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Lübeck Experte rät vom Schwimmen mit Delfinen ab
Lokales Lübeck Experte rät vom Schwimmen mit Delfinen ab
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22:00 17.07.2018
Ein Screenshot aus dem Video von Lars Brackenwagen.
Ein Screenshot aus dem Video von Lars Brackenwagen. Quelle: Screenshot
Travemünde

Laut Dr. Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund handelt es sich bei dem Großen Tümmler um einen neugierigen Gast. „Die Tiere sind recht verspielt“, erklärt der Kurator für Meeressäugetiere. „Und vor allem, wenn sie alleine unterwegs sind, was bei Großen Tümmlern häufiger vorkommt, suchen sie auch schon mal Kontakt zu Menschen.“ Allerdings sollte man das nicht überinterpretieren, so Dähne.

"Ich würde nicht dazu raten, mit ihm zu schwimmen." Thosten Walter, Meeresbiologe

Laut dem Experten waren Große Tümmler in den vergangenen Jahren regelmäßig in der deutschen und dänischen Ostsee zu Besuch. „Seit 2013 haben wir jedes Jahr einige Tiere hier.“ Viel Aufregung gab es zum Beispiel vor zwei Jahren, als in der Kieler Bucht ein Delfin für Begeisterung sorgte. Zwei weitere Große Tümmler schwammen lange in der Ostsee umher. Die beiden tauchten zunächst vor Weissenhäuser Strand auf. Wenige Monate später schwammen sie wochenlang vor Neustadt und Grömitz. Sie begleiteten ein Boot der Bundespolizei See und sorgten mit ihren Sprüngen für Begeisterung. Von schwedischen Medien wurden sie damals liebevoll als „Selfie“ und „Delfie“ betitelt. 2001 hatten zwei weitere Delfine sogar den Weg in die Trave bis zum Lübecker Burgtorhafen zurückgelegt.

Das sind die Delfin-Sichtungen der vergangenen Jahre.

Die steigenden Sichtungen von Großwalen und Delfinen können auch mit einem verbesserten Meldesystemen zusammenhängen. Denn das Meeresmuseum hat unter anderem die App „Ostseetiere“ entwickelt, mit der noch vom Boot aus jedes Tier gemeldet werden kann. „Die App ist praktisch, weil uns direkt die GPS-Position der Tiere übermittelt werden kann“, so Dähne. Zudem finden Handyvideos im Internet schnell Verbreitung. Auch diese Aufnahmen können für die Meeresbiologen hilfreich sein. „Dank der Videos und Fotos können wir die Tiere identifizieren und feststellen, welche Routen sie nehmen.“ Man kann also gespannt sein, wo der Travemünder Delfin als nächstes auftaucht.

LN-Leser diskutieren darüber, wie das Tier genannt werden sollte (auf den Facebook-Post mit dem Video klicken und Kommentare anzeigen lassen):

Am Strand hat das Tier gestern noch nicht für Furore gesorgt. „Wir selber haben ihn nicht gesehen und Badegäste haben sich diesbezüglich auch nicht bei uns gemeldet“, sagt Maximilian Schmidt, Wachleiter bei der DLRG-Hauptwache in Travemünde.

 

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Auch Meeresbiologe Thorsten Walter von der Ostseestation Travemünde hat den Meeresäuger nicht entdeckt. „Aber ein Fährkapitän hat mir gestern schon ein Video geschickt.“ Falls Schwimmer in den kommenden Tagen Kontakt zu dem Meeressäuger bekommen, so rät Thorsten Walter zu Vorsicht. „Freuen und anschauen ja, anfassen nein“, sagt er. „Ich würde auch nicht dazu raten, mit ihm zu schwimmen. Es ist immerhin ein Wildtier.“ Dass Delfine so beliebt sind, liege sicher nicht nur an den Geschichten, die sich um sie ranken, meint Walter. „Aufgrund ihrer Gesichtsstruktur sieht es so aus, als ob sie immer lachen.“

Cosima Künzel

 

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