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Lübeck Erstes Treffen nach Horror-Unfall: Junge Frauen danken ihren Lebensrettern
Lokales Lübeck Erstes Treffen nach Horror-Unfall: Junge Frauen danken ihren Lebensrettern
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18:03 24.08.2019
Die Unfallopfer bedanken sich mit Schokolade und kleinen Schutzengeln bei ihren Rettern. Fahrerin Anni Ludwig (22), Beifahrerin Mandy Soer (21), Matthias Justin (54), Marie Kietz (19), Christoph Brinkmann (26) und Virginia Pilz (36, von links). Quelle: Cosima Künzel
Lübeck

Anni Ludwig (22) und Mandy Soer (21) hatten nicht einen Schutzengel. Sie hatten vier. Vor gut einer Woche geriet ihr Wagen auf nasser Straße ins Schleudern und überschlug sich mehrmals. Wie durch ein Wunder bleiben sie unverletzt und suchten später über die LN und soziale Netzwerke ihre Retter. Jetzt gab es ein Wiedersehen mit den Helfern.

„Hey, da seid Ihr ja“, sagt Matthias Justin herzlich, „wie geht es Euch?“ Das ist keine Floskel. Denn der 54-Jährige hat die jungen Frauen aus dem Auto gezogen, das an der B 104, Richtung Schlutup, in der Böschung lag. Aus einem Auto, das nur noch Schrottwert hat. Justin fuhr am Unfalltag, Donnerstag, 15. August, gegen 16.45 Uhr, hinter den jungen Frauen, dazwischen war nur noch der Wagen von Christoph Brinkmann (26) und Marie Kietz (19).

Der Wagen von Anni Ludwig (22) hat sich mehrfach überschlagen und landete an der B 104 in der Böschung. Fahrerin und Beifahrerin wurden nur leicht verletzt. Quelle: Privat

Ersthelfer erinnern sich an Unfall

Justin erinnert sich genau an den Moment, als er sah, wie sich der Wagen überschlug. Er fluchte laut, hielt an und kletterte die Böschung runter. „Herzklopfen oder so? Ne. Ich habe einfach funktioniert“, erzählt er. Sein einziger Gedanke war, die Menschen aus dem Auto zu holen. „Ich dachte nur: ,Hoffentlich geht der Wagen nicht in Flammen auf‘“, sagt er. Brinkmann und Kietz hielten ebenfalls an, sicherten den Unfallort und verständigten die Polizei.

Inzwischen kam auch Virgina Pilz (36) dazu. „Mir war sofort klar, dass ich helfe, selbstverständlich“, sagt die Lübeckerin, die selbst schon mal einen Unfall hatte. Ihre Sorge war groß. „Reanimation, Blutbad, das alles ging mir sofort durch den Kopf.“ Während sie versuchte, die Autotür des auf der Seite liegenden Pkw aufzuhalten, schaute Justin in den Wagen. Als ihn Fahrerin und Beifahrerin unverletzt anschauten, konnte er es kaum glauben.

Virginia Pilz (36, von links), Beifahrerin Mandy Soer (21), Matthias Justin (54), Fahrerin Anni Ludwig (22), Marie Kietz (19) und Christoph Brinkmann (26) gehen die Dr.-Julius-Leber-Straße hoch und unterhalten sich über den Abend des Unfalls. Quelle: Cosima Künzel

Die Fahrerin klammerte sich am Lenkrad fest

Anni Ludwig klammerte sich am Lenkrad fest, damit sie nicht auf ihre Freundin rutschte und ließ sich von Retter Justin aus dem Auto ziehen. Beide hielten sich nacheinander an dessen Hals fest, so funktionierte es. „Ich weiß noch, dass überall auf der Windschutzscheibe so weißes Zeug klebte“, erinnert er sich lachend. „Das war die schöne Marzipantorte von meiner Oma“, erklärt die 22-Jährige, „die hatte im Fußraum gestanden.“

Die jungen Frauen waren wackelig auf den Beinen, konnten aber die Böschung hochkrabbeln. Sie setzten sich erst in den Kofferraum von Christoph Brinkmann und Marie Kietz, die sich um sie kümmerten, später in den Polizeiwagen. „Ich habe die ganze Zeit gezittert und geweint“, erzählt Anni Ludwig. Ihre Freundin blieb ganz ruhig, bei ihr kamen Schock und Tränen am Abend. Und irgendwann bemerkten die Frauen auch, dass sie ihren Rettern in dem ganzen Chaos nicht gedankt hatten. Denn die waren schon gefahren.

„Wir konnten ja nichts mehr machen“, erklärt Justin, „ich habe aus der Ferne gewinkt und bin los.“ Virgina Pilz hat die beiden noch mal gedrückt. „Ich habe mir vor allem Sorgen um Mandy gemacht, sie war so gefasst. Ich wusste, da kommt noch was“, erinnert sie sich und ergänzt dann lachend: „Ich habe später zu Hause auch erst mal gesagt: Jetzt brauche ich ’nen Whisky.“

Herzliches Wiedersehen: Beifahrerin Mandy Soer (21), Matthias Justin (54), Fahrerin Anni Ludwig (22), Marie Kietz (19), Christoph Brinkmann (26) und Virginia Pilz (36, von links). Quelle: Cosima Künzel

Zerrungen, blaue Flecken, Hüfte und Knie geprellt

Inzwischen haben sich die Unfallopfer ganz gut erholt. „Der Arzt hat gesagt Halswirbel-Zerrung, blaue Flecken, Hüfte und Knie geprellt, aber sonst nichts“, zählt Anni Ludwig auf, die inzwischen schon wieder Auto gefahren ist. Natürlich nicht ihren Opel Corsa, ihren ersten eigenen Wagen, der kommt auf den Schrottplatz. „Trotzdem fühlt es sich noch seltsam bedrückend an, wenn ich die Fotos sehe“, räumt sie ein. Und auch ihre Freundin hat zu kämpfen. „Führerschein mache ich erst mal nicht. Und wohl fühle ich mich als Beifahrerin gerade auch nicht.“

Schokolade und eine kleine silberne Engelsfigur

Aber beide sind „unendlich dankbar“, dass nichts Schlimmeres passiert ist und sie „so tolle Helfer“ hatten. Zum Abschied überreichen sie jedem Retter eine Tafel Schokolade und eine kleine silberne Engelsfigur. „Dein persönlicher Schutzengel will Dir immer Glück bringen“, steht auf dem Geschenk.

Von Cosima Künzel

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