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Lübeck Bahnlärm: Kreis will Druck machen
Lokales Lübeck Bahnlärm: Kreis will Druck machen
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12:09 26.06.2019
Der Übergang Zuschlag verschwindet zwar in zwei bis drei Jahren, der Lärm in Reinfeld wird jedoch bleiben bzw. mehr werden. Quelle: Markus Carstens
Bad Oldesloe

Rund 100 000 von mittlerweile 242 000 Stormarner Bürgern leben in der Nähe der stark frequentierten Bahnstrecke HamburgLübeck. Das hat die CDU ausgerechnet und will folglich den Druck auf die Bahn erhöhen, die für einen besseren Lärmschutz sorgen soll. Denn wenn ab 2030 der Fehmarnbelt-Tunnel steht, wird auch der Bahnverkehr nicht nur durch Ostholstein, sondern auch durch den Kreis Stormarn zunehmen. Bis zu 90 Güterzüge sollen dann täglich zusätzlich zwischen Hamburg und Fehmarn fahren.

Mit ihrem Antrag zur Bildung eines Arbeitskreises rannte die CDU-Fraktion im Stormarner Verkehrsausschuss am Montag daher offene Türen ein. Dieser soll sich mindestens zweimal pro Jahr treffen, alle Interessen der betroffenen Städte und Gemeinden bündeln und dann mit einer Stimme der Deutschen Bahn vortragen. „Einzelne Gemeinden finden dort kein Gehör“, sagt Gesa Dunkelgut (CDU) aus Reinfeld, stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses und Antragstellerin.

30 000 Euro für Fachbüro

In dem Arbeitskreis sollen nicht nur die Kreistagsfraktionen und Verwaltungsmitarbeiter vertreten sein, sondern auch Vertreter der Kommunen, zum Beispiel die jeweiligen Bauausschuss-Vorsitzenden – insgesamt rund 20 bis 25 Personen. Zugleich wurden 30 000 Euro freigemacht für ein Fachbüro. Denn, das wurde auf der Sitzung schnell deutlich, ohne planerischen und juristischen Sachverstand würde man bei der Bahn wohl auf dem Abstellgleis landen.

Der CDU-Antrag nahm eine Idee auf, die im Rahmen einer Sitzung des Verkehrsausschusses Ende April geboren wurde. Da hatte Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt die Planungen für die Beltquerung inklusive Hinterlandanbindung vorgestellt – allerdings nur bis Lübeck.

Bewegung auf höchster Ebene

Zu Stormarn hatte er nur so viel sagen können: Zusätzlicher Lärmschutz sei nicht geplant, da auf der Strecke HamburgLübeck nicht neu gebaut werde. Entsprechende Maßnahmen in den Städten Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide und Ahrensburg seien bereits vor einigen Jahren auf einer Länge von 15,5 Kilometern abgeschlossen gewesen. Betroffen vom Bahnlärm sind weiterhin die Gemeinden Hamberge, Wesenberg, Rümpel, Tremsbüttel, und Delingsdorf.

Mittlerweile ist jedoch auf höchster Ebene Bewegung in die Sache gekommen. Nach der Berichterstattung über die Ausschusssitzung unter anderem in den LN wandte sich Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) an die zuständige DB Netz AG – und bekam zehn Tage später eine Antwort des Vorstandsvorsitzenden Frank Sennhenn. Darin heißt es wörtlich: „Die genannten Ortschaften im Kreis Stormarn werden noch mal auf die neuen Anhaltswerte des freiwilligen Lärmsanierungsprogrammes nachsaniert. Derzeit liegen uns noch keine Informationen zum Umfang möglicher Schutzmaßnahmen vor.“

Besonderheiten in Reinfeld

Auf beiden Sitzungen des Verkehrsausschusses zu Gast war auch Lorenz Hartwig (CDU), Vorsitzender des Reinfelder Bauausschusses. Er begrüßte die Einrichtung des Arbeitskreises sehr. „Denn es gibt unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen für die großen Städte entlang der Bahnstrecke.“ Er berichtete auch am Montag erneut von der mangelhaften Kommunikation seitens der Bahn, obwohl er auch die Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens (CDU) und Bettina Hagedorn (SPD) an seiner Seite wisse.

Lärmschutzwände für die S4

Das Schnellbahn-Projekt S4 klammert der neue Arbeitskreis bewusst aus. „Das wäre zu viel, wir wollen uns auf den Lärmschutz konzentrieren“, sagt Gesa Dunkelgut (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses. Da für die S4 zwischen Hamburg und Ahrensburg neue Gleise gebaut werden, greift in diesem Fall der gesetzliche Lärmschutz.

In dem Schreiben der DB Netz AG an Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) heißt es: „Beim Ausbau für die S4 sind weitreichende aktive und passive Schallschutzmaßnahmen vorgesehen. Darin enthalten sind Maßnahmen, die den Schall am Entstehungsort direkt an der Strecke reduzieren, sowie passive Schallschutzmaßnahmen (wie Schallschutzfenster oder schallgedämmte Lüfter), die an den betroffenen Gebäuden wirken und bei Bedarf zusätzlich umgesetzt werden.“ Das bedeute konkret für den Abschnitt Hamburg-Hasselbrook bis Ahrensburg: über 40 Kilometer Lärmschutzwände, überwiegend 6 Meter hohe Außenwände, teilweise 4 Meter hohe Mittelschutzwände und am Gleis sogenannte Schienenschmiereinrichtungen und Unterschottermatten auf Brückenbauwerken.

Eine Besonderheit in Reinfeld: Da mittlerweile neue Dezibel-Grenzwerte gelten, hat die Karpfenstadt möglicherweise Anspruch auf gesetzliche Lärmschutzmaßnahmen. Alles weitere müsse laut Bahn im Rahmen des sogenannten übergesetzlichen Lärmschutzes geregelt werden. Die Deutsche Bahn rechnet zudem vor, dass ab 2020 nur noch leise Güterzüge eingesetzt würden, die deutlich weniger Lärm verursachten.

Zumindest ist mittlerweile klar, dass der beschrankte Bahnübergang Am Zuschlag in Reinfeld zurückgebaut wird – zugunsten einer Brücke. Insgesamt gibt es in den vier großen Stormarner Städten noch zwei beschrankte Bahnübergänge – beide in Reinfeld.

Markus Carstens

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