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Lübeck Neue Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs-Patienten in Lübeck
Lokales Lübeck Neue Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs-Patienten in Lübeck
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13:18 13.04.2019
Haben die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen: Geschäftsführerin Veronika Dörre (l.), die Leiterin des UKSH-Lungenkrebszentrums Sabine Bohnet und Frank Giesert, Vorsitzender der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein.
Haben die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen: Geschäftsführerin Veronika Dörre (l.), die Leiterin des UKSH-Lungenkrebszentrums Sabine Bohnet und Frank Giesert, Vorsitzender der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein. Quelle: Friederike Grabitz
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St. Jürgen

Ein weißer Schatten auf einem CT-Bild, klein wie eine Walnuss, zertrümmert an einem sonnigen Vormittag das Leben einer ganzen Familie. Eine Frau, Mitte 50, Mutter von zwei Teenagern, erfährt, dass sie Lungenkrebs hat.

Häufigste Krebsart

300 Menschen und ihre Angehörigen erleben dieses Trauma in Lübeck jedes Jahr. 80 Prozent der Lungen-Karzinome entstehen durch Rauchen. Sie sind die häufigste Krebsart und die mit den schlechtesten Heilungschancen: Noch vor Kurzem verstarben viele Patienten im ersten Halbjahr nach der Diagnose. Seit 2015 neue Medikamente und Bestrahlungstechniken eingeführt wurden, bleibt ihnen eine Lebenserwartung von durchschnittlich fünf Jahren, 20 Prozent werden dauerhaft geheilt – vorausgesetzt, der Krebs hat noch nicht gestreut.

Nach der Diagnose ändert sich das Leben schlagartig: Bestrahlungen, Behandlungen, Organisation bestimmen den Tagesablauf. „Die Betroffenen haben viel mit Ärzten zu tun und mit Angehörigen, die die Situation auch verarbeiten müssen“, sagt die Lungenspezialistin Sabine Bohnet. „Aber sie haben niemanden, der das Gleiche durchmacht wie sie. Das ist aber unglaublich wichtig“.

Bohnet ist Leiterin des Lungenkrebszentrums des UKSH Lübeck und möchte Lungenkrebs-Patienten in einer Selbsthilfegruppe zusammenbringen. Gerade sitzt sie genau dort, wo sich die Krebspatienten am Montag zum ersten Mal treffen werden: In einer Wohnung, die die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft für Angehörige angemietet hat, die nicht in Lübeck wohnen. Im Wohnzimmer stehen Sofa, Sessel, ein Korb mit Kinderspielzeug. Der Blick geht durch die Terrassentür hinaus auf den Hochschulstadtteil.

Kochrezepte, Therapien oder Gymnastik

An jedem dritten Montag werden die Patenten hier zusammenkommen, um über ihre Krankheit, ihren Alltag und auch ganz praktische Dinge zu sprechen. „Viele Patienten klagen über Geschmacksstörungen, sie mögen kein Kochsalz oder können keinen Zucker mehr schmecken“, sagt der Palliativmediziner Frank Gieseler, der Vorsitzender der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein ist. Deshalb sammelten Patienten in einer früheren Gruppe Rezepte, die Kochsalz durch andere Gewürze oder Zucker durch Stevia ersetzen.

Oft geht es also um ganz praktische Dinge: Wie erzähle ich Freunden von der Erkrankung? Wo bekomme ich eine Haushaltshilfe? Taugt der Gymnastik-Kurs etwas? „Ärzte sind damit überfordert, die Patienten über alle Angebote zu informieren, die es gibt“, sagt Bohnet. Doch „während es für Brustkrebs-Patientinnen selbstverständlich ist, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, wissen viele an Lungenkrebs Erkrankte nicht, dass ihnen das helfen könnte“. Die Krebsgesellschaft lädt auch Referenten ein, die über spezielle Therapien oder Themen wie Sport mit Krebs sprechen.

Die Krebsgesellschaft finanziert das Angebot, wie auch die Angehörigenwohnung, aus Spendengeldern. Nun hoffen die Organisatoren, dass es gut angenommen wird.

Friederike Grabitz

13.04.2019
13.04.2019