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Lübeck Das hatte der Flashmob-Protest bei der Travemünder Woche zu bedeuten
Lokales Lübeck Das hatte der Flashmob-Protest bei der Travemünder Woche zu bedeuten
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21:30 19.07.2019
„Natur statt Beton“: Etwa 200 Demonstranten hatten sich zur Protestkundgebung auf der Kohlenhofspitze eingefunden. Pünktlich zur Eröffnung der Travemünder Woche entrollten sie auf dem Priwall ein Banner. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Protestaktion zur Eröffnung der Travemünder Woche: Als Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) um 18 Uhr auf der „Lisa von Lübeck“ das Wort ergriff, formierte sich an der Promenade ein Protest-Flashmob. Mit Trillerpfeifen und Plakaten störte die kleine aber laute Gruppe die Rede des Bürgermeisters. Mehrmals hielten die Gegner des Kohlenhof-Bauprojekts auf dem Priwall Plakate mit Sprüchen wie „Küsten Wald statt Beton Wüste“ oder „Jetzt reicht’s“ in die Höhe und ließen die Trillerpfeifen schrillen.

Proteste auf dem Priwall

Auf der anderen Seite der Trave gab es zur selben Zeit eine Protestkundgebung. Dort versammelten sich jedoch deutlich mehr Demonstranten. Etwa 200 Menschen waren auf die Kohlenhofspitze gekommen und rollten ein fünf Meter langes Banner mit der Forderung „Natur statt Beton!“ aus. Etliche hatten Trillerpfeifen und Nebelhörner dabei und begleiteten die Eröffnungszeremonie mit lautstarken Tönen. Einige hatten zudem Plakate mitgebracht. „Pfoten weg vom Kohlenhof!“ und „Es reicht. Nicht noch mehr Beton auf dem Priwall!“ war darauf zu lesen. Heino Haase von den Unabhängigen forderte: „Wir müssen das Landschaftsbild erhalten.“ Jörg Lambrecht, Vorsitzender des Vereins Naturfreunde Lübeck, sagte: „Am Kohlenhof ist das letzte Grün auf dieser Ecke, das man von Travemünde aus sieht.“ Eckhard Erdmann, Vorsitzender der Gemeinschaft der Priwallbewohner, freute sich über die große Beteiligung: „Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Priwaller zum Kohlenhof eine klare Meinung haben.“

In Travemünde trafen sich zur Eröffnung der Travemünder Woche Menschen zum Flashmob, um die Aktion auf dem Priwall zu unterstützen. Quelle: Alessandra Röder

Demonstranten fordern den Erhalt der Natur

Der Flashmob-Protest war von Katja Mentz, GAL-Bürgerschaftsmitglied und Mitbegründerin einer vor wenigen Wochen ins Leben gerufenen Bürgerinitiative organisiert worden. Die Gruppe setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung auf dem Priwall und in Travemünde ein. Dazu gehören der Erhalt der Natur, ein Mobilitätskonzept nach umweltfreundlichen Kriterienund eine sozialverträgliche Stadtteilentwicklung, die mehr als bisher die Interessen und Bedürfnisse der Einwohner im Blick hat, erläutert Katja Mentz in einer Presseerklärung.

Priwallbewohner Wolfgang Giese hat deutliche Worte zur Kohlenhofbebauung gefunden. Quelle: Thomas Krohn

Es gibt keinen Bebauungsplan

Zum Hintergrund der Kohlenhofbebauung: Im Vertrag mit Waterfront-Investor Sven Hollesen, der am Passathafen gebaut hat, gibt es eine Option für die Bebauung eines weiteren Areals – des Geländes am Kohlenhof, vom Fähranleger bis zur Spitze, wo seit vielen Jahren „Eis-Klaus“ eine Imbissbude betriebt, eine insgesamt 11 000 Quadratmeter große Fläche. 120 000 Euro muss Hollesen für die Reservierung seit 2016 jährlich zahlen, zurückfordern darf er nichts, wenn es mit der Bebauung nichts wird. Einen Bebauungsplan gibt es nicht. Die Untere Naturschutzbehörde stellt in einem Gutachten fest, dass das Gebiet schützenswert ist. Daran ist die Bürgerschaft in einer Entscheidung, ob am Kohlenhof weitere Bauten entstehen, allerdings nicht gebunden. Sie könnte einen Bebauungsplan beschließen und damit den Weg für den nächsten Waterfront-Bauabschnitt frei machen – die Errichtung eines Hotelkomplexes und weiterer Wohngebäude.

Auch Heino Haase von den Unabhängigen gehörte zu Demonstranten auf dem Priwall. Quelle: Thomas Krohn

Eine weitere Bebauung auf dem Priwall wollen sowohl Politiker als auch Bürger nicht. Das wurde unter anderem bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinschaft der Priwallbewohner im September 2018 deutlich. „Es gibt über das Waterfront-Projekt hinaus keine weiteren Ideen für eine touristische Entwicklung auf dem Priwall“, sagte Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) damals. Bei einem Infoabend der Gemeinschaft im Februar 2019 stellte Wolfgang Neskovic von den Unabhängigen fest, dass es keine vertragliche Verpflichtung der Stadt gebe, Hollesen das Kohlenhofareal zu verkaufen. Letztlich sei die Frage, ob der Kohlenhof bebaut werden dürfe, eine politische Entscheidung. Eine Bebauung des Kohlenhofgeländes wird auch vom Travemünder Ortsrat sowie von den Ortsvereinen der CDU und SPD abgelehnt.

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