Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Nach erneuter Insolvenz: Erster Interessent für den Airport
Lokales Lübeck Nach erneuter Insolvenz: Erster Interessent für den Airport
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:59 01.12.2015
Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

Erstaunliche Entwicklung am Airport: Nur einen Tag nach der Insolvenz hat sich bereits ein erster Interessent für den Flughafen gemeldet. „Ein ausländischer Interessent aus Europa — nicht Russland“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Pannen. Er ist zuversichtlich. „Ich gehe von der reellen Chance aus, einen Investor zu finden“, so Pannen.

Allerdings ist sein Vorhaben sportlich. Er hat diesmal nur bis Ende November Zeit, denn die 85 Mitarbeiter haben im September kein Gehalt bekommen. Und Insolvenzgeld wird nur drei Monate lang gezahlt.

Mehr lesen

Schon wieder! Flughafen Lübeck meldet Insolvenz an

Trotz Flughafen-Insolvenz: Wizz Air fliegt weiter ab Lübeck

Immerhin: Die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air hält dem Flughafen die Treue — und fliegt weiter ab Blankensee. „Die Flüge von Lübeck nach Bukarest, Danzig, Kiew, Riga, Skopje und Sofia sind unberührt von den aktuellen Veränderungen im Management und der Restrukturierung des Lübecker Airports“, erklärt Sprecher Daniel de Carvalho. Die nächsten 14 Wochen — bis Mitte Januar — sind Wizz-Air- Tickets ab Blankensee zu haben; auch für die beiden neuen Flugziele in Bulgarien und Rumänien — die Linie nach Sofia soll Ende März starten , ab Mai soll es dann nach Bukarest gehen. De Carvalho ist optimistisch: „Wir freuen uns auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem neuen Flughafen-Management.“

Unterdessen geht das Rätselraten weiter, warum Investor Yongqiang Chen den Airport Lübeck fallen gelassen — und so die PuRen Germany GmbH in die Pleite geschickt hat. Immerhin neun Millionen Euro hat er in diese Gesellschaft investiert. Davon hat er 2,2 Millionen Euro für Ausgleichsflächen des Flughafens und 1,1 Millionen Euro für das Anwesen im lauenburgischen Schnakenbek gezahlt.

Monatlich hat er dem Airport 300000 Euro überwiesen — macht im Jahr 3,6 Millionen Euro. Der Rest des Geldes sei investiert worden. Eine Erklärung hat Chen für seinen Ausstieg nicht geliefert.

„Er hat gesagt, es kommt kein Geld mehr“, berichtet Flughafen-Chef Peter Steppe, der seit Mai Geschäftsführer ist. „Wir haben gemacht, was Chen wollte“, sagt Steppe.

Er hat vier neue Wizz-Air-Linien nach Lübeck geholt — mit der Hilfe von Siegmar Weegen, der früher Flughafen-Chef war. Eine weitere Verbindung nach München stand kurz vor dem Abschluss. Steppe hat zudem eine Gesellschaft für Flugzeug-Wartung und eine Flugschule gegründet. Beide sind nicht von der Insolvenz betroffen. Es sind bereits zwölf Flugschüler für November angemeldet. „Ich gehe davon aus, dass der Unterricht bei uns stattfindet“, sagt Steppe. Aus dem Verkauf des Anwesens in Schnakenbek wollte Steppe den Bau eines Containerdorfes für die Flugschüler finanzieren. „Aber die zwölf Flugschüler bekommen wir auch so unter“, sagt Steppe.

Jetzt wird das Geld aus dem Verkauf des Anwesens in die Insolvenzmasse fließen. Auch ein S-Klasse- Mercedes (Neupreis 160000 Euro) kann der Insolvenzverwalter versilbern. Der Flughafen schuldet der Stadt 125000 Euro — anteilige Pacht für fünf Monate. Zudem gibt es noch weitere Gläubiger des Airports. Derweil ist die erste Insolvenz des Flughafens so gut wie abgewickelt, erklärt Pannen.

Er hat bereits die Pleite der Yasmina Flughafengesellschaft betreut. Chen hatte den Airport damals aus der Insolvenzmasse gekauft. „Er hat den Kaufpreis überwiesen“, sagt Pannen. „Ich hatte bei Chen den Eindruck, dass er ernsthaft interessiert ist.“ Der chinesische Investor habe auch Geld gezahlt. Dennoch: Steppe ist sichtlich mitgenommen. „Ich bin schon enttäuscht“, sagt der Airport-Chef. „Es hat gut angefangen.“ Er geht davon aus, dass er den Chefsessel räumen muss, wenn ein neuer Investor kommt. „Da wird kein Platz für mich sein.“

Flüge ab Blankensee
Vier Mal pro Woche fliegt die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air von Lübeck nach Danzig (Polen) sowie jeweils an zwei Tagen nach Kiew (Ukraine), Riga (Lettland) und nach Skopje (Mazedonien). Ende März soll eine Fluglinie ab Blankensee nach Sofia in Bulgarien starten sowie im Mai nach Bukarest in Rumänien.

Josephine von Zastrow