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Lübeck Kehrtwende: Lübeck will keine weiteren neuen Hotels
Lokales Lübeck Kehrtwende: Lübeck will keine weiteren neuen Hotels
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11:01 13.07.2019
12400 Betten in Lübeck und Travemünde und 1,8 Millionen Übernachtungen: Die Stadt will den Tourismus künftig in eine andere Richtung steuern. Qualität statt Quantität sind angesagt. Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Genug ist genug: 9898 Betten in gewerblichen Herbergen zählte die amtliche Statistik der Hansestadt 2017. Bis 2020 soll die Zahl auf 12 400 wachsen. Und dann ist Schluss. „Wir werden keine neuen Hotels mehr aktiv anwerben“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Die geplanten Ansiedlungen wie am Güterbahnhof, auf der Nördlichen Wallhalbinsel oder das Sporthotel in Travemünde sind davon nicht berührt, die werden noch kommen.

Die Stadt will sich von einer touristischen Wachstumspolitik verabschieden, die im Tourismuskonzept (TEK) von 2010 ausgerufen wurde. Zwei Millionen Übernachtungen im Jahr 2020 – das wurde damals als Ziel ausgerufen. Mit 1,8 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr sind Lübeck und Travemünde nahe dran.

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„Den quantitativ ausgerichteten Wachstumspfad verlassen“

„Wir müssen den bisher vorwiegend quantitativ ausgerichteten Wachstumspfad verlassen und für die Zukunft eine Qualitätsstrategie entwickeln, die langfristig den Erfolg und die Wirtschaftskraft aus dem Tourismus für unsere Stadt sichern“, erklärt der Bürgermeister.

Lübeck ist nicht Barcelona oder Venedig und eine Debatte über „overtourism“ gibt es hier noch nicht. Aber nicht überall bewirken Touristen und Tagesgäste nur eitel Sonnenschein. Die Diskussionen um die Ferienwohnungen in der Altstadt sind ein beredtes Beispiel, aber auch die Kritik von Travemündern an den Grill-Orgien auf dem Grünstrand oder die zugeparkten Straßen im Ostseebad, wenn die Tagesgäste kommen.

Genereller Trend zu mehr Qualität erkennbar

Es ist ein genereller Trend, dass Städte im Tourismus mehr auf Qualität setzen wollen. Das beobachten zumindest das Wirtschaftsministerium und die Tourismusagentur Schleswig-Holsteins (Tash). „Städte wie Dubrovnik, Venedig oder Amsterdam entwickeln diese Strategie allerdings aufgrund von Negativerfahrungen“, meint Bettina Bunge, Tash-Geschäftsführerin. Lübeck hingegen habe sich schon immer um qualitative Angebote für seine Gäste bemüht.

„Investitionen in Qualität zahlen sich langfristig aus“, sagt Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Schleswig-Holsteins. Aber auch Zuwachs könnte Qualität bringen. Kiel setze daher weiter auf den Bau von Hotels: „Es ist eine Abwägung der einzelnen Städte, wie viel quantitativen Zuwachs sie vertragen.“ Für Lübeck funktioniert der qualitative Ansatz, findet Homp: „Lübeck macht das ganz hervorragend.“ Die Hansestadt arbeite bereits länger daran, Stadtteile jenseits des Holstentors zu erschließen und somit interessante Alternativen zu den Besucherhotspots zu bieten. Bei der Entwicklung einer Tourismusstrategie dürfe man den Bürger aber nicht aus den Augen verlieren, sagt Bunge: „Wir können Tourismus nicht am Bürger vorbeientwickeln.“

Online-Umfrage zum Tourismus läuft bis Ende August

Wo die Bürger der Schuh drückt, was sie sich von einer neuen Tourismusstrategie erwarten – das versucht die Stadt gerade in einer breit angelegten Online-Umfrage herauszufinden, die noch bis Ende August auf der Plattform luebeck.uebermorgen läuft.

Für Lindenau geht es bei der Qualitätssteigerung um die Infrastruktur, um Aufenthaltsqualität und um Besucherlenkung. Als Beispiele nennt der Verwaltungschef die verschiedenen Systeme von Hinweisschildern für Radfahrer und Hotelbesucher oder die Fahrzeiten der Personenfähre, die in der Vorsaison nur bis in den frühen Abend hinein pendelt. Plätze wie der Marienkirchhof und der Rathaushof müssten dringend aufgemöbelt werden, weil hier tausende Touristen jeden Tag unterwegs seien.

„Es geht jetzt um Infrastruktur, Entertainment, Gastronomie und Mobilität“, bestätigt der Travemünder Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Als das erste Tourismuskonzept vor neun Jahren gestartet wurde, „war Travemünde mit 3500 gewerblichen Betten ein Kleinstanbieter an der Ostseeküste“, sagt Kirchhoff. Die deutliche Ausweitung des Übernachtungsangebotes sei in Travemünde und Lübeck geglückt.

Keine neuen Hotels mehr

Jetzt geht es um Fragen, ob weiterhin 70 Prozent der Gäste mit dem Auto anreisen müssen und wie man die „letzte Meile“ vom Bahnhof zum Hotel organisiert. Travemünde habe drei Bahnhaltepunkte. Trotzdem würden viele Hamburger Tagesgäste nicht mit dem Zug anreisen. Wie kann man Touristen, die per Pkw anreisen, davon überzeugen, ihr Auto während des Urlaubs in der Tiefgarage stehen zu lassen und stattdessen das Rad oder den E-Scooter zu benutzen? Kirchhoff: „Wir haben viele Voraussetzungen dafür – ein Radwegenetz und einen Ostseeküsten-Radwanderweg.“ Vorbild für ein touristisches Mobilitätskonzept sei die Konus-Karte aus dem Schwarzwald.

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs glaubt, dass eine hochwertige Infrastruktur weitere Gäste anziehen wird: „Und da die Gäste zunehmend bereit sind, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen, kann die Wertschöpfung aus dem Tourismus weiter steigen – ohne eine signifikante Steigerung der Zahl der Hotels.“

Frank Denker, Kreisvorsitzender Dehoga: „Ich teile die Ansicht, dass Lübeck sich primär um die Tourismusqualität kümmern muss.“ Quelle: Lutz Roeßler

Frank Denker, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, begrüßt die geplante Hinwendung zu Qualität und Nachhaltigkeit. „Gerade für den skandinavischen Gast müssen wir uns zukünftig besser aufstellen“, sagt der Dehoga-Vorsitzende. Leer stehende Geschäfte in der Altstadt sowie Busverbindungen in Travemünde und abends in der Innenstadt seien Defizite, die sich auf den Tourismus auswirken würden. „Mit der Qualitätssteigerung schaffen wir nicht nur für den Touristen einen angenehmen Aufenthalt, sondern erhöhen die Attraktivität als Mitarbeiterstandort“, sagt Denker, „hier ist noch viel Luft nach oben.“

Die Hotels würden im Dezember und in den Sommermonaten hohe Auslastungszahlen vorweisen, sagt Denker: „Aber was ist in der Zeit dazwischen?“ Mehr Kongresse und Kulturveranstaltungen könnten die Zwischensaison beleben. Beim Thema Nachhaltigkeit weise Lübeck bereits wichtige Initiativen vor – wie die Kampagne gegen Pappbecher für Coffee-to-go oder das von der LTM ausgearbeitete „Logbuch international“.

Lindenau glaubt nicht an Hotel auf der Kohlenhofspitze

Tourismus als „lebendiges, freudiges und gelassenes Miteinander“ ist das Ziel der Tourismusgesellschaft LTM. Kein Wachsen der Übernachtungszahlen auf Teufel-komm-raus, sondern ein „wohldosierter Qualitätstourismus“ – das strebt LTM-Chef Christian Martin Lukas mit seinem Team an. Unter Qualität versteht Lukas beispielsweise ein „faszinierendes Restaurant oder eine inspirierende Ausstellung oder ein kleines Konzert vor dem Holstentor“.

Voraussichtlich im Frühjahr 2020 soll das neue Tourismuskonzept vorliegen. Dann geht die Vorlage in die politischen Gremien. „Das Konzept soll nicht als Papiertiger enden“, verspricht die Verwaltung, „es bildet die Basis, um künftig Fördermittel des Landes im Tourismus zu beantragen.“

Für ein umstrittenes Hotelprojekt sieht Bürgermeister Lindenau schwarz. „Ich persönlich glaube nicht, dass das Hotel an der Kohlenhofspitze kommt.“ Waterfront-Investor Sven Hollesen will das Hotel bauen. Ein Gutachten sieht dort ein Landschaftsschutzgebiet. Eine politische Entscheidung, ob das Projekt damit gestorben ist, soll in diesem Jahr fallen.

Kai Dordowsky und Annabell Brockhues

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