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Lübeck Noch 50 000 Tonnen Kriegs-Munition in der Lübecker Bucht
Lokales Lübeck Noch 50 000 Tonnen Kriegs-Munition in der Lübecker Bucht
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16:10 09.05.2019
Trügerische Idylle: In der Lübecker Bucht liegen nach Schätzung des Umweltministeriums noch 50 000 Tonnen Munitionsreste. Quelle: Thomas Krohn
Lübeck/Travemünde

15 000 Tonnen wurden bereits geborgen, aber noch immer liegen etwa 50 000 Tonnen Munition und andere Kampfmittelreste aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Meeresgrund der Lübecker Bucht. Eine erste Studie gab es 1993, und Wissenschaftler haben das Problem seit 2006 im Fokus. Im Kieler Umweltministerium wurde die Sonderstelle „Munition im Meer“ eingerichtet. Leiter Jens Sternheim war jetzt zu Gast bei der jüngsten Sitzung des Travemünder Ortsrats. „Es besteht zwar eine latente Gefahr, es gibt aber aktuell keinen Grund zur Panik“, sagte er vor etwa 60 Besuchern im Gesellschaftshaus.

Genaue Munitionsfundorte werden geheim gehalten

In jahrelanger Arbeit haben die Experten gemeinsam mit Wissenschaftlern und anderen Institutionen in nationalen und internationalen Archiven gesucht, alte Karten studiert, sind Nord- und Ostsee mit dem Forschungsschiff „Poseidon“ abgefahren, haben eine Datenbank erstellt und 2011 ihren ersten, 1100 Seiten langen Bericht vorgelegt. In der Lübecker Bucht seien besonders die Flächen vor Pelzerhaken und Sierksdorf mit Munitionsresten belastet, erläuterte Sternheim. Dies habe seinen Grund darin, dass vor diesen Orten nach dem Krieg große Mengen von Kampfstoffen und Munition versenkt worden seien. An einigen Stellen lägen auf dem Meeresgrund zudem „dicht an dicht“ Transportkisten, deren Inhalt noch nicht identifiziert werden konnte. Belastete Flächen fänden sich auch etwas weiter nördlich sowie fast direkt vor Travemünde. Unter Munitionsverdacht stünden große Gebiete vom Brodtener Ufer aus Richtung Nordost sowie kleinere Flächen hinter der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern sowie der Dassower See.

Genaue Standorte der vermuteten Munitionsreste veröffentlicht die Behörde nicht. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass potenzielle Terroristen die Orte aufsuchen und versuchen, sich daraus eine Bombe zu basteln“, sagte Sternheim. In Kooperation mit einem niederländischen Bergungsunternehmen und anderen Experten-Teams werde jetzt ein Roboter entwickelt, der unter Wasser die Munition orten und vernichten könne. „Es gibt Kampfmittelreste, die, wenn man sie aus dem Wasser holt, sofort explodieren“, erläuterte Sternheim.

Merkwürdige Funde nicht anfassen

Problematisch sei, dass Munitionsreste an die Strände gespült werden könnten. Es habe Fälle gegeben, in denen Steinsammler Bernstein mit Phosphor verwechselt und sich beim Anfassen schwere Verbrennungen zugezogen hätten. Auch andere Munition könne nicht immer sofort erkannt werden, weil sie häufig mit Seetang und Algen bewachsen sei. Der Behördenleiter rät: „Nicht identifizierbare Steine oder andere Funde nicht anfassen, sondern sofort die Polizei informieren. Diese alarmiert den Kampfmittelräumdienst, der sich umgehend darum kümmert.“

Innen- und Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) lobte die Arbeit der Sonderstelle und plädierte dafür, diese auch seitens der Hansestadt zu unterstützen. „Wir sollten eine Informations- und Aufklärungskampagne für Bewohner und Touristen entwickeln, damit diese nichts falsch machen und auch nicht in Panik verfallen“, sagte er.

Thomas Krohn

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