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Lübeck Lübecks Kampf gegen die Pappbecher
Lokales Lübeck Lübecks Kampf gegen die Pappbecher
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15:51 15.02.2019
Lübeck

16 Betriebe mit insgesamt 30 Verkaufsstellen beteiligen sich am Pfandbechersystem, das Lübeck als erste größere Stadt in Schleswig-Holstein am 1. November gestartet hat. Kaffee und andere Heißgetränke werden in diesen Betrieben in dem deutschlandweit bekannten Pfandbecher „Recup“ ausgeschenkt. Für einen Euro Pfand können Kunden den Becher erwerben und später wieder abgeben – dann gibt es den Euro zurück.

Wer seinen eigenen Becher mitbringt, erhält in einigen Betrieben einen Rabatt. Welcher Ausschank ist dabei, welcher nicht – das erfahren die Kunden mit Hilfe einer Recup-App. Das Pilotprojekt, das den Abfallberg von rund 7,3 Millionen Pappbechern im Jahr in Lübeck reduzieren soll, läuft ein Jahr.

Plastikbecher statt Pappbecher

„Dann schauen wir, ob die von uns erhofften Effekte eingetreten sind“, sagt Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU). Hinsen erwartet einen profunden Beitrag zur Müllvermeidung: „Die Sauberkeit in unserer Stadt wird stark gefördert.“ Lübeck sei landesweit Vorreiter. Hinsen: „Wer jetzt nicht mitmacht, ist selber schuld.“ Mit dem Studentenwerk Schleswig-Holstein ist ein großer Anbieter von Pappbechern dabei. „Der Anteil an Einwegbechern beträgt bisher 26 Prozent“, sagt Kristin Dahl von der Hochschulgastronomie, „das sind 20 000 Becher pro Jahr und damit immer noch zu viel.“

Studenten nehmen Angebot gut an

„Das Pfandbecher-System ist entspannt und wird von den Studenten gut angenommen“, berichtet Wiebke Schlenger vom AStA. „Unsere Gäste sagen, endlich ist Lübeck dabei“, sagt Aykut Kayabas von der One Fairtrade Kaffeerösterei. „Ich wollte schon seit Längerem etwas für die Umwelt tun, aber alleine ist es schwierig“, erklärt Katharina Engelhard von der Engelsbäckerei, zu der viele Studierende der Musikhochschule kommen, um Kaffee mitzunehmen. Gleich mit neun von 20 Filialen in Lübeck ist die Bäckerei Allwörden dabei. „Wir bieten das neue System zusätzlich zu unserem eigenen Mehrwegbecher an“, sagt Regionalverkaufsleiter Dirk Ulke.

Die Verkaufsstellen des neuen Pfandsystems

Hier gibt es Pfandbecher von Recup:

Allwörden Kantstrasse 15-17, bei Plaza, Allwörden Ziegelstrasse 11, bei Rewe, Allwörden Vorwerker Strasse 65, bei Markant, Allwörden Berliner Allee, im Mönkhof-Karree, Allwörden Oberbüssauer Weg 6, im Gesundheitszentrum, Knaack Kantstrasse 12/14, Knaack Königstrasse 54 + 56, bei Karstadt, Knaack Werner-Kock-Str. 4, Linden-Arcarden, Unser Norden Sandstraße 24-28, bei Sky, Landwege Kanalstraße 78-80, Landwege Ziegelstraße 3-5, Landwege Heiligengeistkamp 4a, Landwege Am Brink 9, One Fairtrade Kaffeerösterrei, Königstraße 106-108, One Mobil Markt am Brink (Dienstag + Sonnabend 8 - 13 Uhr), One Mobil Rathausmarkt (Montag + Donnerstag 10 - 18 Uhr) , Vorwerker Passage Vorwerker Str. 33 (Montag - Freitag 6 - 15 Uhr), Cafe Ulrichs Schüsselbuden 6-8, Blox´ Cafe Mühlenstrasse 2-4, Cafe Bar Hüxstrasse 94, Engelsbäckerei Große Petersgrube 8a, IBIS-Hotel Fackenburger Allee 54, Kiosk Schwaberow Ludwigstr. 37, Mühlenbäcker Mühlenstrasse 57, Studentenwerk Mönkhofer Weg 241, Stadtteiltreff Sofa St.-Annen-Str. 1, Tourist-Information Holstentorplatz 1, Unverpackt Fleischhauerstr. 38, yBit Fleischhauerstr. 81, Zippendorfer Landbrot Breite Str. 36-42, im Rewe-Markt.

Rabatte auf mitgebrachte, eigene Becher geben Back-Werk Sandstrasse 16, Tchibo Breite Straße 77, Tchibo Luv-Shoppingcenter

Ein großer Anbieter macht nicht mit bei dem Pilotprojekt. „Wir sind mit unseren eigenen Mehrwegbechern dabei, den Müll zu vermeiden“, erklärt Gerd Hofrichter, Unternehmenssprecher der Bäckerei Junge, die 200 Geschäfte in Norddeutschland betreibt, „wir bieten für alle Außerhaus-Getränke unsere eigenen Mehrwegbecher an, die nachhaltig aus Bambus hergestellt wurden.“ Kunden, die diese oder ihre eigenen Becher mitbringen, werden mit Treuepunkten belohnt.

Viele Debatten im Vorwege

Der Runde Tisch aus Verwaltung, Politik und Unternehmen hat sich nach langen Debatten für den Münchner Becherbetreiber Recup entschieden. Recup wurde vor zwei Jahren in Rosenheim gegründet und hat nach Angaben von Geschäftsführer Fabian Eckert inzwischen 1800 Standorte in der ganzen Republik. Recup liefert den Unternehmen die Plastikbecher in drei verschiedenen Größen (0,2; 0,3; 0,4 Liter). 3000 Stück haben die Münchner in Lübeck an die Unternehmen verteilt. Die Deckel für die Becher sind nicht in das Pfandsystem eingebunden – „aus hygienischen Gründen“, sagt Eckert. Ein Deckel, den die Kunden möglichst immer bei sich haben, koste im Durchschnitt 1,30 Euro.

Lübecker Start-up kam nicht zum Zuge

Das Rabattsystem, das gleichzeitig mit dem Pfandsystem startet, wird nicht von allen Teilnehmern angeboten. Wo es Rabatte gibt, verraten ein Flyer sowie eine Karte, die die Umweltbehörde ins Internet eingestellt hat (Wir für Mehrweg).

Ein Lübecker Start-up, das den Gründerpreis der Sparkasse zu Lübeck gewonnen und dem Runden Tisch seine App im Kampf gegen den Bechermüll vorgestellt hatte, kam vorerst nicht zum Zug. „Das ist schade“, sagt Ann-Christine Predian von SaveCup, „wir arbeiten jetzt daran, andere Städte zu gewinnen.“

Kai Dordowsky