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Lübeck Nach der Menschenkette: Politiker wollen Hotel-Pläne platzen lassen
Lokales Lübeck Nach der Menschenkette: Politiker wollen Hotel-Pläne platzen lassen
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21:22 18.10.2019
Rund 1000 Demonstranten bildeten am vergangenen Sonnabend eine Menschenkette auf dem Priwall und protestierten gegen eine weitere Bebauung. Quelle: Vögele
Travemünde

Die eindrucksvolle Menschenkette gegen eine weitere Bebauung des Priwalls ruft die Politiker von GAL und Unabhängigen auf den Plan. Beide Fraktionen wollen jetzt ihre politischen Mitstreiter im Lübecker Rathaus für ein Nein zu den Bauplänen des Investors Sven Hollesen gewinnen. Hollesen, der bereits Feriendörfer und die Ferienanlage Waterfront errichtet hat, plant noch ein Hotel und weitere Häuser am Kohlenhof.

„Natur statt Beton“ forderten Teilnehmer der von der Bürgerinitiative für Nachhaltigkeit in Travemünde und Priwall (BIN) organisierten Menschenkette. Quelle: LN-Archiv/HFR

„Die GAL wird auf alle Fraktionen zugehen, um einen gemeinsamen Bürgerschaftsantrag einzubringen, der nicht nur die Flächen auf dem Priwall schützt, sondern auch die anliegenden, unbebauten Flächen am Kohlenhof zu einem Landschaftsschutzgebiet entwickelt“, erklärt GAL-Politiker Carl Howe. GAL, Unabhängige und Grüne hätten bereits erklärt, eine Bebauung am Kohlenhof abzulehnen.

Widersprüchliche Aussagen einzelner SPD-Mitglieder würden dazu führen, „dass zumindest Argwohn besteht, ob es tatsächlich bereits eine Mehrheit im Bauausschuss und in der Bürgerschaft für den Erhalt des Kohlenhofs gäbe“, sagt Howe. Der Küstenwald, der für Hollesens Pläne geopfert werden müsste, diene als Hochwasserschutz und filtere die Luft, die durch den Schiffsverkehr belastet sei. Howe: „Jeder Baum ist wichtig und muss erhalten werden.“

Politikerin forderte im August Klarheit über die Verträge

Antje Jansen, Bürgerschaftsmitglied der GAL, bedauert, dass ihre im August gestellte Anfrage zum Kaufvertrag mit Sven Hollesen immer noch nicht beantwortet sei. Diese würde Klarheit darüber bringen, ob der Ausstieg aus dem Vertrag für die Hansestadt finanzielle Konsequenzen hätte. Jansen: „Im Vertrag selbst ist davon nichts zu lesen.“

Die von derBürgerinitiative für Nachhaltigkeit in Travemünde und Priwall (BIN) organisierte Menschenkette zeige, „dass breite Teile der Bevölkerung bereit seien, sich entschlossen für eine Politik einzusetzen, die dem Motto ’Natur statt Beton’ folge“, sagt Detlev Stolzenberg, Fraktionschef der Unabhängigen. „Die Menschen haben es satt, tatenlos mitansehen zu müssen, wie Natur und Umwelt auf dem Priwall bedenkenlos zubetoniert werden“, so Stolzenberg.

Die Menschen bildeten eine Kette um die Kohlenhofspitze, die mit einem Hotel bebaut werden soll. Quelle: Helge Normann

Initiative sucht Mitstreiter und Spender

Die Bürgerinneninitiative für Nachhaltigkeit in Travemünde und Priwall (BIN) sucht Mitstreiter und Spender. Bürger können sich im E-Mail-Verteiler aufnehmen lassen, um aktuelle Informationen zu erhalten: bi-nachhaltigkeit@posteo.de. Auch Spenden seien willkommen, denn durch die Öffentlichkeitsarbeit würden den Ehrenamtlichen nicht unerhebliche Kosten entstehen, sagt der Vorstand. Das Spendenkonto läuft über Heinz Jürgen Riekhof, IBAN: DE09 5001 051 7 5431 6040 79. Das nächste Treffen der BIN findet am Mittwoch, 6. November, um 18:30 Uhr im Natur-Freunde-Haus auf dem Priwall, Mecklenburger Landstraße 128 statt.

Die Unabhängigen erwarten von den anderen Parteien und insbesondere von Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) eindeutige Erklärungen, wie es auf dem Priwall weitergehen soll. Windelweiche Erklärungen würden nicht ausreichen. „Die Unabhängigen werden in der Bürgerschaft dafür werben und streiten, dass die Investitionspläne von Sven Hollesen scheitern“, kündigt Bürgerschaftsmitglied Wolfgang Neskovic an.

Hollesen reagiert gelassen auf den Widerstand

Hollesen sei in dem von ihm abgeschlossenen Kaufvertrag ausdrücklich darüber belehrt worden, dass es der Hansestadt gesetzlich verboten sei, vertragliche Vereinbarungen über die Aufstellung eines Bebauungsplanes zu treffen. Neskovic: „Weiterhin ist in dem abgeschlossenen Kaufvertrag vereinbart worden, dass ihm auch keine Schadensersatz- oder Entschädigungsansprüche zustehen, wenn die von ihm erbetenen Bebauungspläne nicht beschlossen werden.“

Den Erfolg der Menschenkette mit über 1000 Teilnehmenden nimmt die Initiative als Rückenwind für die Planung weiterer Aktionen – so lange, bis eindeutig feststehe, dass es keinen Kahlschlag und keine Bebauung am Kohlenhof geben werde, teilt der Vorstand mit.

Der dänische Investor Sven Hollesen sieht die Proteste gegen seine Pläne für den Kohlenhof gelassen. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Investor Sven Hollesen nimmt den Gegenwind gelassen. „1000 von 220 000 Bürgern sind nicht viele“, erklärt der Däne auf LN-Anfrage. Bei Priwall-Waterfront habe es anfangs auch zwölf Protestler gegeben, „die laut geschrien haben.“ Das sei in Ordnung, sagt Hollesen: „Wir leben in einer Demokratie.“

Hotelneubau ist derzeit kein wichtiges Thema für den Investor

Mit dem Hotelbau beschäftige er sich derzeit nicht. „Wir haben aktuelle Themen, um die wir uns kümmern“, sagt der Investor, „wir suchen beispielsweise Wohnraum für die Mitarbeiter, die auf dem Priwall arbeiten.“ Durch Waterfront, das jetzt Beach Bay heißt, würden 300 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Zur vertraglichen Situation in Sachen Kohlenhof will Hollesen nichts sagen. Nur so viel: „Die Stadt hat mir das Grundstück vor vielen Jahren verkauft und mich gebeten, dort ein Hotel zu planen.“ Wann die Politiker sich entscheiden wollen, was nun mit dem Kohlenhof geschieht, weiß auch Hollesen nicht.

Von Kai Dordowsky

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