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Lübeck Neue Chef-Prüferin bei der Stadt
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20:10 09.01.2017
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Lübeck

Es geht um 35 Millionen Euro. Haben oder nicht haben. Dieser Streit tobt seit gut sechs Jahren innerhalb der Stadtverwaltung – und den will Katja Schur jetzt schlichten. Die neue Chefin des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) hat sich damit gleich die ganz große Nummer vorgenommen. Nicht nur, dass sich in diesem Krach beide Seiten derart miteinander verhakt haben, dass nichts mehr vor oder zurück geht. Nein. Am Ende könnte die 37-Jährige ein Ergebnis präsentieren, das besagt: Die Hansestadt ist noch ein wenig mehr pleite , als sie es jetzt schon ist. „Wir sind nicht die, die sich Freunde machen“, das ist Schur klar.

Die 37-jährige Katja Schur ist die neue Leiterin des Rechnungsprügfungsamtes. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Denn es geht bei den 23 bis 35 Millionen Euro um marode Brücken und kaputte Gebäude der Hansestadt. So steht es im RPA-Bericht von 2013. Die Kurzform: Das Gebäudemanagement meint, die knapp 700 Bauwerke sind noch etwas wert. Unterm Strich 228 Millionen Euro. Das Rechnungsprüfungsamt ist anderer Ansicht und sagt: Die Bauwerke sind wesentlich weniger wertvoll, denn die vielen Bauschäden sind bei der Bewertung ausgeblendet worden. Ihrer Ansicht nach muss der Wert um zehn bis 15 Prozent nach unten korrigiert werden. Damit wären die Gebäude der Stadt dann nur noch gute 190 Millionen Euro wert. Die Folge: Das Anlagevermögen der Stadt ist wesentlich niedriger als gedacht. Klingt dröge, schlägt sich aber in der Eröffnungsbilanz der Stadt nieder. Die ist wiederum die Grundlage für alle Jahresabschlüsse ab 2010. Auch wenn es um rein rechnerische Zahlen geht, könnte dadurch deutlich werden: Das negative Eigenkapital der Stadt ist um 35 Millionen Euro größer.

Als oberste Kontrolleurin der Stadt will Schur diesen Streit jetzt klären. Externe Wirtschaftsprüfer kümmern sich nun um die Bewertung der Bauwerke. Zudem sollen alle an einen Tisch: die Finanzleute der Stadt, Vertreter des Gebäudemanagements und des RPA. Schur hatte gehofft, schon im Februar ein Ergebnis präsentieren zu können. Doch Verwaltung ist manchmal sehr zäh. Aber dieses Jahr soll das Thema durch sein.

„Das Rechnungsprüfungsamt lebt“, das ist die Kernbotschaft der neuen Chef-Prüferin der Stadtverwaltung. Denn das RPA mit seinen zwölf Mitarbeitern ist in den letzten Jahren eher in den Hintergrund geraten. Es gab kaum Sonderprüfungen, es wurde sich nur um die Jahresabschlüsse gekümmert. Denn die Verwaltung hat von der kameralen Buchführung auf die kaufmännische umgestellt. Die Prüfer mussten sich in eine neue Materie einarbeiten – und waren damit vollauf beschäftigt. Aktuell wird der Abschluss 2011 geprüft.

Doch Schur kündigt an: „2017 werden wir rund 15 Sonderprüfungen machen.“ Ihre Ansicht: „Es ist für Mitarbeiter demotivierend, wenn sie nur Jahresabschlüsse untersuchen.“ Welche Themen sie angehen will, sagt sie nicht. Denn: „Wir kündigen die Sonderprüfungen erst drei Tage vorher den betroffenen Bereichen an.“ Damit die RPA-Leute den Ist-Zustand vorfinden – und kein schöngerechnetes Projekt.

Zu tun gibt es genug: Die Dauerbaustelle Possehlbrücke oder die defizitären Altenheime.

„Ich will Dinge voranbringen“, sagt Schur. Sie will lieber Prozesse in der Verwaltung begleiten, statt später nur zu sagen: Das hätte besser laufen müssen. Schur: „Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, kann man sich den Dingen stellen, die nicht so gut laufen.“

Frau mit Traumjob

Sie hat genau den Job, den sie will. „Ich will hier bleiben – und langfristig etwas verändern“, sagt Katja Schur. Die 37-Jährige hat in ihrem Studium viel ausprobiert, um herauszufinden, was sie will. Nun hat sie es gefunden: Die Chefstelle im Rechnungsprüfungsamt (RPA). Die Behörde gehört zwar der Verwaltung an – kontrolliert sie aber.

Schur wurde in einem kleinen Ort 40 Kilometer entfernt von Rostock geboren. Studiert hat sie in Bremen von 2000 bis 2005 Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften. Sie hat währenddessen ein halbes Jahr in Sydney in Australien gearbeitet, anschließend noch in Oslo in Norwegen ein halbes Jahr studiert. Während der Semesterferien hat Schur immer gearbeitet – häufig bei den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Sie reiste später drei Monate durch Chile, um Spanisch zu lernen. Promoviert hat Schur in Oldenburg. Das Thema: Public Private Partnership in der Entsorgung der gemischten Siedlungsabfälle. Zu deutsch: Wie finanziert die Stadt die Entsorgung des Restmülls? Diese Doktorarbeit hat sie 2007 zu den Entsorgungsbetrieben Lübeck geführt. Damals wurde gerade die Stadtreinigungs GmbH gegründet. Eine Privatisierung, die gescheitert ist. Schur hat die Rekommunalisierung begleitet. Zudem war sie in der Innenrevision.

Dann wurde die Chefstelle im RPA frei. Genau das, was sie wollte. Seit 1. November hat sie den Job. Ihre Dozententätigkeit an einer privaten Hochschule in Hamburg gibt sie jetzt auf. Um sich auf ihre neue Arbeit zu konzentrieren – und auch Zeit für ihre sechs Jahre alte Tochter zu haben. Mit ihr lebt sie zusammen in Eichholz. jvz

Josephine von Zastrow

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