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Lübeck Priwall: Wird das Kohlenhof-Hotel gestoppt?
Lokales Lübeck Priwall: Wird das Kohlenhof-Hotel gestoppt?
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21:21 01.10.2018
Die Spitze des Kohlenhofs auf dem Priwall: Soll dort ein Hotel errichtet werden – oder nicht? Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Die Travemünder sind dagegen: Kein Hotel auf der Kohlenhof-Spitze auf dem Priwall. Da ist sich der Ortsrat einig. Dabei ist Areal bereits vor elf Jahren an den Investor Sven Hollesen verkauft worden. Der hält an seinen Plänen fest. Nun könnte das Areal aber unter Schutz gestellt werden.

Travemünder Ortsrat lehnt Hotel ab

Es geht um den Kohlenhof. Um ein 11 000 Quadratmeter großes Areal. Derzeit steht dort ein kleiner Wald. An der Spitze soll ein Hotel mit maximal 200 Zimmern errichtet werden – und in Richtung Fährvorplatz sind maximal sieben Villen mit 56 Wohnungen vorgesehen. So ist der Plan. Er ist vor elf Jahre beschlossen worden. „Wir sind gegen den Bau eines Hotels auf dem Kohlenhof“, macht Ortsratschef Gerd Schröder (CDU) klar. Da könne er für alle Parteien im Ortsrat sprechen – und die Priwall-Bewohner wollen ebenfalls kein Hotel. Denn es wird überall gebaut im Seebad: Aja-Hotel, Waterfront, Baggersand, Fischereihafen, Hotel an der Parkallee. „Wir können uns doch nicht das letzte Grün zubauen“, ärgert sich Schröder. Denn das Wäldchen müsste für ein Hotel abgeholzt werden. In Richtung Lübecker Bürgerschaft erklärt er: „Der Plan für das Kohlenhof-Hotel war ein Fehler.“

172 Millionen Euro wird die Ferienanlage Priwall Waterfront kosten. Das erklärt Investor Sven Hollesen auf LN-Anfrage. Damit ist die ursprüngliche Investitionssumme von 100 Millionen Euro massiv gestiegen. Geplant wird das Projekt rund um den Passathafen seit 2006. In dem Wohnquartier für Touristen entstehen 1546 Betten. Sie verteilen sich auf 457 Ferienwohnungen und auf 86 Wohnungen in einem Tagungshotel. Gebaut wird seit Oktober 2015. Fertig soll alles Ende 2019 sein. Die ersten Touristen übernachten aber bereits auf der Baustelle. Hollesen: „Es läuft besser als geglaubt.“

Bürgerschaft steckt in der Zwickmühle

Aber: Die Bürgerschaft ist zurückhaltend. Sie steckt in einer Zwickmühle. Denn: Das Areal am Kohlenhof ist bereits verkauft. Die Stadt hat das Grundstück Ende Dezember 2017 an Investor Sven Hollesen veräußert. Der Kaufpreis für den Kohlenhof: 2,36 Millionen Euro. Aber: Das Geld wird erst überwiesen, wenn es Baurecht an dieser Stelle gibt. Dazu muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Das müssen die Politiker wiederum entscheiden.

SPD und CDU sind unentschlossen

Was tun? „Persönlich glaube ich nicht, dass es noch weiteren Bedarf für ein Hotel gibt“, sagt Ulrich Krause (CDU). Sein Argument: Es gibt schon viele Touristen-Unterkünfte in Travemünde. Aber: „Ich fühle mich an den Vertrag gebunden.“ Auch Ulrich Pluschkell (SPD) ist vorsichtig: „Man muss prüfen, ob von einem Hotel am Kohlenhof abzusehen ist.“ Denn: Der Priwall sei bereits massiv bebaut worden durch Waterfront. Das Problem von CDU und SPD: Sie sind intern gespalten in der Frage Kohlenhof. Denn die Travemünder in den Reihen von SPD und CDU lehnen eine weiteres Hotel auf dem Priwall rundweg ab. Aber: Die Lübecker in den beiden großen Parteien sitzen in der Bürgerschaft – und sie hatten dem Vertrag mit Hollesen zugestimmt.

Der Kniff: Areal wird unter Schutz gestellt

Allerdings: Es gibt einen kleinen Kniff, mit dem sich die Bürgerschaft aus der Zwickmühle befreien kann. Wird das Wäldchen an der Kohlenhof-Spitze zum Landschaftsschutzgebiet, dann darf dort nicht gebaut werden. Damit hätten die Politiker eine Entscheidung vermieden. Denn: Sie hätten sich an den Kaufvertrag mit Hollesen gehalten. Gleichzeitig aber kein Baurecht schaffen können, weil das Gebiet ja unter Schutz steht. Damit sind sie heraus aus der Verantwortung. Das bestätigt Antje Jansen (GAL). „Damit würden wir elegant rauskommen.“ Ihre Fraktion hatte Anfang 2017 beantragt, dass das Wäldchen Landschaftsschutzgebiet wird. Zugestimmt hatten SPD und Grüne.

Das ist der Plan der GAL: Dieses Areal soll Landschaftsschutzgebiet werden. Davon ist ein Teil die Kohlenhof-Spitze. Dort könnte dann kein Hotel gebaut werden. Quelle: GAL

Investor bleibt bei seinen Plänen

Dennoch: Der dänische Investor bleibt dabei. „Wir wollen gerne ein Hotel bauen“, sagt Hollesen. Genauso wie die Villen in Richtung Fährvorplatz. Über die Anzahl der Hotelzimmer und die Zahl der Häuser könne man diskutieren. „Wir müssen Kompromisse finden“, sagt Hollesen. Das kennt er schon von seinen anderen Projekten auf dem Priwall. Er hat die dänische Ferienhaus-Siedlung und Priwall Waterfront errichtet. Die Projekte dauerten länger als geplant, wurden kritisch diskutiert – und schließlich abgespeckt. „Aber wir wollen schon in die Puschen kommen“, sagt Hollesen. Auch wenn er keine feste Zeitschiene verfolgt. Aber er ist in einer guten Verhandlungsposition. Denn er hat einen unterzeichneten Kaufvertrag. Und er zahlt seit 2016 Geld an die Stadt – eine Reservierungsgebühr für das Areal Kohlenhof. So ist es im Kaufvertrag vorgesehen. Nach LN-Informationen sind das gut 120 000 Euro pro Jahr.

Josephine von Zastrow

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