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Lübeck Anti-Terror-Übung: Organisatoren ziehen positive Bilanz
Lokales Lübeck Anti-Terror-Übung: Organisatoren ziehen positive Bilanz
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13:44 02.05.2018
Weitere Eindrücke von der Übung sehen Sie unten in der Bildergalerie. Quelle: Felix König
Lübeck

Ein lauter Knall hallt über den Hauptbahnhof, Rauchschwaden wabern über die Gleise. Reisende, die zuvor noch in kleinen Grüppchen auf ihren Zug warteten, laufen panisch durcheinander. Drei bewaffnete Angreifer stürmen auf den Bahnsteig von Gleis 9, feuern wahllos auf die Wartenden. Menschen schreien, brechen verletzt oder getötet zusammen, suchen Schutz im Gleisbett.

Es ist ein gruseliges Szenario, das sich in der Nacht zu Mittwoch am Lübecker Hauptbahnhof abgespielt hat. Und es ist zum Glück nur eine großangelegte Übung. Bei dieser so genannten Vollübung probten Landes- und Bundespolizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Krankenhäuser den Ernstfall eines terroristischen Angriffs mit vielen Toten und Verletzten.  Für die Lübecker Medienvertreter gab es um 22 Uhr eine Kurzpräsentation der Übung (die LN berichteten).

„Wir können nur hoffen, dass die Übung nie Realität wird“, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) in der Nacht in der Bahnhofshalle. „Aber wenn, dann müssen wir darauf vorbereitet sein.“ Insgesamt 700 Polizisten und 120 Rettungskräfte hatten die Bewältigung dieses Schreckenszenarios trainiert. Der Innenminister beobachtete die Übung mit den Polizeiführern und Bürgermeister Bernd Saxe.

Zunächst hielten dabei Beamte der Bundespolizei mit ihren Dienstpistolen die Angreifer in Schach, bis schwer bewaffnete Spezialkräfte der Landespolizei eintrafen. In insgesamt fünf Durchgängen spielten die Polizisten verschiedene Übungsszenarien durch. Wie genau die lauteten, sagte die Polizei nicht, um ihre Taktik für den Ernstfall nicht preiszugeben.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke der Übung der Polizei am Lübecker Hauptbahnhof zu sehen.

„Wir üben hier etwas, von dem wir hoffen, dass es niemals eintritt“, sagte auch Bodo Kaping, Leiter der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt. Nachdem in Deutschland vergleichbare Übungen bereits in Metropolen wie Leipzig und München stattgefunden hatten, lag nun der Fokus auf Lübeck. „Es ist sehr wichtig, dass wir die Auswirkungen eines solchen Szenarios auf eine Stadt mit der Größe von Lübeck erproben können“, erklärte Kaping.

Um die Großübung möglichst realistisch zu gestalten, hatten Polizeischüler aus Eutin und Lübeck die verletzten Anschlagsopfer gemimt. Soldaten der Bundeswehr hatten ihnen täuschend echt aussehende Knochenbrüche, Schussverletzungen und Platzwunden geschminkt und dabei jede Menge Kunstblut verwendet.

Das Szenario: Als Folge eines Terroranschlages im Bahnhof kommt es zu einer hohen Anzahl von teils lebensgefährlich Verletzten, die schnellstmöglich vom Rettungsdienst versorgt und in die Kliniken gebracht werden. Ein Szenario, „von dem niemand hofft, dass es jemals Realität wird“, hatte Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck, kürzlich noch gesagt.

Klicken Sie hier, um mehr Bilder von den Vorbereitungen zur Anti-Terror-Übung am Dienstagabend zu sehen. 

Am Morgen zogen Polizei und Feuerwehr eine positive Bilanz. Die Übung sei gut verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Genaueres werde die Auswertung ergeben. Während der gesamten Übung hatten Einsatztrainer der Polizei die Abläufe beobachtet und dokumentiert. „Realitätsnahe Übungen sind unverzichtbar, denn es gilt zu prüfen, ob die bestehenden Einsatzkonzepte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch funktionieren“, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei. Die Übung war am Mittwochmorgen gegen 5.30 Uhr zu Ende. Alle Verkehrsbeschränkungen rund um den Bahnhof wurden aufgehoben.

Bodo Kaping erklärte noch in der Nacht, dass die Übungsabläufe „auf den ersten Blick sehr professionell“ ausgesehen hätten. Innenminister Grote kündigte derweil an, dass es in Schleswig-Holstein weitere Übungen dieser Art geben wird. „Gerade Bahnhöfe sind ein potenzielles, primäres Angriffsziel“, sagte er.

sr/jad

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