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Lübeck Neu auf dem Lehrplan: „Let’s talk about Sex“
Lokales Lübeck Neu auf dem Lehrplan: „Let’s talk about Sex“
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23:11 11.09.2017
„Vielen Erwachsenen fällt es nicht leicht, über so ein heikles Thema zu reden.“Prof. Jan Rupp, Infektionsexperte
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St. Jürgen

Es geht darum, frühzeitig für den Themenkomplex zu sensibilisieren. „Denn eine US-Studie hat gezeigt, dass 30 Prozent der HIV- Kranken, bei denen schließlich die Autoimmunerkrankung aufgrund der schlimmer werdenden Symptomatik entdeckt wird, schon vorher Arztkontakt hatten, nur dieser nicht die richtigen Fragen gestellt hat“, erklärt Prof. Jan Rupp. Auch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper würden häufig zu spät diagnostiziert, weil man vorher im Arzt-Patienten-Gespräch den Bereich Sexualität aus falscher Scham auslasse.

Der Chef der Uniklinik für Infektiologie und Mikrobiologie hat deshalb ein neues Fortbildungsmodul an seine Hochschule geholt, damit angehende Ärzte bereits im Studium gezielt lernen, sich klare Gesprächsstrategien bezüglich Sexualität für ihren späteren beruflichen Alltag zu erarbeiten. Dieses Kommunikationstraining firmiert unter dem Namen „Let’s talk about Sex“ und wurde von der Deutschen Aids-Hilfe in Kooperation mit ärztlichen Fachgesellschaften und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entwickelt.

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„Es ist ein Angebot für höhere Semester und wird ab Oktober mit Beginn des Wintersemesters zum Bestandteil der Infektiologie-Vorlesung“, erläutert der Mediziner. Durch integrierte, praxisnahe Rollenspiele werde das Gesprächsverhalten geübt. Nach der Berliner Charité und der Goethe-Universität Frankfurt am Main ist die Universität zu Lübeck nun die dritte medizinische Fakultät beziehungsweise Sektion in Deutschland, die das Modul als Pflichtbestandteil in ihre Lehre integriert.

Bereits an diesem Freitag stellen der Diplom-Psychologe Steffen Taubert, Projektleiter bei der Deutschen Aids-Hilfe, und Hartmut Evermann, Diplom-Sozialpädagoge bei der Lübecker Aids-Hilfe, zunächst den Uni-Dozenten das neue Fortbildungsmodul in einem „Train-the-Trainer“-Seminar vor. „Sicher haben wir das Thema bisher nicht in der Lehre ausgespart, aber jetzt bekommen wir nochmal Tipps von ausgewiesenen Experten bei dieser Thematik, was natürlich wertvoll ist“, betont Jan Rupp.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sagt hinsichtlich des neuen Angebots: „Ärztinnen und Ärzte können als Vertrauenspersonen eine sehr wichtige Rolle bei der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen spielen. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass die Lübecker Universität die Kommunikation auch im Bereich der sexuellen Gesundheit in ihr Curriculum integriert.“

Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), ergänzt: „Wir freuen uns, dass durch die finanzielle Unterstützung dieses Lehrmoduls durch die PKV in den vergangenen sechs Jahren über 1700 Ärzte, Medizinstudierende und medizinische Fachkräfte in diesem wichtigen Bereich geschult werden konnten.“

 Von Michael Hollinde

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