Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Notizen aus dem Sperrgebiet: LN-Reporter Hanno Hannes berichtet vom G7-Treffen
Lokales Lübeck Notizen aus dem Sperrgebiet: LN-Reporter Hanno Hannes berichtet vom G7-Treffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:54 15.04.2015
LN-Redakteur Hanno Hannes blickt aus dem Fenster seines Hauses in der Straße Burgtreppe. Quelle: Peer Hellerling

Montag, 13. April:

Draußen klacken die Absperrgitter. Klack und peng, wieder ist ein Element mit dem anderen verbunden. Ohne Hast und mit geübten Griffen verbinden die Bundespolizisten die Demonstrantensperren, bauen rund um die Straßen "Hinter der Burg", "Kleine Burgstraße", "Große- und Kleine Altefähre" ihre eigene Festung im Nordzipfel der Altstadt.

Das Sperrgebiet schließt sich, mit Verspätung, aber ohne Lücke. Heute Mittag herrschte auf dem Gelände des Burgklosters noch hektische Betriebsamkeit. Ein Lastwagen mit Hamburger Kennzeichen parkt "Hinter der Burg". Mietmöbel und Eventausstattung steht drauf.

Männer mit kräftigen Oberarmen schleppen um 11.18 Uhr stapelweise Stühle ins ehemalige Beichthaus des Burgklosters. Kübel mit rundgeschorenen Buchsbäumen säumen den Weg. Vor zwei Tagen standen hier noch drei Dixi-Toiletten und ein Container für Bauschutt.

11.30 Uhr: Kein Ticket. Eigentlich hätte ich für den Parkplatz an der "Großen Burgstraße" zahlen müssen. Hinter meinem alten Kangoo lauter Mannschaftswagen der Bundespolizei. Die haben auch keinen Parkschein. Da haben die lübschen Aufschreiber wohl mal ein Auge zugedrückt...

11.35 Uhr: Noch mal schnell raus aus der Stadt. Auf der Einsiedelstraße kommt mir eine Kolonne Mannschaftstransporter mit Hamburger Polizisten entgegen. "Bearbeitungstrupp" steht auf einem. Was die wohl so bearbeiten?

11.45 Uhr: Auch im "Soundhaus" an der Schwertfegerstraße gibt es nur ein Thema: den Gipfel. Einer der Musikalienhändler dort hat Angst "auf die Mütze" zu bekommen. Er wohnt in der Innenstadt. "Sollen die doch auf dem Acker tagen oder im Auswärtigen Amt in Berlin", sagt er. Viele Lübecker denken wie er. Und: "Egal ob Kopenhagen, Heiligendamm oder Frankfurt: Es gab bisher jedesmal auf die Mütze." Und damit meint er sowohl Gewalt, die von Demonstranten ausgeht, wie auch Polizisten, die unverhältnismäßig um sich prügeln.

14.45 Uhr: Vor dem Burgtor stehen die ersten Absperrgitter. Noch rollt der Verkehr. An der Abzweigung "Hinter der Burg" laden Polizisten noch mehr Gitter von einem Tieflader. Klack und peng: Wieder sind zwei miteinander verbunden.

15.45 Uhr: Während diese Zeilen entstehen, ist Getrappel auf der Burgtreppe zu hören. Rauf und runter. Immer wieder. Lauter junge Menschen in polizeiblauen Overalls mit dem Aufdruck BP. Sie scherzen, begrüßen alte Bekannte. Fast wie bei einem Klassentreffen. Hoffentlich bleibt die Stimmung so entspannt. Mal sehen, wie die Verriegelung jetzt aussieht . . .

16.15 Uhr: Quer über die Kleine Altefähre stehen die Absperrgitter. Dahinter, oder besser: innen, etwa zehn Polizisten und Polizistinnen. Außen: Niemand. Auch die Große Altefähre und die Kleine  Burgstraße sind leer. Keine Autos, keine Menschen, Geisterstadt.

16.30 Uhr: Auf dem Koberg ändert sich das Bild. Mitten auf dem Platz stehen drei vier Mannschaftswagen der Polizei aus NRW. Die Besatzung ist ausgestiegen, blinzelt in die Sonne. Auf der Schattenseite des Platzes sitzen die, die immer da sitzen, die, die auch im Leben auf der Schattenseite sind. Auf dem Koberg hängt das allerdings damit zusammen, dass dort die Bänke stehen. Das mit dem Schatten ist Zufall und dem Sonnenstand geschuldet. Die Männer und Frauen mit den Flaschen in der Hand blicken etwas ungläubig in Richtung Polizei. Nichts passiert.

16.40 Uhr: In der Großen Burgstraße herrscht ganz normales Treiben. Vor Penny bellen die angebundenen Hunde, die Busse fahren wie immer. Vor dem Backshop ist Büchsenmacher Franz Koops mit einem der Bäcker ins Gespräch vertieft. Thema: Der G7-Gipfel der Außenminister. Koops hat sein Geschäft an der Straße "Hinter der Burg". Auf der nördlichen Seite ist Sperrgebiet, auf der südlichen hat er auch heute noch alles verkauft, was Jäger so brauchen. "Ich hatte Kunden", sagt Koops. "Die kamen allerdings von außerhalb und wussten nichts vom Sperrgebiet."

16.50 Uhr: Auch die Eisdiele in der Großen Burgstraße hat Kunden. Die tragen olivfarbene Polizei-Overalls und kommen aus Nordrhein-Westfalen. Sie ordern Eis für sich und ihre Kameraden.

17 Uhr: Auch vor dem Burgtor ist alles ruhig. Noch fließt der Verkehr über die Brücke. Im Gegensatz dazu ist die Hubbrücke unten gesperrt. So wie die ganze Untertrave vor dem Hansemuseum bis fast bis zur Großen Altefähre.

17.15 Uhr: Links vor dem Burgtor sprießt das erste Pflänzchen des Protestes. Zwischen den blauen Krokussen stecken kleine gelbe Fähnchen. "G7 nein danke. Die Linke", steht drauf. Auch auf einer Verkehrsinsel direkt vor der Tordurchfahrt sind einige dieser Protestfähnchen mit ihren Holzstäbchen in die Zwischenräume des Pflasters gebohrt worden. Es sind die ersten Vorboten dessen, was die Lübecker morgen erwartet.

17.30 Uhr: Zurück geht es wieder durchs Gitter. Passkontrolle in der Kleinen Altefähre. Auch eine Nachbarin, die ihren Hund gassi geführt hat, muss den Personalausweis zeigen. Alles ist entspannt, aber doch irgendwie surreal.

20.30 Uhr: Rauskommen ist kein Problem. Zumindest am Montagabend nicht. Die Polizei hat die Grenzen des Sperrgebietes so klein gezogen, dass nur wenige Lübecker darin wohnen. Kein Stau also, einfach nur "hallo" sagen und schon wird die Absperrung zur Seite geschoben.

20.35 Uhr: In der Beckergrube tanzt die "Nachttanzdemo". Der Zug biegt Richtung Marienkirche und Markt ab. Noch mal kurz bei den Kollegen in der Lokalredaktion vorbeischauen. Heute war ein wirklich turbulenter Tag für Journalisten. Nicht nur wegen G7. Günter Grass gestorben, Kiel bekommt den Zuschlag für die Segelwettbewerbe - wenn Hamburg die Olympiade bekommt. Drei Riesenthemen - und alle gleichzeitig.

21.45 Uhr: Mit einem Freund schlendere ich am Rathaus vorbei auf der Suche nach einem Restaurant. In dieser sternenklaren, kalten Aprilnacht haben offenbar die Bayern übernommen. Die halten jetzt unter den Arkaden Wache. Die Polizisten aus dem Freistaat tragen noch grün und sind daher leicht zu erkennen. "Aber auch wir stellen demnächst auf blau um", sagt einer. Ab zum Griechen. Auch dort ist  G 7 Thema. Nicht nur, weil sich hier eine Gruppe extrem durchtrainiert wirkender Männer mit Jackets und kurzen Haaren stärkt. Sondern auch, weil der Wirt es beim Bezahlen sehr schön auf den Punkt bringt, was er heute gesehen hat: "100 Leute demonstrieren, 200 schauen zu und 500 Polizisten passen auf".

23.15 Uhr: Einmal zurück quer durch die Altstadt. Wenige Meter vor der eigenen Haustüre ist jedoch Schluss. Passkontrolle. Diesmal geht es nicht so schnell. Zwar steht meine Adresse im Ausweis, aber das reicht nicht. "Da müssen wir erst die Lena fragen, die hat die Liste", sagt der junge Bereitschaftspolizist und geht zum Mannschaftswagen. Er stammt aus Franken. Niemand in Deutschland spricht die harten Konsonanten so weich wie die Franken.

23.25 Uhr: Mein Name steht offenbar auf Lenas Liste. Ich darf nach Hause. Aber nur in Begleitung. Und wenn es für 20 Meter ist. "Warum?", will ich wissen. "Das ist so angeordnet", sagt der junge Mann. Ach so. Eine sehr deutsche Erklärung. Er bringt mich die paar Schritte zur Tür. Einer jungen Frau, die mit Instrumentenkoffer auf dem Rücken und einem Strauß Blumen in der Hand in die Kleine Altefähre will, geht es ebenso. Sie wird von einer Polizistin begleitet.

Der geheimnisvolle Container, der seit wenigen Tagen in etwa dort steht, wo früher der Eingang zum Kulturforum Burgkloster war, gehört übrigens gar nicht der Polizei. Sagen die jungen Beamten zumindest. Und die vermeintliche Antenne auf dem Dach ist eine Lampe, eine Art 360 Grad-Flutlicht, das den kleinen Platz auch nachts sehr hell macht. In dieser Nacht wirken die jungen Polizisten zurückhaltend, höflich, entspannt. Hoffentlich bleibt das auch Morgen so und hoffentlich bieten die Demonstranten keinen Anlass dazu, dass die Stimmung kippt.

Dienstag, 14. April:

8.15 Uhr: Der Tag fängt gut an - meine LN ist im Briefkasten. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Hat ein Bereitschaftspolizist den Austräger zum Briefkasten begleitet? Oder hat er die Zeitung gleich selber reingesteckt? Am gesperrten Teil der Untertrave war später jedenfalls zu beobachten, wie die Polizei einen Paketboten bis zum Kunden begleitet hat.
11.15 Uhr: Ich will zu meiner Autowerkstatt an der Travemünder Allee. Kurz hinter der Haustür die Absperrung. Ich habe es nicht eilig, drehe mir eine Zigarette und höre zu, wie die Bereitschaftspolizisten ein Team des Rettungsdienstes einweisen. "Wenn etwas passiert, dann da unten", sagt einer der Polizisten und zeigt in Richtung Untertrave. Jetzt gehe ich auf einen der Beamten zu, damit er mich durchlässt. Er ist in etwa 1,90 Meter groß, so wie ich, aber mindestens ein Drittel breiter. Ich frage, ob er Angst hat, dass die Situation heute noch eskaliert. "Angst ist bei mir genetisch gar nicht vorgesehen", antwortet er. Na dann...

11.30 Uhr: An der Travemünder Allee haben einige ihr Auto im verbotenen Bereich stehen lassen. Prompt sind die städtischen Aufschreiber da und klemmen Knöllchen hinter den Scheibenwischer.

11.50 Uhr: Ein "Kommunikationsteam" der Polizei marschiert über die Burgtorbrücke in Richtung Innenstadt. Jetzt scheint es lozugehen.

12.10 Uhr: Rund ums Sperrgebiet, auch an der Untertrave, ist es immer noch gespenstisch ruhig. Die Große Altefähre ist ohne geparkte Autos riesig breit. Windhund "Don" jagt hin und her. Von Herrchen zu Frauchen und zurück. Immer wieder. "Das war hier noch nie möglich", sagt der Windhundhalter. Wahrscheinlich wird es auch nie wieder möglich sein.

13.40 Uhr: Polizisten laufen die Burgtreppe rauf und runter. Mehr passiert zur Zeit nicht. Auf der Straße "Hinter der Burg" ist nichts los und auf der "Kleinen Altefähre" auch nicht. Größer ist der Teil des Sperrgebietes nicht, in dem Menschen wohnen. Und was hinter den Mauern der Gebäude des Burgklosters und des Hansemuseums geschieht, ist von außen nicht zu sehen.

13.45 Uhr: An der Absperrung in der "Kleinen Altefähre" eine kurze Diskussion mit den Polizisten. "Machen wir zu wenig, und es passiert etwas, bekommt die Polizei die Schuld. Und machen wir zu viel, und es passiert nichts, heißt es schnell: völlig überdimensioniert der Einsatz. Also: wir können nur verlieren", sagt einer. Aber er sagt es entspannt. Die Lage in Lübeck ist zu diesem Zeitpunkt ruhig, die Beamten lassen mich durch.

14 Uhr: Auch an der Untertrave ist alles friedlich. Einige Angler stehen am Hafenbecken, halten ihre Ruten ins Wasser und hoffen auf Hering. Hier, direkt neben dem Sperrgebiet, und noch in Sichtweite des Hansemuseums könnten die Demonstrationen heftig werden. Die Fenster der Gaststätte "Drehbrücke 2" sind mit Spanplatten vernagelt, die des "Antiquariat Art" auch. An der Drehbrücke hat alles dicht. Bis auf die "Fischhütte". "Schreiben Sie das ruhig", sagt der Sohn des Besitzers und spendiert ein Fischbrötchen.

14.15 Uhr: Auch der in ganz Lübeck bekannte freie Polizeireporter Holger Kröger sitzt hier auf der Lauer. Windgeschützt und mit gutem Blick auf den ganzen Bereich. Doch es ist nichts los. Aus Richtung Media-Docks wehen Fetzen von Musik herüber. Hier hat sich ein Grüppchen versammelt und feiert gegen den G7-Gipfel. Ein Mann mit wehendem grauen Bart trägt ein Schild an der Fischhütte vorbei. Irgendetwas von "Gegen G8" steht drauf. Schild und Mann sind offenbar demonstrationserprobt und waren schon unterwegs, als Russland noch dazugehörte. Er will rüber. Doch es geht nicht. Die Drehbrücke ist weg. Polizisten erklären ihm, wie er auf die nördliche Wallhalbinsel kommt. Er kehrt um. Auf dem Rückweg ist das Schild noch einmal zu sehen. Auf der anderen Seite steht eine aktuelle Version mit G 7.

14.30 Uhr: Noch ein Schwenk durch die Innenstadt. Vor Rewe stehen private Sicherheitsleute, vor der Commerzbank auch.  

14.45 Uhr: Die Polizei hat Glockengießerstraße und Teile der Königstraße gesperrt, auch an der Jacobikirche stehen Polizisten: Anspannung liegt in der Luft.

15 Uhr: Zurück am Sperrgebiet: Wieder den Personalausweis zeigen, wieder der Abgleich mit der Liste und diesmal auch Taschenkontrolle und Abtasten. Wie gesagt: Anspannung liegt in der Luft.

Mittwoch, 15. April

 1.30 Uhr: Zurück von der Bandprobe. Noch kurz an einer Tanke an der Lohmühle gehalten, ein Stück Pizza gegessen und auf LN-Online gecheckt, ob die Lage in der Innenstadt ruhig ist. Sie ist es. Die letzte Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten war vor Stunden. Jetzt kommt der Mikrofonkoffer-Test. Mann mit silbrigem Alukoffer geht auf Polizeiabsperrung zu, will ins Sperrgebiet. Wieder haben die Bayern Nachtschicht. Der Test fällt enttäuschend aus. Die beiden Polizisten interessieren sich nicht für den Koffer. Auch den Ausweis wollen sie nicht sehen. "Den kenne ich von gestern Nacht, der wohnt doch gleich links da", sagt der eine. Gutes Gedächtnis, der Mann. Sie lassen mich einfach durch. Und zur Haustüre werde ich auch nicht mehr begleitet. Irgendwie hatte ich mehr erwartet.

9.15 Uhr: Kaum habe ich einen Schritt vor die Haustür gesetzt, kommt eine Polizistin auf mich zu. "Können Sie bitte im Haus bleiben. Wir haben da ein Problem", sagt sie. "Welches denn?" Auf diese Frage gibt es keine Antwort. "Na gut, kommen Sie, schnell." Sie bringt mich zur Absperrung, ihre Kollegen lassen mich raus aus dem Sperrgebiet.

9.30 Uhr: Zur Burgtorbrücke sind es nur wenige Meter. Auf der Hafenseite der Brücke ist das Geländer gesäumt von Fotografen. Und jetzt ist auch das "Problem" zu sehen. Es sind die Außenminister. Sie sind gerade vor dem Hansemuseum angekommen. Die Untertrave ist voller dunkler Karossen und Polizeiwagen mit eingeschaltetem Blinklicht. Die Minister überqueren die Untertrave und verschwinden im Hansemuseum. Die Fotografen mit den langen Teleobjektiven verschwinden auch - von der Burgtorbrücke.

11.30 Uhr: Der Blick aus dem Wohnzimmerfenster geht rüber zum Spielplatz hinter dem Beichthaus des ehemaligen Burgklosters. Seit vier Tagen ist er fertig. Ein Kind hat hier noch nicht gespielt, aber als Pausenhof für die Sicherheitsleute scheint er sich zunehmender Beliebtheit zu erfreuen. Uniformierte und Jacketträger vertreten sich hier die Beine, blinzeln in die Sonne, unterhalten sich. Einige rauchen, andere sprechen in ihre Mobiltelefone. Die Stimmung wirkt gelöst.

11.40 Uhr: Auf der Burgtreppe liegen noch zerbrochene Dachpfannen, die Orkan "Niklas" vor zwei Wochen von der Klostermauer geweht hat, und jede Menge anderer Dreck. Ich dachte, die Stadt macht sauber, bevor die Gäste kommen. Ein Irrtum. Weil hier sonst nichts los ist, schnappe ich mir den Besen und  beginne zu fegen. Jeder vor seiner eigenen Haustüre . . . Die Bereitschaftspolizisten sehen nur kurz her und vertiefen sich gleich wieder in ihr Gespräch. Einige kommen die Treppe hoch, lächeln mich an aber mehr als ein "Moin" ist nicht zu hören. Es sind Beamte aus Schleswig-Holstein.

12.05 Uhr: Ich fege immer noch. Endlich spricht mich einer der Polizisten an, der die Treppe herunterkommt: "Frühjahrsputz, oder? Man schleppt ja sonst den ganzen Dreck ins Haus." "Ja", sage ich: "Und außerdem, ich dachte, die Stadt macht hier sauber, wegen der Gäste." "Da wusste die Stadt wohl, dass hier kein Außenminister entlang kommt", antwortet er. Da kann man mal sehen: So effektiv setzt Lübeck seine Kräfte ein. Aber wenigstens ist es jetzt vor der eigenen Haustüre sauber.

13.30 Uhr: Keine Autos, so gut wie kein Mensch: So ruhig wird die Große Altefähre nie wieder sein. Die wenigen, die vorbeikommen, lassen die Situation auf sich wirken. Ein Fotohändler aus der Königstraße ist mit seiner Kamera unterwegs. "Das kommt nie wieder", sagt er und fotografiert. Vielleicht kommt er am Abend noch einmal wieder: dann ist das Licht besser.

13.50 Uhr: An der Untertrave ein gemischtes Bild: Während die Polizei noch dafür sorgen muss, dass die Shuttlebusse mit Teilnehmern der Außenministertagung oder der Presse sicher passieren können, stehen schon wieder Angler am Hafenbecken und ziehen Heringe heraus.

14 Uhr: Auf dem Koberg stehen Mannschaftswagen der Polizei, die Beamten sind ausgestiegen und genießen die Frühlingssonne.

14.15 Uhr: In der Kleinen Altefähre ist eine Anwohnerin gerade dabei, ein zum Protestbanner umfunktioniertes Laken aus der Dachgaube zu lassen und es eine Etage weiter unten mit Klebeband am Fensterrahmen zu befestigen. "Dollar sucks Love and Peace" steht drauf. Liebe und Frieden sind als Herz mit Peacesymbol gemalt. Doch der Wind zerrt mächtig an dem Laken. Immer mehr Klebeband ist nötig. "Jetzt ist das Klebeband voll auf dem Herz", assistiert einer der Bereitschaftspolizisten, die unten auf der Straße die Absperrung bewachen. Die Frau zieht den Streifen wieder ab und klebt ihn besser hin. Diese kleine Szene sagt einiges über die Stimmung zwischen Polizei und Anwohnern im Sperrgebiet.