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Lübeck Ostholsteiner baut den schönsten Bumerang der Welt
Lokales Lübeck Ostholsteiner baut den schönsten Bumerang der Welt
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14:51 01.06.2014
Probewurf fürs Foto: Eckhard Mawick (70) hat den schönsten Bumerang gebaut. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
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Ahrensbök/Perth

Was für eine schöne Auszeichnung: Mit einem Bumerang aus dem Holz eines Olivenbaumes hat Eckhard Mawick eine Jury im westaustralischen Perth überzeugt - der 70-Jährige hat dort bei den Weltmeisterschaften im Bumerangwerfen den Award der Oscar Cuartas Foundation für den schönsten Bumerang gewonnen. Auch jetzt, kurz nach seiner Rückkehr aus Australien, ist Mawick noch immer verblüfft: „Das ist tatsächlich die höchste Ehre für einen Bumeranggestalter“, sagt Mawick und zeigt auf den wunderschön gemaserten Bumerang. Und der hat noch eine ganz andere Geschichte. 

Vor Jahren wollte Mawick das Leonardo da Vinci gewidmete Museum im toskanischen Vinci besuchen. Da das Museum entgegen der Angabe im Reiseführer aber geschlossen war, betrat Mawick einen zugehörigen Olivenhain, auf dessen Boden viele kleine Baumabschnitte lagen. „Plötzlich sah ich dieses knieförmige, ziemlich dicke Stück mit tollen Maserungen. Das wird kein Brennholz“, dachte sich Mawick und nahm den Rohling unter den Arm. Lange Zeit rührt der Bumerangbauer den toskanischen Fund nicht an. Bis er sich dazu entschließt, das getrocknete Holz aufzusägen. „Von da an gab‘s kein Halt mehr“, erinnert sich Mawick. Und er baut gleich zwei Stück aus dem Vinci-Holz. Weil sich inzwischen nämlich auch die Japaner für die Mawick'schen Bumerangs interessieren, schenkt Mawick dem Präsidenten des japanischen Bumerang-Verbandes kurzerhand eines der Olivenholz-Wurfhölzer. 

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Was fasziniert den Ex-Lehrer und Buchautor so sehr am Bau der Bumerangs? Es komme mehr zurück, sagt Mawick, nicht nur der Bumerang: „Es gibt so viele Aspekte: Das Handwerkliche, die Aerodynamik, das Sportliche, das Ethnologische — und das Historische.“ Dem Stückchen Holz werde förmlich ein Leben eingehaucht. Der gebürtige Danziger, der mehr als 20 Jahre in Lübeck-Niendorf als Grundschullehrer gearbeitet hat, baut noch heute ungebremst Bumerangs.

In einer kleinen Werkstatt bei Ahrensbök (Kreis Ostholstein) lagern die verschiedenen Hölzer, die Mawick zu Fluggeräten verarbeitet. Unter der Decke des Schuppens hängen Hunderte unterschiedlicher Wurfhölzer. Die Liebe zu den einstigen Jagdwaffen reicht bis in die Kindheit zurück. „Als Knabe bekam ich einmal einen Bumerang aus Sperrholz. Da eine Wurfanleitung fehlte, habe ich das Ding falsch geworfen, sodass es zerbrach.“ Eine Enttäuschung — bis er als Erwachsener in einem Buch sah, dass man einen Bumerang nicht ‚sichelnd', sonder fast gerade werfen muss. Von da an war Mawick nicht mehr zu halten. Die ersten Sperrholzbumerangs gehen in die Produktion und bleiben nach dem Abwurf heil. Nach vielen Veränderungen beim Bau des Bumerangs wird auch die Rückkehr-Trefferquote immer besser.

„Das Bumerang-Fieber war virulent“, erinnert sich Mawick lächelnd. Schnell wachsen die Kontakte. Der erst kürzlich gewählte Präsident vom Deutschen Bumerang-Club, der zwölf Jahre lang die deutsche Zeitschrift Bumerang-Welt herausgegeben hat, unterhält internationale Verbindungen, unter anderem nach Amerika und Japan.

Mawick zeigt gern, wie ein Bumerang gebaut wird. Zuhörer lernen bei ihm außerdem, wie spannend die Welt der Bumerangs ist. Anschaulich weiß Eckhard Mawick davon zu berichten, wie die Aborigines in Australien mit Bumerangs aus Mulga-Holz (eine Akazien-Art) Jagd auf Kängurus machten, dass die Jagd-Bumerangs ja gar nicht fürs Zurückkehren konstruiert sind und dass Rückkehr-Bumerangs nur zu kultischen Zwecken genutzt wurden. Und mit Stolz erzählt er davon, dass er einmal einen mit Wunderkerzen bestückten Bumerang in der Dämmerung geworfen hat, um die Flugbahn fotografieren zu können, und dass die Bilder in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurden.

Interessantes Spielzeug
„Zimmerbumerangs“ heißt das Buch, in dem Eckhard Mawick erklärt, dass die Flugweite nicht von der Wurfkraft abhängig ist, der älteste Bumerangfund in Polen gemacht wurde, deutsche Bumerangwerfer zur Weltspitze gehören. Außerdem erfährt der Leser, dass man sogar aus einer Milchtüte leicht einen Zimmerbumerang basteln kann und dass es Bumerangs in unterschiedlichen Formen gibt, die durchaus auch mehr als zwei Flügel haben können.


• Internet:
Nähere Informationen zum Buch und zum Autor gibt es unter www.zimmerbumerangs.de.

Rüdiger Jacob