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Lübeck „Priwall VI“ fährt auch diese Saison nicht mehr
Lokales Lübeck „Priwall VI“ fährt auch diese Saison nicht mehr
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12:51 13.06.2019
Keine Überfahrt in der Saison 2019: Die Personenfähre „Priwall VI“ ist weiter kaputt. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Nächster Akt in der anscheinend unendlichen Geschichte der „Priwall VI“: Die Personenfähre, die bis vor einem Jahr zwischen Priwall und Nordermole pendelte, wird in dieser Saison nicht mehr fahren. Das gab Stadtverkehr-Geschäftsführer Andreas Ortz auf der jüngsten Sitzung des Ortsrats bekannt. Grund: Ein Gutachter, der klären soll, wer die Schuld an den Schäden trägt, ist noch nicht bestellt worden. Folge: Radfahrer und Rollstuhlfahrer, die von der Halbinsel nach Travemünde oder umgekehrt übersetzen wollen, müssen weiterhin die einen Kilometer entfernte Autofähre nutzen.

Streit um Schäden an der „Priwall VI“

„Das Problem mit der ‚Priwall VI‘ ist auch für uns ein Trauerspiel“, bekannte Ortz vor etwa 40 Besuchern der Sitzung im Gesellschaftshaus. Im November habe der Stadtverkehr vor dem Landgericht Lübeck ein Beweissicherungsverfahren beantragt. Es gehe um Schäden am Lack und an der Antriebswelle. Der Erbauer des Schiffs lehne eine Kostenübernahme ab. Jetzt solle ein Gutachter, der von beiden Seiten akzeptiert wird, bestellt werden.

Die unendliche Geschichte der „Priwall VI“

Seit einem Jahr fährt die PersonenfährePriwall VI“ nicht mehr. Der Schadensfall scheint sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln.

https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Priwall-Personenfaehre-pendelt-wieder-ab-Sonnabend

https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Travemuende-Personenfaehre-Priwall-VI-droht-das-Saison-Aus

https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Priwall-VI-faehrt-dieses-Jahr-nicht-mehr

https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Faehre-defekt-Aerger-ueber-Ausfall-der-Priwall-VI-in-Travemuende

Weitere Artikel zur Priwallfähre:

https://www.ln-online.de/priwall-faehre

Keine Übergangslösung für Fähre

Auf die Frage eines Besuchers, warum die Fähre nicht erst einmal auf eigene Kosten repariert werde und sich der Stadtverkehr später das Geld von der Werft zurückhole, bemerkte Ortz: „Nach einer Reparatur der Schäden wären diese nicht mehr beweisbar.“ Insgesamt gehe es um einen sechsstelligen Betrag. „Wir wollen nicht auf den Kosten sitzenbleiben.“ Ortsratsmitglied Sabine Haltern (SPD) regte an, für die Sommersaison eine geeignete Fähre zu chartern, deren Kosten vielleicht die Werft übernehmen müsste. Diese Möglichkeit schloss der Stadtverkehr-Chef aus: „Das ist vertraglich nicht geregelt.“

Keine Einigung auf Gutachter

Auf LN-Nachfrage beim Landgericht erklärte Gerichtssprecher Stephan Bahlmann, dass die Parteien sich bisher nicht auf einen gemeinsamen Gutachter geeinigt hätten. Es gebe darüber unterschiedliche Vorstellungen. Letztlich würde der zuständige Richter entscheiden. Dazu werde es voraussichtlich in den nächsten Wochen kommen. Bis zur Fertigstellung des Gutachtens könne es mehrere Monate dauern.

Kritik an Einsatzzeiten der Fähren

Von einigen Besuchern wurden die Fährzeiten der als Ersatz eingesetzten PersonenfährePriwall IV“ bemängelt. Noch bis zum 29. Juni pendelt das 53 Jahre alte Schiff zwischen Priwall und Nordermole täglich von 10 bis 18 Uhr, in der Hauptsaison dann von 8 bis 20 Uhr. Besonders über Pfingsten sei die Autofähre brechend voll mit Radfahrern gewesen. Ortsratsmitglied Jürgen Steffens (CDU) erinnerte daran, dass Waterfront-Investor Sven Hollesen sich für Rund-um-die-Uhr-Zeiten der Fähren eingesetzt habe und sich auch an den Kosten dafür beteiligen wollte.

So sah es am Pfingstsonntag aus: Massen von Fußgängern und Radfahrern warten an der Autofähre, auch, weil die Personenfähre keine Fahrräder mitnimmt. Quelle: Thomas Krohn

Kostenlose Nutzung für Priwallbewohner?

In der Kritik stand zudem die kostenlose Nutzung der Fähre durch die Priwallbewohner. „Warum gilt das nicht auch für die Travemünder im Sinne einer Gleichbehandlung?“, fragte eine Besucherin. Ulrich Pluschkell, Aufsichtsrats-Vorsitzender des Stadtverkehrs, machte deutlich: „Wir haben durch alle Fraktionen entschieden, dass Bewohner mit erstem Wohnsitz auf dem Priwall nichts bezahlen müssen.“ Es gebe dort keine vernünftige Infrastruktur, daher wäre es nicht fair gegenüber den Priwallbewohnern, wenn diese die Fähre selbst bezahlen müssten. Der Stadtverkehr sei beauftragt worden, das Defizit selbst zu erwirtschaften. Eckhard Erdmann, Vorsitzender der Gemeinschaft der Priwallbewohner, rechnete vor, dass die Priwallianer lediglich die Personenüberfahrt und die Mitnahme eines Fahrrads frei hätten. „Eine Jahreskarte für das Auto kostet uns wie alle anderen auch 665 Euro.“ Wer auf dem Priwall wohnt, müsse eben öfter mit der Fähre fahren als jemand, der in Travemünde seinen Wohnsitz hat. Erdmann: „Wir sind keine Schmarotzer.“

Seit 2016 im Einsatz

Die „Priwall VI“ wurde 2015 in der Barthel-Werft in Derben (Sachsen-Anhalt) gebaut und kostete 1,2 Millionen Euro. Seit März 2016 wird sie zwischen Priwall und Nordermole eingesetzt. Sie ist knapp 27 Meter lang, 6,30 sechs Meter breit und hat einen Tiefgang von 1,60 Meter. Der Hauptmotor hat eine Leistung von 120 kW, das Bugstrahlruder 195 kW. Die maximale Geschwindigkeit beträgt acht Knoten.

An beiden Seiten des Schiffs befinden sich hydraulisch betriebene rollstuhl- und behindertengerechte Einstiegsklappen. Die Fähre kann bis zu 190 Personen mitnehmen. Die beiden Führerstände können wahlweise genutzt werden, weil die Fähre sowohl mit ihrer Steuerbord- als auch mit ihrer Backbordseite anlegen kann.

Thomas Krohn

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