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Lübeck Passt Thomas Mann zur Uni?
Lokales Lübeck Passt Thomas Mann zur Uni?
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21:10 24.04.2015
St. Jürgen

Als Präsident Prof. Hendrik Lehnert zum Finale des Uni- Empfangs die Umbenennungspläne für seine Hochschule öffentlich machte (die LN berichteten), war für genug Gesprächstoff für den anschließenden geselligen Teil des Abends gesorgt. Thomas-Mann-Universität zu Lübeck — passt das? Für Lehnert keine Frage, aber er sagt gleichzeitig: „Die Diskussion ist offen;

in der Beschlussvorlage für die letzte Senatssitzung aus der vergangenen Woche haben wir uns auf den Namen definitiv noch nicht festgelegt.“ Allerdings will er nun den Entscheidungsprozess — „transparent und partizipativ muss er sein“ — beschleunigen und ihn im Sommer auf der Zielgeraden wissen. „Damit das Thema nicht zerredet wird“, sorgt er sich.

Dass der Weg dorthin nicht über eine gerade Strecke verlaufen wird, zeichnet sich schon jetzt in der Startphase ab. Insbesondere von studentischer Seite ist Skepsis zu hören. „Uns erscheint dieser Vorstoß des Präsidiums erstmal völlig übereilt“, sagt Informatik-Student Sebastian Pook. Der 21-Jährige ist gewähltes Mitglied des Studierendenparlaments (Stupa) und gibt die Stimmungslage wieder.

„Sowohl im Stupa selbst mit seinen 23 Mitgliedern als auch auf dem Campus bei einer ersten nicht repräsentativen Umfrage unter den Studierenden hat sich eine klare Mehrheit gegen den angedachten neuen Namen ausgesprochen“, resümiert er.

Er persönlich sehe fast keine Parallelen zwischen dem Literaten und dem fachlichen Profil der Hochschule. „Zudem“, wendet er ein, „ist die Uni durch das Jahr 2010 mit der ,Lübeck kämpft für seine Uni‘-Kampagne bereits bundesweit ziemlich bekannt geworden, und ein komplett neuer Name würde nur Verwirrung stiften“, ist er sich sicher. Um das Meinungsbild unter den Studentinnen und Studenten noch klarer abbilden zu können, plant der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) zeitnah eine statistisch aussagekräftige Erhebung. Dazu Birte Stoeter, Asta-Vorsitzende: „Die potenzielle Umbenennung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Wir erwarten, dass diese Diskussion weiter — auch ergebnisoffen — unter allen Mitgliedern der Uni geführt wird. Um die Meinung aller Studierenden in diesem Thema vertreten zu können, werden wir eine Umfrage starten.“

Schon einmal in der 50-jährigen Geschichte der Hochschule wurde ebenfalls intensiv um einen neuen Namen gerungen; Anfang 2002 war die Medizinische Universität zu Lübeck (MUL) durch die Studiengänge Informatik und Molekulare Biotechnologie schon lange nicht mehr rein medizinisch geprägt, so dass nach knapp vier Jahrzehnten der Zusatz „medizinisch“ ersatzlos aus dem Namen gestrichen wurde und fortan der Name „Universität zu Lübeck“ galt. Die notwendig gewordene Verfassungsänderung wurde allerdings nur mit einer hauchdünnen Mehrheit im damaligen Konsistorium der MUL abgesegnet.

„Diesmal wird der 13-köpfige Senat zum Nadelöhr“, erklärt Prof. Jürgen Westermann. Der Studiengangsleiter Medizin bezweifelt allerdings stark, dass die Namensidee in dem Gremium mehrheitsfähig ist.

„Auch ich bin dagegen“, ergänzt er unumwunden. Er schätze zwar den Schriftsteller Thomas Mann, sieht ihn aber im vorliegenden Fall als komplett falschen Namenspatron. „Denn erstens hat er nichts mit unserem Life-Science- Campus-Profil zu tun, und zweitens sind wir bereits eine ,Marke‘; wir sind die Uni in Deutschland, die von ihren Bürgern und Studenten gerettet wurde“, stellt er fest.

Für Bürgermeister Bernd Saxe wäre die Entscheidung zugunsten von Thomas Mann hingegen „sehr positiv“ — „natürlich würde ich es sehr begrüßen, wenn die Universität sich den Namen Thomas Manns geben würde. Sohn unserer Stadt, gemeinsam mit Günter Grass bedeutendster Literat des 20. Jahrhunderts, Literaturnobelpreisträger, Ehrenbürger Lübecks — und Namensgeber der Uni. Diese Benennung würde beide ehren, den Namensgeber und den neuen Träger des Namens.“ Uni-Präsident Lehnert will jetzt in den nächsten Wochen den Meinungsbildungsprozess mit zwei Veranstaltungen auf dem Campus vorantreiben.

Bei einer LN-Umfrage im Jahr 2000 votierten übrigens Hunderte von Lesern der Lübecker Nachrichten für den Vorschlag „Thomas- Mann-Universität“, auf Rang zwei landete damals der Name „Willy- Brandt-Universität“.

• Eine Umfrage zum Uni-Namen gibt es auf LN-online.de.

Michael Hollinde

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