Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Parkhaus am Lübecker Holstentor: Mängel schon beim Bau vor 27 Jahren
Lokales Lübeck Parkhaus am Lübecker Holstentor: Mängel schon beim Bau vor 27 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 13.08.2019
Das Parkhaus am Holstentor wurde 1992 von der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“ gebaut und später von der KWL übernommen. Gutachter raten jetzt, das Gebäude abzureißen und entweder einen billigeren und einfachen Neubau zu erstellen oder einen ebenerdigen Parkplatz herzustellen. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

An mehreren Bauteilen des Parkhauses, das 1992 errichtet wurde, sei die Bewehrung vergessen worden, heißt es in einem Bericht der KWL, die die städtischen Parkhäuser und Stellflächen bewirtschaftet. „Das wurde festgestellt, als die Decken schon gegossen waren“, berichtet Volker Salomon, Projektleiter Hochbau bei der KWL. Salomon kümmert sich seit drei Jahren unter anderem um die drei städtischen Parkhäuser.

Bauliche Mängel am Parkhaus schon länger bekannt

Die fehlenden Stahlmatten hätten keinen Einfluss auf die Statik des Gebäudes, versichert Salomon. Aber sie tragen zu einer Rissbildung bei. In die Risse dringen Tausalze ein, die den Parkhäusern zusetzen. Tausalze befördern den sogenannten Betonkrebs, von dem das Parkhaus am Holstentor befallen ist. Und zwar so stark, dass das Gebäude nicht nur alle zwei Monate von Statikern überprüft wird, sondern auch für sehr viel Geld instandgesetzt werden müsste.

„Trave“ baute das Parkhaus

Für umgerechnet rund zehn Millionen Euro baute die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ damals das Parkhaus, rund 3,5 Millionen Euro schoss das Land hinzu. Ein Jahr nach Eröffnung meldete die KWL, dass das Parkhaus zu 60 Prozent ausgelastet und damit kostendeckend sei.

Oder es wird besser gleich abgerissen. Das zumindest empfehlen Verwaltung und KWL den Politikern, die in den nächsten Wochen eine Richtungsentscheidung treffen müssen. Die Alternativen lauten: erstens sanieren, zweitens abreißen und 120 Stellplätze ebenerdig errichten, drittens abreißen und teuer neu bauen, viertens abreißen und billiger neu bauen. Der Abriss kostet 750 000 Euro, der baugleiche Neubau rund 17 Millionen.

Gestein im Beton reagiert auf Feuchtigkeit

1992 sei ein Beton verwendet worden, der bestimmte Gesteinssorten enthielt, die in Verbindung mit Feuchtigkeit reagieren. Salomon: „Es bildet sich ein Gel, das sich ausdehnt und so den Druck von innen erhöht.“ Dadurch reißt der Beton, was an diversen Stützpfeilern beobachtet werden kann. Der Diplom-Ingenieur und Architekt: „Das Problem der Alkali-Kieselsäure-Reaktion war damals einfach nicht bekannt.“

Das Parkhaus am Lübecker Holstentor ist so marode, dass Experten einen Abriss empfehlen. Aber auch weitere städtische Parkhäuser haben Mängel.

Der Betonkrebs setzt nicht nur Pfeilern und den quer laufenden Zügen unter den Decken zu. Sein Hauptangriffspunkt sind die Übergänge zu den Rampen. „Die Fugen sind eine der kritischsten Stellen“, bestätigt Ingenieur Salomon. Dort können die Tausalze gut eindringen und ihr zerstörerisches Werk verrichten.

Kleine Sanierungen habe es zwischendurch gegeben, weiß der Projektleiter. Aber damit ist es jetzt nicht mehr getan. Eine umfassende Instandsetzung würde 8,36 Millionen Euro kosten, ein Weiterbetrieb wäre dann wirtschaftlich nicht mehr tragbar, sagt die KWL.

Das macht die Bewehrung

Die Bewehrung dient zur Verstärkung des Tragverhaltens im Verbund mit dem Beton. Beton kann Druckkräfte aufnehmen, Zug- und Biegezugkräfte müssen von einer Bewehrung aufgenommen werden. Bei Stützen unterstützt die Bewehrung ebenfalls die Druckkräfte. In der Regel werden Stahlmatten zur Bewehrung in den Beton eingebaut.

Gefahr der Sperrung steigt mit jedem Monat

Wie lange das Gebäude noch durchhält, weiß niemand. Projektleiter Salomon: „Wenn die Statiker sagen, dass sie nicht mehr für die Sicherheit geradestehen können, wird die KWL kein Risiko eingehen.“ In dem KWL-Bericht heißt es, dass „mit jedem Monat die Gefahr der sofortigen Sperrung steigt“.

Schließung und Abriss wären verkraftbar, hat die Verwaltung festgestellt. Denn das Parkhaus am Holstentor habe eine durchschnittliche Auslastung von nur 30 Prozent. „An 27 Tagen im Jahr ist das Parkhaus voll“, bestätigt Volker Salomon. Am Dienstagmittag muss einer dieser Tage gewesen sein. Vor dem Gebäude bildeten sich Schlangen. Salomon hatte keine Erklärung für den plötzlichen Andrang.

Sanierungsbedarf auch bei anderen Parkhäusern

Auch die anderen beiden städtischen Parkhäuser haben Sanierungsbedarf. Das Gebäude am Burgtor, das 1976 errichtet wurde, ist frisch saniert. „Die Beschichtung wurde erneuert“, erklärt Projektleiter Salomon. Aber auch dort werden die Betonzüge unter den Decken halbjährlich kontrolliert, weil früher große Mengen Tausalze in den Beton eingedrungen sind. Das Parkhaus Falkenstraße hat die geringsten Schäden. Salomon: „Ein Instandhaltungskonzept wird ausgearbeitet.“

Von Kai Dordowsky

In einem Mehrfamilienhaus in St. Lorenz gab es für Anna Schulz (Name geändert) am Sonnabendmorgen eine böse Überraschung. Sie findet eine Katze in ihrer Toilette. Wurde das kleine Tier etwa runtergespült?

14.08.2019

Das große Gemälde im Roten Saal des Lübecker Rathauses hängt wieder an seinem gewohnten Platz. „Die Seeschlacht bei Gotland“ wurde aufwendig saniert. Das Kunstwerk zeigt die Seeschlacht bei Gotland.

13.08.2019

Die Stadt will Ferienwohnungen in der Altstadt verbieten. Jetzt klagen 20 Ganghaus-Besitzer dagegen. Kommen wird das Verbot aber dennoch. Sie wollen nun ein Eilverfahren vor Gericht.

13.08.2019