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Lübeck Ortsrat will einen Hochseilgarten für Travemünde
Lokales Lübeck Ortsrat will einen Hochseilgarten für Travemünde
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15:01 10.10.2019
Sie bewerben sich um den Bau eines Kletterparks - in Travemünde oder auf dem Priwall: Tillmann Liden (li.) und Nick Moritz. Nun hat der Ortsrat sich einstimmig für eine Entscheidung ausgesprochen: Hochseilgarten ja, allerdings nicht auf dem Priwall. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Nachdem sich die Gemeinschaft der Priwallbewohner mit einem Konzept für die Errichtung eines Kletterparks beschäftigt hat, hat jetzt auch der Ortsrat ein Votum abgegeben. „Wir haben uns einstimmig dafür entschieden, den Bau eines Kletterparks zu unterstützen“, teilt Sabine Haltern (SPD), stellvertretende Ortsratvorsitzende, während der jüngsten Sitzung des Gremiums mit.

Forderung: Der Hochseilgarten soll in Travemünde gebaut werden

Einzige Bedingung: Der Park soll in Travemünde errichtet werden. Der Kohlenhof-Wald auf dem Priwall käme für eine derartige Anlage nicht in Frage.

Das Konzept des Bewerber-Trios: Nick Moritz, Tillmann Liden und Arn-Henrik Ruch sei „super“. Ortsrats-Chef Gerd Schröder (CDU) ergänzt: „Wir sind dafür, dass in Travemünde endlich etwas für die Jugend getan wird.“ Das Hochseilgarten-Konzept ist öffentlich auf der Internetseite des Ortsrates einzusehen.

Klettern in luftigen Höhen, angeseilt laufen von Baum zu Baum – eine körperliche und physische Herausforderung für Kinder und Erwachsene, die als Freizeitgestaltung seit vielen Jahren beliebt ist. Kletterpark oder Hochseilpark werden die Outdoor-Anlagen genannt, die meistens in Wäldern und naturnahen Gebieten eingerichtet sind.

Kletterpark auf dem Priwall stößt auf Widerstand

Auf dem Priwall ist ein solcher Park jedoch nicht erwünscht. Jedenfalls gibt es reichlich Widerspruch gegen die Planungen für einen Kletterpark zwischen Mecklenburger Landstraße und Kohlenhof. Das wurde bei einer ersten Versammlung der Gemeinschaft der Priwallbewohner deutlich. Vorsitzender Eckhard Erdmann begrüßte im Restaurant Seglermesse neben etwa 40 Besuchern auch Nick Moritz und Tillmann Liden. Gemeinsam mit Arn-Henrik Ruch (21), der nicht zur Versammlung kommen konnte, hatten die beiden 28-Jährigen dem Kurbetrieb ein ausführliches Konzept für einen Kletterpark vorgelegt (s. Info-Kasten).

Projektplan stößt in sozialen Netzwerken auf Gegenwind

Da das Konzept bereits unter anderem über die Bürgerinitiative Nachhaltigkeit für Travemünde und Priwall sowie über soziale Medien verbreitet worden war, hatte es im Vorfeld der Versammlung zahlreiche Kommentare im Internet gegeben. Unter anderem wurde vermutet, dass Waterfront-Investor Sven Hollesen hinter dem Kletterpark stecke.

 Diese Behauptung wies Nick Moritz weit von sich: „Wir haben mit Hollesen nichts zu tun, wir haben noch nie mit ihm gesprochen.“ Die Idee für einen Standort auf dem Priwall seien von dem zuständigen Revierförster und dem Kurdirektor gekommen. Bei ihrem Konzept gehe es aber nicht primär um den Priwall als Standort für einen Kletterpark. Auch Travemünde käme in Frage. „Wir wollen den Priwall nicht ausnehmen, wir kommen nicht als Feinde hierher.“

Markierungen weisen auf Bäume hin, die im Priwall-Wald für einen Kletterpark genutzt werden können. Quelle: Thomas Krohn

Erdmann gab zu bedenken, dass ein Kletterpark auf der Halbinsel zwangsläufig mehr Verkehr anziehen werde. Der touristische Bedarf auf dem Priwall sei gedeckt. Bei jedem neuen Projekt würden die Bewohner hellhörig. Eine Besucherin bestätigte: „Wir haben in den letzten Jahren so viele Veränderungen erlebt, die nicht alle positiv waren. Die Natur ist hier auf dem Rückzug, es gibt nur noch kleine Oasen.“ Eine andere: „Die katastrophalen Verhältnisse und der Massentourismus sind ein großes Problem auf dem Priwall.“ Ulrike Westphal von der Bürgerinitiative stellte fest: „Auch ein Kletterpark ist ein Bauobjekt. Wir wollen aber keine weitere Bebauung.“

Kletterpark – Das will das Bewerbertrio

Mehrere Bäumesollen durch Elemente wie Stahlseile, Balken und Brücken in einer Höhe von einem bis acht Metern miteinander verbunden werden. Die Plattformen bestehen aus witterungsbeständigem Holz und sind über Gewindestangen mit dem Baum verbunden. Sie sind jedoch nicht verschraubt, so dass Schäden an Rinde und Holz vermieden werden.

Durch regelmäßigesLockern und Versetzen der Plattformen bleibt das natürliche Wachstum der Bäume erhalten. Insgesamt 40 Bäume werden für den Kletterwald benötigt. Auf dem Priwall sind diese in Absprache mit der Revierförsterei mit roten Bändern markiert worden. Die Benutzer müssen mit körperlicher Anstrengung, Geschick und wohlüberlegtem Handeln von Plattform zu Plattform gelangen und dabei Hindernisse überwinden.

Dabei sind sie von einem professionellen System in einem tragenden Seil gesichert. Das Angebot von April bis Oktober richtet sich an Schulklassen, Vereine, Unternehmen und Einzelpersonen. Geplant ist der Bau einer Hütte für Kletterausrüstung und Werkzeug. Die Bewerber rechnen mit 75 bis 125 Besuchern pro Tag. Für die Errichtung des Parks sollen nur totes Holz und kranke Bäume entfernt werden.

Zur Verhinderung einer Bodenverdichtung und des damit verbundenen Absterbens von Wurzeln sollen den Besuchern feste Wege vorgegeben werden. Strom, der lediglich in geringem Maß benötigt werde, soll ausschließlich über Solarmodule oder Ökostrom bezogen werden.

Baumbestand älter als 140 Jahre – ein Problem?

Nach dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten zur Schutzwürdigkeit des nördlichen Priwalls gebe es in dem ins Visier genommene Waldgrundstück einen etwa 140 Jahre alten Baumbestand, anders als vom Kurbetrieb dargestellt, wonach die Bäume jünger seien als auf dem Kalvarienberg, in dem deshalb kein Kletterpark möglich sei.

Mietvertrag für ehemaligen Kletterpark lief 2016 aus

In dem Wald auf der Travemünder Seite war elf Jahre lang ein Kletterpark betrieben worden. Ende 2016 lief der Mietvertrag mit der Betreiberin aus und wurde nicht verlängert. Begründung seitens des Kurbetriebs: Die Fläche sei nicht geeignet, unter anderem deshalb nicht, weil für Toiletten und Gastronomie die erforderlichen Anschlüsse fehlten. Zudem sei der Baumbestand zu alt (LN berichteten). Mehr zum Thema lesen Sie hier.

In einer früheren Version dieses Artikels war die Entscheidung des Ortsrates noch nicht gefallen.

Von Thomas Krohn

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