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Lübeck Pflegebedürftige sollen nur noch 1000 Euro Eigenanteil zahlen
Lokales Lübeck Pflegebedürftige sollen nur noch 1000 Euro Eigenanteil zahlen
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15:47 22.05.2019
Fred Mente arbeitet seit 31 Jahren bei der Vorwerker Diakonie und ist seit elf Jahren Geschäftsführer. 2018 forderte der heute 58-Jährige ein soziales Pflichtjahr. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Weil die Eigenanteile der Pflegebedürftigen in Heimen immer weiter steigen, schlägt die Vorwerker Diakonie eine Umkehrung der Finanzierung vor. Der Eigenanteil der Bewohner soll bei 1000 Euro im Monat gedeckelt werden. Was die Pflegeversicherung nicht abdeckt, soll aus Steuern bezahlt werden. Es könne nicht angehen, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, am Ende bei der Sozialhilfe vorsprechen müssen, sagt Geschäftsführer Fred Mente.

Herr Mente, zum Tag der Pflege am 12. Mai haben Sie in einer Pressemitteilung eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung gefordert. Was meinen Sie damit?

Mente: Das jetzige System sieht einen festen Betrag vor, den die Pflegeversicherung leistet. Alle weiteren Kosten verbleiben bei den Pflegebedürftigen. Aktuell zahlen Menschen in Pflegeheimen der Vorwerker Diakonie einen Eigenanteil von 1890 bis 1990 Euro im Monat und bei den städtischen Senioreneinrichtungen ein kleines bisschen mehr. Wenn wir diese Kosten mit den Renten vergleichen, die heute und in Zukunft ausgezahlt werden, ist klar, dass viele Pflegebedürftige die Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen.

Die Renten reichen nicht für die Heimunterbringung?

Genau. Für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, finden wir den Weg in die Sozialhilfe zum Lebensende schwierig. Zugleich diskutieren wir über Leistungsverbesserungen in der Pflege – mehr Personal und höhere Vergütungen. Weil der Beitrag der Pflegeversicherungen gedeckelt ist, landen auch diese Kosten ausschließlich bei den Pflegebedürftigen.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Beschäftigten in der Vorwerker Diakonie und bei der Stadt erhalten Tarifgehälter. Bei uns verdient eine Pflegefachkraft zum Berufsstart 3000 Euro im Monat Grundgehalt plus Zuschläge. Nach zehn Jahren sind es über 3400 Euro. Ich gehe davon aus, dass die Tarifgehälter in den nächsten Jahren weiter steigen werden.

Warum?

Der Beruf steht im Wettbewerb mit anderen Berufen. Wochenend- und Schichtarbeit bedeuten für die Beschäftigten eine hohe Belastung. Gute Gehälter sind wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das geht schon bei der Ausbildung los. Die Vergütung ist entscheidend. Wir zahlen eine Ausbildungsvergütung zwischen 1140 und 1400 Euro. Alle diese Kosten werden dazu führen, dass die Eigenbeteiligung der Heimbewohner immer weiter steigen wird.

Das Prinzip gilt aber seit 1995. Warum mahnen Sie jetzt die grundlegende Reform an?

Das System ist so, wie es jetzt ist, am Ende. Wir haben jetzt die gesellschaftliche Debatte, dass wir mehr für die Pflege tun müssen. Aber die Frage, wer das bezahlt, ist nicht beantwortet. Wir diskutieren jedes Jahr mit Angehörigen und Pflegebedürftigen, warum schon wieder 100 Euro mehr fällig werden.

Wir reagieren die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen darauf?

Wenig begeistert. Aber sie akzeptieren am Ende unsere Argumente. Sie wollen auch, dass Pflegekräfte anständig bezahlt werden.

Wie kommen Sie aus dem Dilemma?

Wir müssen das Finanzierungssystem in der Pflege umkehren. Die Pflegebedürftigen zahlen einen festen Betrag, den wir beispielsweise auf 1000 Euro im Monat deckeln könnten. Jetzt liegt der Eigenanteil in unseren Heimen bei 1860 Euro im Monat. Alle weiteren Kosten trägt die Pflegeversicherung.

Wie finanzieren Sie das? Über höhere Pflegebeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Ich plädiere für eine Steuerfinanzierung.

Um wie viel Steuergeld geht es?

Es wird um Milliarden gehen. Allerdings muss man die Sozialhilfe, die für viele Menschen in Pflegeheimen gezahlt wird, davon abziehen.

Eine Pflegesteuer?

Nein, das sollte aus dem allgemeinen Steueraufkommen bestritten werden.

Haben Sie Mitstreiter für Ihre Vorschläge?

Ja, das sind Forderungen der Diakonie Deutschlands und der Diakonie Schleswig-Holstein.

Kai Dordowsky

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