presslufthammer“, erzählen die beiden Domküster. Baulärm, am Wochenende? Sie ahnen, dass da etwas nicht stimmen kann.

Als sie auf den Domkirchhof eilen, sehen sie den riesigen Ast, der von der gewaltigen Rotbuche herunter gekracht ist. Direkt vor dem Denkmal für Heinrich den Löwen begräbt er das Auto eines Gemeindemitglieds unter sich.

„Großes Glück gehabt“

Mehr als einen Lackschaden hat es nicht abbekommen. Vor allem, dass keine Menschen zu Schaden kamen, sei „ein großes Glück,“, sagt Dompastorin Margrit Wegner. Nur eine Stunde zuvor waren rund 300 Menschen aus der Kirche gekommen, „wir hatten Familiengottesdienst mit Kindermusical“.

Die Lutherbuche

Die Lübecker Lutherbuche wurde nicht von Martin Luther selbst gepflanzt, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelebt hatte, sondern ist ein Spross der Lutherbuche im thüringischen Liebenstein. Von dort war sie 1873 zur Erinnerung des 700-jährigen Bestehens des Doms nach Lübeck gekommen; der Baum ist also 147 Jahre alt. Der Leiter des Stadtarchivs Dr. Jan Lokers fand eine Ausgabe der „Vaterstädtischen Blätter“ von 1923, die die Buche erwähnt. „Zu den Naturdenkmälern gibt es kaum Quellen in den Archiven“, sagt er. „Die sind meistens vergraben in anderen Zusammenhängen“.

Dem 147 Jahre alten Baum fehlt nun ein Stück seiner Krone. Das wird sein Leben wahrscheinlich verkürzen, sagt Baum-Experte Andreas Scheel. Die Küster riefen den Baum-Sachverständigen noch am gleichen Tag an. Dieser war schockiert. „Die Lutherbuche ist mein Lieblingsbaum“, sagt Scheel. Er riegelte die Buche weiträumig ab und erstellte ein Gutachten. Das Ergebnis: Der Baum ist gesund. „Dass so etwas passiert, hätte man nicht vorhersehen können“, sagt er.

Die Lutherbuche am Dom ist beschädigt. Quelle: Holger Kröger

Bäume leiden bei Trockenheit

Ein Grund für den Abbruch könne die Trockenheit der letzten Wochen gewesen sein. Weil eine große Buche Tag 1000 Liter Wasser pro Tag verdunstet, gehe es den Bäumen in Trockenperioden schlechter. „Dann entsteht eine Spannung im Holz, und Äste können herunterfallen“ - auch, wenn wie am Sonntag nur leichter Wind weht.

Das komme zum Glück äußerst selten vor, sagt Birgit Hartmann, Leiterin des Bereichs Umwelt, Natur und Verbraucherschutz. Sie kann sich nicht erinnern, dass in Lübeck Menschen durch herabstürzende Äste von gesunden Bäumen zu Schaden gekommen seien. „Auto fahren ist deutlich gefährlicher“, betont sie. Damit Bäume auch in Zukunft sicher seien, gebe es als eine Art städtischen „TÜV“ regelmäßige Baum-Kontrollen durch den Bereich Stadtgrün und Verkehr.

Ein besonderer Baum

Dabei werden auch Bäume kontrolliert, die öffentlich zugänglich sind, aber nicht auf städtischem Grund stehen – wie die knapp 150 Jahre alte Lutherbuche, die ein Spross der Lutherbuche im thüringischen Liebenstein und 1873 nach Lübeck gekommen ist. Sie ist für viele Lübecker wichtig. Etwa für Mohammed Amedi, der im Haus der Kulturen arbeitet und sie jeden Tag sieht. Er kam gerade aus dem Urlaub in Spanien zurück, als der Unfall passierte. „Dort habe ich keinen einzigen Baum gesehen, der so groß ist“, erzählt er.

Die Lutherbuche am Domhat einen großen Ast verloren. Quelle: Holger Kröger

Für einen Baumarbeiter, der nun die Krone der Buche beschneidet, ist sie „ein Wahrzeichen unserer Stadt“. Er und seine Kollegen werden bis zum Wochenende ein Drittel der Krone herausschneiden, damit sie nicht offen bleibt. „Sonst kann der Wind noch mehr Äste herunterholen“, sagt Andreas Scheer. Weil der Stamm danach nicht mehr verschattet ist, wird er weiß angemalt, „damit die Buche keinen Sonnenbrand bekommt“.

In einer Ausgabe der "Vaterstädtischen Blätter" wird über die Lutherbuche geschrieben. Quelle: Repro LN

„Unsere Lutherbuche wird deutlich kleiner werden“, sagt Küster Heiko Gruhl. „Es ist sehr, sehr schade. Aber dafür, hofft er, „wird der Baum jetzt die nächsten hundert Jahre sicher sein“.

Von Friederike Grabitz

Das Parkhaus am Lübecker Holstentor ist marode. Experten empfehlen, das Gebäude abzureißen. Statiker haben herausgefunden, dass es schon beim Bau 1992 erhebliche Mängel gegeben hat.

13.08.2019

In einem Mehrfamilienhaus in St. Lorenz gab es für Anna Schulz (Name geändert) am Sonnabendmorgen eine böse Überraschung. Sie findet eine Katze in ihrer Toilette. Wurde das kleine Tier etwa runtergespült?

14.08.2019

Das große Gemälde im Roten Saal des Lübecker Rathauses hängt wieder an seinem gewohnten Platz. „Die Seeschlacht bei Gotland“ wurde aufwendig saniert. Das Kunstwerk zeigt die Seeschlacht bei Gotland.

13.08.2019