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Lübeck Predigt als Performance: Preacher-Slam über die letzten Dinge
Lokales Lübeck Predigt als Performance: Preacher-Slam über die letzten Dinge
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12:50 22.05.2019
Gruppenbild mit Tod (v.l.): Nordkirchen-Redakteurin Lena Modrow, Dom-Vikarin Maria Dietz, St. Petri-Pastor Bernd Schwarze, Musikerin Yu Jin, Slam-Organisator Tilo Strauß und Pastorin Barbara Häußler. Quelle: Friederike Grabitz
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Innenstadt

Den Tag, an dem Pastorin Barbara Häußler mit lautem Knall einen Blumentopf von der Kanzel warf, werden die Kirchgänger wohl nicht vergessen. Mit der ungewöhnlichen Performance führte sie bei einer Predigt das biblische Bild vom zerbrochenen Krug ein.

Am Mittwoch, 22 Mai, darf Häußler ab 20 Uhr wieder in einer Kirche performen, dann aber ohne Talar. Sie tritt im sechsten „Preacher Slam“ in der Petrikirche an, bei dem vier Theologen gegen vier Poetry Slammer um die Wette predigen. Sechs Minuten hat jeder von ihnen Zeit, um die Publikums-Jury zu überzeugen, die per Applaus abstimmen wird. Jeweils ein Favorit darf sein Team dann in der zweiten Runde vertreten.

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Prediger als Bühnendarsteller

„Bei unserer Arbeit sind wir ja auch Bühnendarsteller“, sagt St.-Petri-Pastor Bernd Schwarze, der das Format gemeinsam mit Tilo Strauß von Slam A Rama organisiert. „Die Slammer sind manchmal frecher, aber unserer Theologinnen und Theologen müssen sich nicht verstecken“.

In dem spielerischen Wettstreit werden sie allerdings starke Gegner haben. Der Kieler Florian Hacke, den einige Lübecker noch als Schauspieler des Stadttheaters kennen, ist amtierender Schleswig-Holstein-Meister im Poetry Slam. Sandra Da Vina reist aus Köln an, aus Hamburg kommen Felix Treder und der Anwalt und Ausflugsschiff-Kapitän Sebastian Stiller.

Für die Theologen predigt Nils Petersen an, der schon bei der letzten Preacher Slam dabei war, gemeinsam mit Barbara Häußler, Nordkirchen-Redakteurin Lena Modrow und Dom-Vikarin Maria Dietz. Dabei haben sie mehr Freiheiten als im Gottesdienst: Witzige oder nachdenkliche Texte dürfen gereimt, erzählt oder gerappt werden. Sie müssen nicht religiös sein, aber „ich finde in Slams viele religiöse Fragen“, erzählt Maria Diez. „Ich habe in Predigten und Andachten auch schon Texte von Slammern vorgetragen“.

Mit Skelett-Hemd und Sense

Allerdings dürfen sie keine Texte aus dem Repertoire nehmen, sondern haben ein vorgegebenes Thema. Unter dem Motto „Das Ende ist nah!“ wird es um die letzten Dinge gehen. „Das hat mehrere Ebenen“, erläutert Bernd Schwarze: „Das persönliche Ende, das Ende der Welt und der Gesellschaft oder, dass hoffentlich die EU nicht endet“. Stilecht präsentiert Tilo Strauß das Programm im Skelett-Hemd mit Sense.

Dazu wird die Lübecker Musikerin Yu Jin auf ihrem Elektro-Keybord unter anderem die Doors-Hymne „The End“ spielen. Mit dem Berliner Liedermacher Jakob Heymann und der „Spoken Word“-Künstlerin Linda Gabriel aus Zimbabwe gestaltet sie beim Preacher Slam das Rahmenprogramm. Sie werden dafür sorgen, dass es ein abwechslungsreicher Abend wird – mit oder ohne Blumentopf- Sturz.

Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 8,50 Euro.

Friederike Grabitz