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Lübeck Neue Studie: Lübeck droht eine Wohnungsnot
Lokales Lübeck Neue Studie: Lübeck droht eine Wohnungsnot
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22:57 27.10.2015
„Es muss dringend neuer Wohnraum her.“ Matthias Günther, Leiter Pestel-Institut
Lübeck

In Lübeck fehlen Wohnungen. Das ist das Ergebnis der neuesten Studie des Pestel-Instituts aus Hannover im Auftrag der Baubranche. „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her“, fordert Institutsleiter Matthias Günther. Allein durch die Flüchtlinge würden in diesem Jahr 1030 Wohnungen benötigt. Damit steige der Gesamt-Wohnungsbedarf in Lübeck auf 2040 Wohnungen. Das hat die Wohnungsmarkt-Analyse der Wissenschaftler ergeben.

„Immerhin braucht Lübeck in diesem Jahr 6,2-mal so viele Wohnungen wie bisher überhaupt pro Jahr neu gebaut wurden“, sagt Günther. Denn im Durchschnitt wurden in den vergangenen Jahren lediglich 330 neue Wohnungen errichtet. Damit liegt Lübeck zwar noch besser im Rennen als Kiel (dort werden nach Berechnungen der Wissenschaftler 8,4-mal so viele Wohnungen gebraucht), aber auch deutlich schlechter als Rostock mit 2,8-mal so viel Wohnungsbedarf. „Es fehlen bezahlbare Wohnungen, vor allem aber Sozialwohnungen“, hat Günther analysiert.

Dafür gibt es mehrere Gründe: In Uni-Städten sucht die stetig steigende Zahl von Studenten günstige Wohnungen. Da es häufig nur befristete Arbeitsverträge gibt, bleiben die jungen Leute später in der Stadt und bauen sich kein Haus auf dem Land. „Das ist nicht möglich, wenn man nicht weiß, wie lange man noch Arbeit hat“, sagt Günther. Zudem ziehen Rentner wieder in Städte — und nun kommt die große Anzahl von Flüchtlingen hinzu. Die Wissenschaftler gehen bei ihrer Studie von 2570 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres nach Lübeck kommen werden. Grundlage ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen. Um die Zahl der Wohnungen für Asylbewerber zu ermitteln, gelte die Formel: „Hundert Flüchtlinge, die nach Lübeck kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Günther.

„Diese Entwicklungen führen alle dazu, dass Vermieter fast jeden Preis nehmen können.“ Meist ab zehn Euro pro Quadratmeter aufwärts.

Die Baubranche fordert daher eine Ankurbelung des Wohnungsneubaus, eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen und einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. „Das kann man durch Steuervorteile erreichen“, so Günther. Daher schlägt er vor, dass der Bund eine Mietobergrenze für Neubauten einführt — beispielsweise 7,50 Euro — und dafür dem privaten Investor einen Steuervorteil zusichert: statt derzeit zwei Prozent Abschreibung gibt es vier Prozent. Günther macht klar: „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren.“

Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) stimmt zu: „Bund und Land müssen ihre Anstrengungen in der Wohnungsbauförderung deutlich intensivieren.“ Welches Modell dabei angewandt werde, „ist deutlich weniger wichtig, als dass bald etwas passiert“, mahnt er. Saxe bestätigt die sich anbahnende Wohnungskrise in der Hansestadt. Er hat bereits mehrfach erklärt, dass Lübeck 4000 bis 5000 neue Wohnungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren brauche. Saxe: „In dieser Einschätzung sehe ich mich durch das Institut bestätigt.“ In der Verwaltung werden derzeit die Flächen identifiziert, auf denen schnell und ohne Bebauungsplan mit dem Bau von Wohnungen begonnen werden kann. Sie sollen demnächst vorliegen.

Baubranche wollte Studie
Hinter der neuesten Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover steht die Industriegewerkschaft Bauen- Agrar-Umwelt. Die IG Bau hat mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff- Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) die Wohnungsmarkt- Analyse in Auftrag gegeben.

Josephine von Zastrow