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Lübeck Lübecker Polizei erhöht Druck auf die Rauschgiftszene
Lokales Lübeck Lübecker Polizei erhöht Druck auf die Rauschgiftszene
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21:36 19.03.2018
Bei Personenkontrollen am Zob fanden Beamte Stichwaffen und „nicht unerhebliche Mengen Rauschgift“. Quelle: Fotos: Kröger, Roessler
Lübeck

Der Szene-Treffpunkt am Krähenteich wurde zum gefährlichen Ort erklärt, an dem die Beamten anlasslos Personenkontrollen vornehmen können. „Wir haben starke Polizeikräfte dort gebündelt“, berichtet Trabs, „denn unser Ziel ist die angstfreie Nutzung öffentlicher Räume.“ Die Szene sei nicht nur gewachsen, sie habe sich auch verändert, sagt die Polizei. Früher hielten sich dort Deutsche, Russen und Russlanddeutsche auf, jetzt seien dort deutlich mehr Ausländer unterwegs – sowohl als Konsumenten als auch als Drogenhändler. Der verstärkte Kontrolldruck schlägt sich in der Statistik für 2017 nieder. Die Zahl der Straftaten stieg um 301 Fälle oder 24,5 Prozent. Die Polizeispitze spricht von einer „Aufhellung eines Dunkelfeldes“.

Unsichere Stadt

Lübeck ist landesweit trotz der gesunkenen Zahl von Straftaten ein unsicheres Pflaster. Hinter Neumünster liegt die Stadt auf Platz zwei. Das habe historische Gründe, erklärt die Polizei.

Auch mehrere Fälle von Massenschlägereien, bei denen auch Messer zum Einsatz kamen, machten den Beamten große Sorgen. Diese Auseinandersetzungen fanden vor dem Holstentor und am Zob statt. Auch dort rückten die Beamte massiv an, fuhren Streife rund um die Uhr und nahmen am Zob des öfteren Personenkontrollen vor. Trabs: „Wir haben neben Stichwaffen auch nicht unerhebliche Mengen Rauschgift festgestellt.“ Am Zob hätten sich viele Bürger nicht mehr sicher gefühlt, erklärt der Leitende Polizeidirektor.

Dass verstärkte Polizeipräsenz Erfolge bringt, zeigt die Zahl der Wohnungseinbrüche. 572 Mal schlugen die Einbrecher 2016 in Wohnungen und Häusern zu. 2017 waren es noch 399 Einbrüche – ein Rückgang um 30,2 Prozent. „Das Thema hat uns in den vergangenen Jahren stark belastet“, sagt Norbert Trabs. Aber auch landesweit stand die Polizei in der Kritik, weil Geschädigte sich oft alleingelassen fühlten. Die Polizei machte dieses Delikt deshalb landesweit zum Schwerpunkt, verstärkte ihr Personal, nahm intensive Spurensicherung an den Tatorten vor, sprach mehrmals mit den Geschädigten und informierte Haus- und Wohnungsbesitzer ausführlich über technische Sicherungsmaßnahmen für ihre Immobilien. Täter wurden offenkundig abgeschreckt. Gefasst wurden weiterhin nur wenige Einbrecher – die Aufklärungsquote dümpelt bei 12,3 Prozent. „Der Trend rückläufiger Einbrüche scheint sich in diesem Jahr fortzusetzen“, sagt Kriminaldirektor Michael Sörnsen.

Insgesamt sank die Zahl der Verbrechen und Vergehen in Lübeck im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent von 25646 auf 23614. Rückläufig waren Rohheitsdelikte (4018 auf 3799), Körperverletzungen (3023 auf 2834), Sachbeschädigungen (2754 auf 2422) und Diebstähle (10547 auf 10046). Leicht gestiegen sind Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (1320 auf 1494), Ladendiebstähle (2456 auf 2616) und Fahrraddiebstähle (1608 auf 1617). Die Diebstähle aus Autos würden seit drei Jahren kontinuierlich zunehmen, erklärt Kriminaldirektor Jochen Berndt.

13 Fälle von Mord und Totschlag verfolgte die Polizei im vergangenen Jahr in Lübeck und Ostholstein, alle wurden aufgeklärt. Die politisch motivierte Kriminalität wuchs in Lübeck und Ostholstein leicht von 206 auf 212 Fälle. „Das waren ganz überwiegend Propaganda-Delikte wie das Zeigen und Tragen von Symbolen, die laut Verfassung verboten sind“, erklärt Kriminaldirektor Detlev Zawadzki. Die Zahl der Gewaltdelikte sank von 15 auf neun. Mit 125 Fällen rangiert die Kriminalität aus rechten Kreisen deutlich vor der aus dem linken Spektrum (65). Kriminaldirektor Zawadzki: „Wir hatten aber im vergangenen Jahr keinen Übergriff auf eine Flüchtlingsunterkunft.“

 Kai Dordowsky

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