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Lübeck Orkantief bringt Lübeck zum Stillstand
Lokales Lübeck Orkantief bringt Lübeck zum Stillstand
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14:34 06.12.2013
Auf dem Koberg wurden schon am frühen Morgen die Gondeln am Riesenrad abgebaut und unter dem Rad gesichert. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt hieß es gestern: „Sicherheit geht vor.“ Wie schon am Mittwoch bekanntgegeben wurde, mussten gestern um 14 Uhr alle Budenbesitzer ihre Stände schließen. Schon am frühen Morgen hatte Orlando Lemoine gemeinsam mit zwei Mitarbeitern damit begonnen, die Gondeln an seinem Riesenrad auf dem Koberg abzuhängen. „Kurz nach 10 Uhr waren wir damit fertig und haben die Gondeln unterhalb des Riesenrades gesichert“, berichtet er. Umkippen könne das Riesenrad nicht, versicherte der Fahrdienstleiter, da der Wind durch das Rad hindurchziehen könne.

Auch auf der anderen Straßenseite des Maritimen Marktes am Koberg wurden schon am Morgen Sicherheitsmaßnahmen getroffen: Das Gerüst an der Fassade des Heiligen-Geist-Hospitals wurde mit zusätzlichen Streben in der Hauswand verankert. „Beim Sturm ,Christian‘ sind allerdings Ziegel vom Dach heruntergekommen, deshalb haben wir in Absprache mit dem Marktbetreiber ,Frau und Kultur‘ beschlossen, ab 14 Uhr auch zu schließen“, sagte Klaas-Peter Krabbenhöft, Leiter der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital.

Aber nicht nur beim Kunsthandwerkermarkt im Hospital standen die Touristen ab dem frühen Nachmittag vor verschlossenen Türen — auch auf dem Markt herrschte gespenstische Ruhe. So hatten sich Antonella Basilicos, Marianna Irnandis und Massimo Castiglione ihren Besuch auf dem Weihnachtsmarkt nicht vorgestellt: Die drei Touristen aus Sizilien waren gestern extra aus Hamburg angereist, um sich Lübeck und den Weihnachtsmarkt anzusehen. „Wir haben schon so viel über den Markt gehört, und nun ist alles zu“, ist Antonella Basilicos etwas traurig über den misslungenen Kurztrip.

Während es in der Innenstadt bis in die Abendstunden eher ruhig zuging, war die Lage im Lübecker Hafen und in Travemünde nicht ganz so entspannt. Aber nicht, weil sich hier eine Sturmflut anbahnte, sondern ganz im Gegenteil: „Wir haben im Moment einen niedrigen Wasserpegel“, sagte Henning Dierken, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts. Im Normalfall liegt der Wasserstand in Travemünde bei rund fünf Metern über Null, gestern Abend jedoch nur noch bei 3,93 Metern.

Nicht zuletzt die großen Schiffe hatten mit dem Niedrigwasser der Trave zu kämpfen. „Wir lassen unsere beiden Fähren ,Nils Dacke‘ und ,Peter Pan‘ über Nacht im Hafen“, sagte TT-Lines-Geschäftsführer Jens Aurel Scharner. Heute sollen beide Schiffe wieder fahrplanmäßig nach Trelleborg aufbrechen. Trotz des Sturms durcharbeiten mussten hingegen die Beschäftigten der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). „Die Arbeit muss leider weitergehen“, so LHG-Sprecherin Natascha Blumenthal.

Gerlinde Zielke vom Stadtverkehr teilte am frühen Abend mit, dass die Priwallfähre unter erschwerten Bedingungen operierte. „Wir können zwar bis zu einem Pegelstand von etwa 1,50 Meter fahren, aber wir haben schon Schwierigkeiten.“ Bereits mittags fuhr nur noch eine Fähre. Die Feuerwehr postierte schon morgens vorsorglich einen Rettungswagen auf dem Priwall, damit sie im Ernstfall bereit gewesen wäre. Die Stadtverkehr-Busse hingegen fuhren fast problemlos. Nur während des großen Ansturms der Schülermassen nach dem stadtweiten Schulschluss gegen 13 Uhr „gab es ein kleines Chaos und leichte Verspätungen“, so Zielke.

Ganz anders die Situation am Hauptbahnhof: Die große Anzeigetafel wurde den gesamten Nachmittag und Abend dominiert von Verspätungen und Zugausfällen. „Ich organisiere mir bereits sicherheitshalber eine Notunterkunft bei einer Kollegin“, sagte Pendlerin Catharina Haese, die extra früher Feierabend machte und gegen 16 Uhr nach Bad Kleinen wollte. Ähnlich erging es Reisenden, die noch weiter weg mussten. „Ich rege mich aber nicht auf, am Wetter kann ich sowieso nichts ändern“, sagte Karlheinz Chantré. Ein Marinesoldat musste eigentlich um 18 Uhr in Puttgarden sein, doch der Zug fiel aus.

Ein Kamerad holte ihn schließlich ab.

Relativ entspannt war „Xaver“ dagegen für die Feuerwehr. Trotz zusätzlicher Alarmbereitschaft mehrerer freiwilliger Wehren blieb das Einsatzaufkommen gering. Am Steinrader Weg sägte die Freiwillige Feuerwehr Innenstadt vorsorglich gegen 17 Uhr einen Baum ab, bevor der Sturm ihn umpusten konnte. „Die Wurzeln lagen frei“, sagte ein Leitstellen-Beamter.

„Ich frage schon bei einer Kollegin, ob ich bei ihr zur Not unterkomme.“
Catharina Haese,
gestrandete Bahnkundin

Peer Hellerling und Marieke Stender

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