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Lübeck Neues Buch: Lübecks Schulen in der NS-Zeit
Lokales Lübeck Neues Buch: Lübecks Schulen in der NS-Zeit
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20:27 17.05.2014
Jörg Fligge hat acht Jahre an seinem neuen Buch gearbeitet. Jetzt hat er es bei Schmidt-Römhild vorgestellt. Quelle: Fotos: Cosima Künzel, Bildarchiv Lübeck
Lübeck

Kaum ist er im Ruhestand, beginnt Jörg Fligge (73) mit den Recherchen für sein neues Buch. Das war vor acht Jahren. Jetzt stellt der langjährige Direktor der Stadtbibliothek Lübeck das umfangreiche Werk „Lübecker Schulen im ,Dritten Reich‘“ vor. Erschienen ist es bei Schmidt-Römhild in Lübeck.

Zur Buchpräsentation im historischen Gewölbe des Verlagshauses betont der Autor vor rund 50 Gästen, dass das Werk keine abgeschlossene Arbeit sein soll, sondern vielmehr ein neuer Forschungsbeitrag.

„Es ist eine Basis für die weitere Beschäftigung vor Ort“, sagt der Autor und möchte damit auch einen Nutzen für die Schulen liefern. In diesem Sinne soll auch das umfangreiche Inhaltsverzeichnis plus Anhang und Register für die Recherche hilfreich sein.

Der Historiker untersucht und stellt in vielen Situationen dar, wie die Bereiche Schule, Bildungsorganisation und Kulturverwaltung ihren Beitrag „zur Umsetzung der menschenverachtenden und totalitären NS-Ideologien“ leisteten. „Die Jugend wurde von Anfang an auf einen Krieg vorbereitet und dafür systematisch erzogen.“ Über Lieder und Gedichte, Feiern und Rituale wurden sie früh mit dem Wertekanon vertraut gemacht. Ebenso wurden alle Unterrichtsfächer von der NS-Rassenlehre beeinflusst. „Übrig blieb eine ,gekennzeichnete‘ Generation, die Jahrzehnte unfähig war, sich existentiell-ernsthaft mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und die eigene, oft tragisch erzwungene Verstrickung in das NS-Regime anzuerkennen.“

Laut Fligge besteht der Wert einer solchen Lokalstudie darin, das Thema sehr konkret an den Lübecker Verhältnissen zu prüfen. „Aus dem Schulbereich wurden viele Einzelheiten angesprochen und untersucht, die bisher kaum oder selten auftauchen.“ Fligge begründet seine Idee, sich diesem „inhaltlich schwierigen Thema“ zu nähern, mit seinem historischen Interesse und bezeichnet die Kenntnis der Vorgeschichte als unerlässlich für das Verstehen dieser Zeit.

Nach Meinung von Senatorin Annette Borns ist so „ein Buch entstanden, das mehr ist als ein Buch“. Fligges Arbeit sei auch inhaltlich ein Schwergewicht und könne als Standardwerk bezeichnet werden, das eine Lücke in der Geschichtsschreibung schließe. „Es ist wahrlich kein Werk für den Nachttisch“, sagt Borns, „aber es hat mich in den Bann gezogen, und ich habe viele Dinge gelesen, die mich berührt haben.“ Für die Zukunft werde die Arbeit viele Fragen aufwerfen und zu Diskussionen anregen. Außerdem dankt Borns dem Verlagsleiter Hans-Jürgen Sperling für sein Engagement.

Gewidmet ist das Werk übrigens Fligges Ehefrau Gabriele. „Es hat acht Jahre meines Ruhestandes gekostet“, so der Autor lächelnd. „Sie hat es ertragen und getragen.“

Jörg Fligge, „Lübecker Schulen im ,Dritten Reich‘“, 1286 Seiten, 109 Tabellen, 149 Abbildungen, 49 Euro.

Der Autor
Jörg Fligge (73) studierte Geschichte, Philosophie und evangelische Theologie in Münster, Tübingen und Bonn. 1972 promovierte er im Fach Neuere Geschichte in Bonn. Von 1990 bis 2005 war er Leitender Bibliotheksdirektor in der Hansestadt Lübeck.

Cosima Künzel

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