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Lübeck Projekt Roadrunner: Rollendes Büro für Streetworker
Lokales Lübeck Projekt Roadrunner: Rollendes Büro für Streetworker
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23:10 18.11.2016
Mehr als ein Rutschauto: Petra Sommerfeldt (51), Sascha Hensel (36) und Pascal Requardt (22) wünschen sich für die Arbeit mit Jugendlichen einen ausgebauten Bus, der als bewegliche Anlaufstelle dient. FOTO: MAXWITAT
St. Gertrud

80 000 Euro würde der ausgebaute „Roadrunner“ kosten. Über 50000 Euro sind in den letzten Monaten schon zusammengekommen. Doch die Zeit drängt.

Es ist kalt, ungemütlich und nass, als sich Streetworker Sascha Hensel, Erzieherin Petra Sommerfeldt und Auszubildender Pascal Requardt auf der Skaterbahn am Meesenplatz auf Marli treffen. Und genau darum geht es den Streetworkern. „Unser Büro ist in Kücknitz. Hier auf Marli oder in Eichholz gibt es keine Rückzugsmöglichkeit. Jugendarbeit muss enorm mobil sein“, sagt Sascha Hensel, der als Sozialpädagoge für den Internationalen Bund (IB) arbeitet. Gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Sommerfeldt ist im Team für den Stadtteil St. Gertrud zuständig. Insgesamt arbeiten acht Mitarbeiter des IB in sechs Lübecker Stadtteilen.

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Das Problem der Streetworker: In einigen Stadtteilen gibt es zwar Büros, aber nicht in allen. „Die Jugendlichen vom Meesenplatz oder vom Supermarkt in Eichholz kommen nicht zu uns ins Büro, um hier die Hilfe zum Beispiel beim Bewerbungsschreiben anzunehmen“, sagt Pascal Requardt, der gerade eine Ausbildung zum Erzieher macht. Und auf der Straße gibt es keinen Rückzugsort. „Gespräche unter vier Augen zu führen, ist dann schwierig“, erklärt Hensel. Die Lösung ist relativ simpel. Ein Kleinbus soll her. Er würde ungefähr 80 000 Euro kosten.

„Eine mobile Anlaufstelle bietet viel mehr Möglichkeiten“, so Hensel. Mit einem ausgebauten Mercedes-Sprinter, dem „Roadrunner“, könnten die Streetworker in den Stadtteilen vieles anbieten, ohne auf einen festen Raum angewiesen zu sein. „ Wenn die Jugendlichen nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu den Jugendlichen“, sagt Hensel. Der „Roadrunner“ soll einen Klapptisch, einen Laptop, Internet, eine Standheizung und einen Wassertank haben. Stauraum für Spiele und Sportgeräte ist auch eingeplant. Am Meesenplatz gibt es zwar eine Skaterbahn und auch einen Container mit Spielzeugen, den die Streetworker regelmäßig öffnen. „Aber nicht jeder möchte skaten oder spielen. Für Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren gibt es kaum ein Angebot“, erklärt Requardt.

Familien- und Beziehungsprobleme, Hilfe bei der Wohnungssuche, Bewerbungsschreiben und auch Hilfsangebote bei Drogensüchten sind die Themen der Sozialpädagogen. „Das ist aber eben nichts, was man einfach so auf der Straße bespricht“, sagt Sommerfeldt.

Auch prominente Schirmherren konnten die Sozialpädagogen für ihr Projekt gewinnen. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Fernsehmoderator Michel Abdollahi sind begeistert vom „Roadrunner“. „Viele Jugendliche bleiben leider unerreicht. Deshalb ist es toll, dass das Konzept ,Roadrunner‘ direkt Jugendliche aufsucht, um gezielt zu helfen“, sagt Abdollahi.

Mit ungefähr 150 Jugendlichen haben die Streetworker Kontakt. „Es ist aber viel mehr Potenzial da, dazu brauchen wir aber das entsprechende Angebot“, so Hensel. Nach etlichen Monaten der Sponsorensuche und Planung haben die Streetworker einen Wunsch: „Zum Sommer hin würden wir das Projekt ,Roadrunner‘ gern realisieren“, sagt Hensel.

Schutzraum auf Rädern

Die Schnelllebigkeit der Jugendkulturen erfordert eine hohe Flexibilität der Sozialarbeiter. Mit dem Bus sollen jugendtypische Plätze in Lübeck gezielt angefahren werden. So können Beziehungen aufgebaut werden.

Bei schlechtem Wetter bietet der ,Roadrunner’ auch einfach nur einen schönen Ort zum Verweilen an. Er soll mit Jugendlichen gemeinsam gestaltet werden. Das Projekt ,Roadrunner’ wird etwa 80 000 Euro kosten.

Spendenkonto: IB Nord HH/SH, IBAN DE42 5008 0000 0093 3028 02, Stichwort „Roadrunner“.

Für zugedachte Geldspenden kann auch eine entsprechende Quittung ausgestellt werden.

 Tomma Petersen